SKB Wolfsburg 11.01.2026

Vorwort
FC Bayern München – 1. FSV Mainz 05
Heidenheim – FC Bayern München
Innenministerkonferenz 2025…und jetzt?
Zuschauer-Teilausschluss gegen Saint-Gilloise

Vorwort

Servus Bayernfans,

kaum sind Weihnachten und Silvester vorbei, geht es wieder los mit der Bundesliga. Waren Winterpausen früher gefühlt fast zwei Monate lang und wurden mit diversen Hallenturnieren gefüllt, kann man seit ein paar Jahren lediglich von einer verlängerten Länderspielpause sprechen. Viel Zeit zum Durchschnaufen hatten wir also nicht und jetzt geht es auch direkt wieder in die Vollen: drei englische Wochen bis Ende Januar mit Spielen in Köln und Eindhoven – glücklicherweise gab es zum 01.01. neue Tage auf das Urlaubskonto. Hoffen wir, dass wir uns zumindest die Urlaubstage für die Zwischenrunde des Europacups sparen können. Mit einem Sieg aus den verbleibenden zwei Vorrundenspielen sollte uns die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale gelingen.

Aber bevor wir auf die anstehenden Spiele blicken, werfen wir einen Blick zurück. Das letzte Heimspiel vor der Pause war gegen Mainz – im Stadion kein Highlight, eher unter dem Durchschnitt der Hinrunde, was die Südkurve zeigte. Und auch die Mannschaft tat sich gegen den Tabellenletzten schwerer als gedacht und konnte erst in letzter Sekunde die erste nationale Niederlage verhindern. Am positivsten bleiben zwei Ereignisse außerhalb des Stadions in Erinnerung. Am Samstagabend feierte die Südkurve eine massive Soliparty. Der Kater vom Abend konnte dann am Sonntag auf dem zweiten Südkurven-Christkindlmarkt mit allerlei Leckereien bekämpft werden. Daumen nach oben für beide Veranstaltungen und einen großen Dank an alle, die sich die Mühe machen, solche Veranstaltungen zu organisieren.

Das letzte Spiel des Jahres führte uns auf die Ostalb: ein ungefährdeter Sieg auf dem Rasen, damit verbunden der Gewinn der Herbstmeisterschaft, eine Kurve, die nochmal tiefer in die Liederkiste griff und losgelöst vom Geschehen auf dem Rasen die eigenen Farben besang. Das hat ordentlich Spaß gemacht. In Erinnerung bleibt zudem das vorgezogene Silvesterfeuerwerk in und außerhalb des Stadions zu Ehren der Ausgesperrten. Wir besingen unsere Freunde bei jedem Spiel, dennoch war das nochmals ein besonderes Zeichen der Anerkennung. Denn die Zeit draußen ist mit Sicherheit nicht schön – umso höher ist es den Leuten anzurechnen, dass sie dennoch bei jedem Spiel präsent sind.

Und jetzt geht es heute wieder los – Wolfsburg am Sonntagabend, das klingt nicht richtig geil, aber der VW-Club gehört mittlerweile zu den kleineren Übeln in der Bundesliga. Spricht schon viel für die eigene Abgestumpftheit, aber nach mehr als 25 Jahren Ligazugehörigkeit ist das leider so. Zum großen Übel unserer Liga ist in einer Woche RB unser Gegner – ein Konstrukt, bei welchem sich diese Gleichgültigkeit niemals einstellen darf. Wie üblich verzichten die meisten Gruppen der Südkurve auf einen Besuch bei dem Marketingprodukt.

Dazwischen geht es am Mittwoch dafür zu einem Traditionsklub. Hier ist eher der Spieltermin das Problem, aber jammern hilft an dieser Stelle nicht. Ebenso wenig wie über die Strafe zum anstehenden Heimspiel im Europapokal. Dass wir grundsätzlich die Strafen der UEFA ablehnen, dürfte kein Geheimnis sein. Ebenso dass wir Pyrotechnik als wichtigen und unverhandelbaren Teil unserer Fankultur sehen und uns nicht durch Strafankündigungen eines korrupten Verbands beeinflussen lassen. Somit kommt es zur Sperre einiger Blöcke im Unterrang der Südkurve. Mal schauen, wie der Spieltag verlaufen wird – eins ist sicher, im Kampf gegen die willkürlichen Strafenkataloge der UEFA oder anderer Verbände werden wir nicht klein beigeben!

Südkurve München – immer vorwärts, niemals zurück!

FC Bayern München – 1. FSV Mainz 05 2:2

Heute empfingen wir im letzten Heimspiel des Kalenderjahres den 1. FSV Mainz 05. Da machten sicherlich die wenigsten Freudensprünge. So muss man sich die Highlights dann eben selbst schaffen. Durch die Terminierung auf den Sonntag um 17:30 Uhr, was sicherlich zusätzlich für weniger Vorfreude sorgte, ergab sich immerhin die Möglichkeit, passend zum Datum, endlich mal wieder eine Solifeier stattfinden zu lassen. Diese wurde von zahlreichen aktiven Fans aus der Südkurve genutzt und so konnte man sich‘s bereits am Vorabend im Kreis der Kurve zu dem ein oder anderen Getränk gemütlich machen. Damit auch am Sonntag am Südkurvenplatz etwas Gemütlichkeit in vorweihnachtlicher Atmosphäre aufkam, wurde zum zweiten Mal in Folge ein Christkindlmarkt auf die Beine gestellt. Dieser konnte ebenso zahlreiche Bayernfans aus ihren Betten holen, auch wenn sicherlich der*die ein oder andere noch mit dem letzten Bier vom Vorabend zu kämpfen hatte. Für beide Veranstaltungen ein riesiges Dankeschön an alle helfenden Hände und Organisator*innen. 

Etwas zu viel Gemütlichkeit schien sich dann doch schon breit gemacht zu haben – zumindest ist der Auftritt der Südkurve heute nicht anders zu erklären. Das war schon eher träge und zäh, wenn man die 90 Minuten zusammenfasst. Der Beginn zu Wonderful Days war in der ersten Halbzeit der einzige Lichtblick. In der zweiten Hälfte schien die Trägheit ausgerechnet durch den Mainzer Führungstreffer nochmal gebrochen zu werden, zumindest waren die letzten zwanzig Minuten, speziell verstärkt durch den 2:2-Ausgleichstreffer in der 85. Minute, die wahrscheinlich beste Phase am heutigen Abend. Wobei das Drängen auf einen späten Siegtreffer im Stadion sicherlich auch schon mal mehr Schwung erzeugt hat. 

Per Spruchbänder thematisierten wir heute erneut die mittlerweile zwei Tage zurückliegende Innenministerkonferenz in Bremen, deren Beschlüsse nun deutlich abgeschwächter formuliert wurden, als zunächst zu befürchten war. Da uns die Vergangenheit aber auch lehrt, dass solcherlei Repressionsgespenster in immer wiederkehrenden Abständen zurückkehrten und auch in Zukunft davon auszugehen ist, wurde hier mit den Worten „Fans & Vereine: Gemeinsam weiter gegen Populismus“ unserem Standpunkt nochmal Nachdruck verliehen. Einen ausführlichen Text zur Thematik findet ihr in dieser Ausgabe. Ein weiteres Spruchband richtete sich an ein Mitglied des Colegio, dem sich hier nur angeschlossen werden kann: „Viel Kraft und Gute Besserung, Mashl! Wir sind bei dir!“ 

Nach dem Spiel dürften sicher die meisten froh gewesen sein, nach dem langen Tag schnell wieder ins Warme zu kommen, um die Energiereserven für die Arbeitswoche und das letzte Spiel des Kalenderjahres kommende Woche in Heidenheim noch etwas aufladen zu können. Zu guter letzt möchten wir uns bei unseren Freund*innen aus Hamburg bedanken, die den Spieltag mit uns zusammen verbrachten und sich nach ihrem Heimspiel noch auf den Weg Richtung Süden machten – vielen Dank an Euch!

Die Bilder zum Spiel gibt es hier

Heidenheim – FC Bayern München 0:4

Bereits zum dritten Mal im Kalenderjahr 2025 verschlug es mich nun nach Heidenheim. Im April gastierten wir bereits hier, unsere Freund*innen vom VfL Bochum im Mai und an diesem letzten Spieltag im Jahr 2025 eben erneut wir. Das hätte ich vor ein paar Jahren bestimmt nicht erwartet, aber ehrlich gesagt habe ich kein Problem mit Spielen auf der Ostalb. Die Anreise ist auch an einem Sonntagabend beschaulich und das Stadion ist gewiss kein Hexenkessel, aber hat definitiv seinen eigenen Charme. Nur der Fußweg dorthin mit einem „steilen“ Anstieg am Ende sorgt jedes Mal für etwas Frust bei manchen Bayernfans. 

Den Hügel erfolgreich bezwungen, stellten wir uns im Stehbereich auf und sangen vor Anpfiff nach längerer Zeit wieder das neue Lied „Denn wir sind die Südkurve München“. Im Vergleich klappte das heute etwas besser, aber es gibt noch deutlich Luft nach oben. Währenddessen zeigte die Heimseite, wie bei unseren vergangenen Auftritten auch,  eine Choreo, die in Anlehnung an Weihnachten den Wunsch der Heidenheimer Fans nach dem Klassenerhalt im nächsten Jahr  formulierte. Vom Hocker gerissen hat mich das ehrlicherweise nicht, zumal ich einen Schneemann als Teil der Choreo unpassend fand. 

Die Südkurve startete indes schwungvoll in die Partie: Kiss him Goodbye und „Wir sind ein ganzes Leben für dich da“ erreichten eine ordentliche Lautstärke und wurde durch den Führungstreffer von Stanisic in der 15. Minute noch etwas verstärkt. Das Niveau bis zur Halbzeitpause war insgesamt mehr als passabel, vor allem „FC Bayern, sieg für deine Kurve!“  konnte wieder überzeugen. Sehr schön, wie schnell dieses Lied auf die Melodie von „I was made for loving you“ von KISS breiten Anklang in der Kurve fand und schon  zum festen Repertoire gehört! Nach einer guten halben Stunde traf Olise zum 2:0. Wir hatten zu Zombie Nation zwar einen kleinen Durchhänger, dafür war das Singen nach dem Runtergehen wieder verbessert. 

Sportlich lässt sich die zweite Halbzeit kurz zusammenfassen: Heidenheim kam zwar zu ein, zwei guten Chancen, die es jedoch nicht nutzte, während wir durch Díaz und Kane kurz vor Abpfiff den verdienten Sieg auch in die gewohnte Ergebnishöhe trieben. Auf den Rängen hatten wir eine gruppenübergreifende Aktion für unsere Stadionverbotler. Am Zaun zeigten wir ein großes Spruchband mit großer Aufschrift DIFFIDATI CON NOI. Dahinter erleuchteten wir den Block mit einigen Fackeln. Ob in München, Heidenheim oder auf der ganzen Welt: Ihr seid nie allein!  Leider haben auch unsere Freund*innen aus Empoli gerade mit Stadionverboten zu kämpfen. Nach dem Spiel gegen die AS Rom im März  wurde nun eine zweistellige Anzahl SVs an Ultras Empoli verhängt. Wir sandten ihnen per Spruchband Kraft und Durchhaltevermögen: „Ultras Empoli non mollate…tanto tornano!“. Ein weiteres Spruchband zeigten wir für den verstorbenen ehemaligen Bayern-Spieler Peter Kupferschmidt. Dieser war in den 1960er-Jahren für unseren Verein aktiv und feierte den Bundesliga-Aufstieg sowie den Sieg des Europapokals der Pokalsieger mit dem FC Bayern. Ruhe in Frieden! 

Mit Umbrella feierte ein weiteres Lied sein Comeback in Heidenheim, was mich persönlich als großer Fan des Lieds sehr freute. In meiner Wahrnehmung gelang es auch sehr gut, jedoch kann das auch an meiner Positionierung weit unten im Block gelegen haben. Weiter oben soll es nicht ganz so gut funktioniert haben. In Summe war die zweite Halbzeit nicht ganz so gut wie die erste, aber keineswegs schlecht. Zumal es noch ein Highlight nach dem Abpfiff gab: Auf die Melodie von “Living on a prayer“ besang die Südkurve den Deutschen Meister minutenlang im Gästeblock und beim Abmarsch. Das hat richtig Spaß gemacht! Außerdem erwartete uns während des Fußwegs zum Parkplatz ein kleines Feuerwerk für die Stadionverbotler der Südkurve. 

Per Auto ging es zurück nach München in die staade Zeit und eine kurze, aber verdiente Winterpause. Vielen Dank an unsere Freund*innen aus Jena und Bochum für die Unterstützung heute!

Die Bilder zum Spiel findet Ihr hier

Innenministerkonferenz 2025…und jetzt?

Obwohl wir mit Paris und Arsenal zwei hochklassige Partien und gleichzeitig Reisen in europäische Hauptstädte – von den im Europapokal leider nicht mehr seltenen Repressionen einmal abgesehen – erleben durften, war das bestimmende Thema des Novembers doch die Innenministerkonferenz der Länder gewesen.

Hatten die Innenminister im Jahr zuvor die Fußballverbände mit teils konkreten, teils eher vagen Forderungen konfrontiert, hörte man anschließend lange nichts mehr davon und um ehrlich zu sein, hatten viele Fans das damalige Gipfeltreffen von Politik und Fußball am Flughafen in Erding schon wieder vergessen. Es gab für die Politik ja auch keinerlei Handlungsdruck. Die Polizeistatistiken belegten eindrücklich, dass der Stadionbesuch sicher war und rein statistisch im letzten noch sicherer geworden ist. Man konnte nicht wirklich erwarten, dass seitens der Politik bei diesen Zahlen eine künstliche Debatte starten würde.

Auf verschiedenen Kanälen trafen dann im Herbst aber Informationen ein, dass die Innenminister*innen den Fußball in Hinterzimmergesprächen wohl stark unter Druck setzen würden. Von der zentralen Stadionverbotskommission hatten wir im Vorjahr ja gehört, aber die Abschaffung der Unschuldsvermutung bei Stadionverbotsanträgen, personalisierte Eintrittskarten, Gesichtsscanner und Kollektivstrafen waren sicher nicht nur für ein paar Fanpolitik-Aktivisten und -Aktivistinnen verstörend, sondern erschreckten auch die breite Fanbasis. Anders ist auch kaum zu erklären, wie mit wenigen Tagen Vorlauf in Leipzig über 10.000 Fans jeglicher Couleur für ihre und unsere Rechte auf die Straße gingen. 

In den nächsten Wochen folgten Appelle an die eigenen Vereine, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Von Hamburg bis München sprachen sich Offizielle für die Unschuldsvermutung, gegen Kollektivstrafen und personalisierte Tickets aus. Dabei befinden sich auch die Vereinsvertreter in schwierigen Spannungsfeldern und selbst wenn es leicht zu verargumentieren war, wissen wir aus der Vergangenheit, welche starken gegenteiligen Kräfte aus der Exekutive da auf Vorstände und Geschäftsführer einwirken. Von daher ein Lob an unsere Vereine. Stark gemacht.

Eine Sache änderte sich aber nicht, was bei der IMK nun wirklich auf den Tisch kommen sollte, blieb im Verborgenen und wurde nur in Geheimverhandlungen zwischen Politik und Verbänden offen angesprochen. Wir blieben am Ball, mit 12 Minuten Protest bei jedem Spiel zeigten wir den Wert der Fankultur in unserem Land und haben wohl selten für einen Protest so viel Zustimmung im Stadion und in den Medien erhalten. Und in gewisser Weise können wir uns nach der 224. Innenministerkonferenz wohl auch selbst ein wenig auf die Schulter klopfen. Schon in den Tagen vorher drehten einige bekannte Hardliner ihre Fahne vorerst in den Wind und schwenkten auf einen augenscheinlich fanfreundlicheren Kurs um. Es war schnell klar, die dicksten Kühe, wie z.B. personalisierte Tickets, sind für diese IMK vom Eis.

Leider müssen wir davon ausgehen, dass das aber tatsächlich lediglich dem kurzfristigen Druck und nicht einer wirklichen Einsicht bei den handelnden Akteuren geschuldet war. Wirkt der Beschlusstext der IMK vom 11. Dezember so als wären die Innenminister*innen Fans und Vereinen ein gutes Stück entgegengekommen, spricht das Dokument schon im zweiten Absatz wieder von Handlungsbedarf im Interesse des Fußballs und erklärt, das insbesondere beim Thema Pyrotechnik keine akzeptablen Ergebnisse in den Bund-Länder-Fußball-Arbeitsgruppen erzielt werden konnten und fordert, dass der Fußball hier bis zur nächsten IMK im Juni 2026 ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Pyrotechnik liefert. Ja, genau für die Pyrotechnik, auf die im Stadion tausende Handykameras gerichtet werden und bei der der absolute Großteil der Fanszenen nun wirklich über Jahre bewiesen hat, wie wichtig ihnen ein sicherer Umgang damit ist. Vielleicht ist Pyro aber halt auch das Einzige, was die Politiker*innen vor dem Fernsehschirm mal wahrnehmen und was irgendwo anarchisch und chaotisch wirkt und für sie deshalb wie ein Kontrollverlust wirkt, der auf Teufel komm raus bekämpft werden muss.

Damit aber nicht genug, denn auf eine konkrete Sache hatte die IMK sich mit den Fußballverbänden dann ja doch geeinigt. Beschlossen wurde die Einrichtung einer zentralen Stadionverbotskommission, die als eine Art Aufsicht über die lokalen Stadionverbotskommissionen wachen soll, womit man vielleicht sagen könnte, dass damit nicht direkt wir Fans, sondern die über Jahre etablierten und fortentwickelten Prozesse und Strukturen der lokalen Stadionverbotskommissionen unter Generalverdacht gestellt werden. Es ist jetzt erstmal unklar, welche Rechte diese zentrale Kommission haben wird, wie sie besetzt wird und wie sie schlussendlich arbeitet. Die Sicherheitsbehörden werden aber sicherlich versuchen, diese Institution zu instrumentalisieren, denn auch das drang aus den verriegelten Hinterzimmern nach außen: Stadionverbote gibt es den Vertretern dieser Organe zu wenige.

Es scheint also, dass eine relevante Anzahl Politiker und Politikerinnen den Irrweg “Mehr Repression bringt mehr Sicherheit” weitergehen will und damit auch zukünftig die einzigartige deutsche Fankultur gefährden will.  Im Juni 2026 findet die nächste IMK statt, in den Wochen vorher sind die meisten Vereine schon in der Sommerpause, Ende Mai wird selbst für uns die Saison nach einem hoffentlich famosen Spiel in Budapest zu Ende gehen. Uns fehlt die übliche Bühne uns gegen fanfeindliche und faktenferne Vorstöße zu wehren. Gerade deshalb müssen wir wachsam bleiben und auch bereit sein uns wieder kurzfristig aufzuraffen, um den Populist*innen Paroli zu bieten.

Zuschauer-Teilausschluss gegen Saint-Gilloise

Wieder einmal müssen wir uns mit Kollektivstrafen seitens eines Verbandes beschäftigen. Hierzu stellen wir gerne eine kleine Botschaft vorab: Wir wissen, dass dies für viele Fans ein hoch emotionales Thema mit zwei gegensätzlichen legitimen Positionen ist. Wie immer gilt, wir treten gerne dazu in den Austausch. Kommt einfach auf uns zu.

Beginnen wir aber mit einer kleinen Zeitreise ins Jahr 2014: Als völlig Unbeteiligte werden wir Opfer einer Kollektivstrafe der UEFA. Unser Spiel bei ZSKA Moskau findet unter Ausschluss von Zuschauern statt, sieht man mal von den paar hundert Fans des Armee-Vereins ab, die aufgrund guter Verbindungen wohl doch Einlass gefunden hatten und mit den Fans vor den Stadiontoren sogar für einzelne Wechselgesänge sorgten. Für uns Bayernfans ergaben sich erzählenswerte Anekdoten vom Einschleichen ins Stadion und dem Anmieten einer Wohnung im daneben liegenden Hochhaus-Rohbau mit Blick aufs Spielfeld, der Stadionbesuch blieb uns aber, bis auf wenige glückliche Ausnahmen, verwehrt und die Unterstützung unserer Mannschaft war unmöglich. 

Spätestens ab hier war jedem und jeder von uns klar, dass Kollektivstrafen ein absolut ungerechtes Mittel sind. Eine mittlerweile doch als eher antirassistisch eingestellte und bekannte Fanszene durfte ein Spiel wegen rassistischer Ausfälle des Gegners nicht besuchen – absolut unlogischer Mumpitz. Das nächste Mal kamen wir dann auf nationaler Ebene in Berührung, allerdings nur als indirekt Betroffene. Bei unserem Gastspiel bei der Frankfurter Eintracht im Jahr 2016 bekamen wir wieder eindrucksvoll vor Augen geführt, zu was ein Zuschauerausschluss führt: ein glatt gebügeltes Stadionerlebnis ohne Stimmung und all den Dingen, die für uns den Volkssport Fußball ausmachen. Bei gesperrter Heimkurve war dieses Spiel nach unserer Moskau-Erfahrung auch für uns nicht einfach business-as-usual, sodass sich dazu entschieden wurde, 65 Minuten zu schweigen und sich so mit den Frankfurtern zu solidarisieren.  Umso größer war 2017 dann die Freude über die zwischenzeitliche Abkehr vom Instrument der Kollektivbestrafung. Die Fanszenen hatten aufgrund der zunehmend aus dem Ruder laufenden Bestrafungen den “Krieg dem DFB” erklärt. Als Reaktion auf die breiten Proteste empfahl der Verband damals seinem Kontrollausschuss, vorerst auf Kollektivstrafen zu verzichten, was einen gar nicht mal so kleinen Zwischenerfolg für die deutschen Fanszenen darstellte.

Dass sich Fußballfans in Deutschland auf das Wort eines Verbandes in aller Regel nicht verlassen können, zeigte sich nur ein Jahr später. Nachdem die Südtribüne Dortmund polemisch gegen Hopp protestiert und jenen beleidigt hatte, verhängte der DFB einen Zuschauer-Teilausschluss auf Bewährung gegen die Dortmunder. Sollten sich diese während der laufenden Strafe noch einmal etwas zu Schulden kommen lassen, würde dies zu einem Gästeverbot in Hoffenheim führen. Es kam, wie es kommen musste: Anfang 2020 verstießen die Dortmunder gegen die Auflagen und ein Gästeausschluss wurde für die folgenden Gastspiele in Sinsheim verhängt. Auch hier solidarisierte sich die Südkurve wieder und sorgte kurz darauf in den Augen des ein oder anderen Funktionärs für einen handfesten Skandal, den wir wiederum bewusst in Kauf nahmen. Wir waren bereit, für unseren Einsatz gegen Kollektivstrafen die Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Die reißerische Berichterstattung wandelte sich glücklicherweise schnell und gut recherchierte Reportagen und gewissenhafte Journalisten sorgten dafür, dass sich auch die Stimmung in der Öffentlichkeit drehte. Infolgedessen nahm der DFB erneut Abstand von Kollektivstrafen und seinem Drei-Stufen-Plan. Da die Polizei mit einer extra eingerichteten Ermittlungsgruppe fleißig Anzeigen schrieb, zahlten wir zwar viele tausend Euro, wichtiger war aber, das Thema Kollektivstrafen in Deutschland wieder vom Tisch zu bekommen. Hier zeigen auch die jüngsten Proteste und die Demonstration in Leipzig, wie breit die Ablehnung von Kollektivstrafen bei Stadiongängern und Stadiongängerinnen mittlerweile ist.

Diese Ablehnung muß natürlich umso mehr gelten, wenn die Strafe von einem Verband wie der UEFA kommt, wo unter anderem spanische und englische Verbandsfunktionäre mitreden, was denn nun akzeptable Stadionkultur ist oder nicht. Leute aus Ländern, in denen sie gleichzeitig sehr lebendige Tribünen in eher lahme Publikums-Ränge transformiert haben.  Es mutet auch ein wenig lächerlich an, wenn in Ländern, in denen korrupte und teils chaotische Zustände herrschen, die UEFA den Spielbesuch beim Fußball verbietet, weil man dort wie schon seit jeher ein paar Fackeln angezündet hat. Die UEFA kann natürlich nichts für die Korruption in manchen Ländern, aber es ist doch lächerlich, wenn Funktionäre in der Schweiz eine bosnische Fankurve für den Einsatz von Pyrotechnik bestrafen. Genau deshalb dürfen es eben nicht die Funktionäre, Verbände oder auch staatliche Sicherheitsorgane alleine sein, die akzeptable Fankultur definieren. Vielleicht sollten auch wir Ultras in dieser Frage nicht die allein Tonangebenden sein, fair enough. Wenn es um den Einsatz von Pyrotechnik geht, können wir die Stadion-Besucherinnen und Besucher ja aber gerne einmal per Handykamera abstimmen lassen, oder unsere Fußballspieler per Instagram-Post.

Rekapitulieren wir aber vielleicht nochmal kurz, wie sich unsere Auseinandersetzung mit der UEFA entwickelt. Schon nach dem Einsatz von Pyrotechnik bei unserem Spiel in Kopenhagen verhängte die UEFA eine Bewährungsstrafe gegen den FC Bayern. Dass man diese nicht einfach hinnehmen und aussitzen würde, war für uns sehr schnell klar. Somit wurde der Valentinstag in Rom dazu genutzt, ordentlich einen abzufackeln und UEFA und Konsorten den ausgestreckten Mittelfinger zu zeigen. Dass die UEFA dies nicht einfach hinnehmen würde, war absehbar und somit mussten wir dem Auswärtsspiel bei Arsenal London fernbleiben. Wobei fernbleiben es nicht ganz trifft. Selbstverständlich wollten wir es den Verbänden, Behörden und Bullen nicht leichter machen, als unbedingt nötig und somit verfolgten gut 200 Bayernfans das Spiel vor den Stadiontoren. Begleitet von etwas Feuerwerk wurden dort die, zugegeben, frustrierenden 90 Minuten verbracht. In der Zwischenzeit schaffte es auch eine knapp dreistellige Zahl Bayernfans auf unterschiedlichsten Wegen ins Stadion, was in Einzelfällen zu Konflikten mit Heimfans führte. Ein eindrückliches Beispiel dafür, wie sinnlos kollektive Bestrafungen sind.

Nun war es gegen Sporting wieder einmal soweit. Erneut verstießen wir beim Heimspiel gegen Lissabon bewusst gegen die letzte Saison nach dem Leverkusen-Spiel verhängte Bewährung und nehmen somit eine Teilschließung der Südkurve beim Spiel gegen Saint-Gilloise in Kauf. Diese Entscheidung wurde – wie auch schon beim letzten Mal – nicht leichtfertig getroffen. Denn es ist nicht von der Hand zu weisen, Kollektivstrafen können wirken. Jeder von uns würde das Spiel am liebsten wie jedes andere aus unserer Südkurve verfolgen und unsere Mannschaft zum Sieg schreien. Die Fans müssen abwägen, ob sie den Funktionären die Deutungsmacht überlassen oder ob sie wie üblich ihr Fußballspiel verfolgen können. Mit dieser Frage schafft die UEFA es, uns Fans zu spalten und genau das ist ihr Ziel: eine Unterteilung in “guter Fan” und “böser Fan”. Heute geht es dabei ums Thema Pyrotechnik. Wenn wir uns einmal in Europa einmal umschauen, gab es Kurven-Schließungen auch schon für ganz andere Sachverhalte. In Italien reichte, aufgrund einer Regelung gegen Territoriale Diskriminierung, schon der Gesang, in Napoli herrsche die Cholera und dass doch der Vesuv sich dieses Problems annehmen möchte, für Kurvensperrungen. Bei uns geht es in manchen Kurven eben vergleichbar darum, wie lange der Kölner Dom brennt, wann das Wasser wieder steigt oder dass die Bremer eben stinken. Über Geschmack lässt sich streiten, darüber dass das eine Sperrung von Stadionteilen rechtfertigen würde, hoffentlich nicht.

Überlassen wir der UEFA oder einem anderen Verband die Deutungsmacht bei Pyrotechnik, legitimieren wir damit auch die Sanktionierung vieler weiterer Felder und ermutigen sie zu weiteren Schritten. Eine UEFA, die ja in den letzten Jahren auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dass sie entgegen der Aussagen von Aleksandr Ceferin überhaupt kein Problem damit hat, wenn Fans auf ihren europäischen Reisen durch Heimvereine, Polizei oder Ordnungsdienst gegängelt werden. Es geht bei diesem Konflikt für uns deshalb eben um mehr als nur das nächste Spiel. Deshalb  sind wir nicht dazu bereit, uns durch irgendwelche Bewährungsstrafen der Verbände – seien es die nationalen oder internationalen – erpressen zu lassen.

Wir sehen natürlich auch die Gefahr, dass solche Beispiele Schule machen. In der Bundesliga haben wir volle Stadien, tolle Atmosphäre und laut Polizeistatistiken auch absolut sichere Fußball-Besuche. Trotzdem kamen Politikern im Vorfeld der IMK die wildesten Dinge in den Sinn. Soll das Modell der UEFA Schule machen und nun auch für die entsprechenden Personen in Deutschland als Vorbild dienen, um unliebsame Fans aus den Stadien zu bekommen?  Wie soll das ablaufen? Will man eine Revolution der Anständigen provozieren, die die Ungehorsamen mit Gewalt aus dem Stadion komplementieren? Will man die Vereine zu willkürlichen Maßnahmen drängen, die im Strafrecht mit gutem Grund verboten wären? Da gibt es nämlich so etwas wie Kollektivstrafen nicht. Das gibt es (noch) nur in der Paralleljustiz der UEFA.

Niemand kämpft diesen Kampf gegen die Verbände gerne, niemand übernimmt gerne dafür Verantwortung, dass Blöcke gesperrt werden müssen, aber damit genau dass niemand mehr tun muss, geht es nicht anders, als den Verantwortlichen die Unsinnigkeit ihrer Kollektivstrafen wieder und wieder vor Augen zu führen.