SKB Union Berlin 21.03.2026

Vorwort
FC Bayern München – Mönchengladbach
Atalanta Bergamo – FC Bayern München
Leverkusen – FC Bayern München
FC Bayern München – Atalanta Bergamo

Vorwort

Servus Bayernfans,

sportlich weiterhin alles im Soll – in der Bundesliga weiterhin klar auf Titelkurs und im Europapokal wurde mit einem Sieg in Bergamo der Grundstein für das Weiterkommen gelegt. Gegen Gladbach wurde ein souveräner Sieg eingefahren und auch wenn es in Leverkusen nur zu einem Punkt reichte, fühlte sich das aufgrund des Spielverlaufs und der Tatsache, dass das Spiel zu neunt beendet wurde, wie ein Sieg an.

Wenn jetzt nichts super Ungewöhnliches passiert, wurde am Mittwoch das Weiterkommen klar gemacht und die Wahrscheinlichkeit, dass es im Viertelfinale nach Madrid geht, ist beim Schreiben der Zeilen (Sonntag nach Leverkusen) sehr hoch. Der Auftritt bei Atalanta lässt uns natürlich träumen, dass es dieses Jahr vielleicht wieder zum ganz großen Wurf reichen könnte. Selbstverständlich gehören die Norditaliener nicht zu den absoluten Topmannschaften in Europa, dennoch waren Art und Weise sehr überzeugend.

Dass Träume beflügeln können, war in Bergamo gut zu spüren – über 90 Minuten war das ein richtig starker Auftritt der Südkurve München und es wurde nach dem Spiel wirklich ausnahmslos in zufriedene Gesichter geblickt. In Anbetracht der Tatsache, dass wir einer anerkannten Kurve gegenüberstanden, die vielleicht nicht mehr den Glanz der alten Tage versprüht, aber dennoch immer noch einen großen Namen hat, war es natürlich schön zu zeigen, wozu wir im Stande sind.

Auch beim Heimspiel gegen Gladbach hielt der positive Trend der letzten Heimspiele an und auch wenn keine Dezibel-Rekorde aufgestellt wurden, waren die Stimmen überwiegend positiv. In Leverkusen dagegen taten wir uns etwas schwer, wobei auch hier die Anfangsphase sowie große Teile der zweiten Halbzeit Spaß gemacht haben. Gerade die vielen strittigen Entscheidungen, dass wir lange Zeit in Unterzahl waren, brachte Emotionen ins Spiel, die oftmals fehlen. Dass es dabei gegen einen der unsympathischen Vereine der Liga ging, dessen Fanszene auch eher weiter unten in der Beliebtheitsskala ist, hat mit Sicherheit noch ein bisschen Feuer reingebracht.

Heute geht es noch gegen Union, bevor es in die Länderspielpause geht. Gegen die Berliner haben wir uns in der Saison schon zweimal schwer getan, daher gilt für Kurve und Mannschaft, das Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Anschließend heißt es noch kurz durchatmen, bevor es dann in einen April geht, der mit mindestens fünf Auswärtsspielen (bei Erreichen des Halbfinals sogar 6) und drei Heimspielen auf uns wartet. Eine krasse Taktung, die zwar anstrengend ist, aber doch ein Kribbeln in uns auslöst. Viertelfinale gegen Real oder City, Heimspiel gegen den Rivalen aus Stuttgart, in Leverkusen um den Finaleinzug spielen – das sind die Spiele, die zählen. Bislang scheint alles Vorgeplänkel gewesen zu sein, jetzt zählt es. Lasst uns als Kurve in den kommenden Wochen vorangehen und die Spieler auf dem Rasen zu Höchstleistungen treiben, damit wir die Chance auf eine historische Saison aufrechterhalten.

Vorwärts Südkurve!
Immer vorwärts FC Bayern!

FC Bayern München – Mönchengladbach 4:1

Im März beginnt im Fußball erfahrungsgemäß die heiße Phase der Saison. Das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach war als unsere erste Partie in diesem Monat also keine unwichtige. Terminiert auf einen Freitagabend ließ sich außerdem das restliche Wochenende noch etwas flexibler gestalten.

Gleichzeitig waren bei allen Anwesenden die Ereignisse um unser Spiel in Dortmund sechs Tage zuvor noch sehr präsent. Mit zwei Statements hatten wir uns online und im Südkurvenbladdl bereits dazu geäußert, jedoch zeigten wir vor Spielbeginn ergänzend eine kleine Aktion in der Südkurve. Mittig prangte unser bewährtes Gegen-Repressionen-Logo, umrahmt von zwei Spruchbändern im Ober- und Unterrang: „Ohne Verhältnismäßigkeit keine Rechtmäßigkeit! Gemeinsam für unsere Rechte – Freiheit für die Kurve!“

Spontan zeigten auch die Gladbacher im Gästeblock eine Choreo, die sich gegen Polizei-Willkür richtete und mit einem zehnminütigen Schweigen verstärkt wurde. Anlass war die Abweisung einer Auto-Besatzung ihrer Freunde aus Timisoara, die an der deutschen Grenze erst übermäßig lange kontrolliert und dann mit einem Einreiseverbot belegt worden waren. Zusammen mit unseren Erfahrungen und jenen der Dortmunder vor ihrem Spiel in Bergamo bildet dieser Vorgang den dritten Eingriff in grundlegende (EU-) Rechte eines jeden Fans. Unglaublich, was sich die Bullen derzeit erlauben! 

Wenn wir gerade schon den Gästeanhang erwähnen: Der Auftritt der Gladdis war keiner, der in Erinnerung bleibt, akustisch kam bei uns wenig an, optisch hat das aber gepasst. Zu erwähnen ist die große „125 Jahre Mythos Borussia“-Zaunfahne, angebracht unterhalb der Gruppen-Zaunfahnen, die sich über einen großen Teil des Gästeblocks erstreckte. Außerdem ein Dankeschön für die Solidaritätsbekundung in Form eines Spruchbands mit der Aufschrift „Freiheit für alle Fußballfans!“.

Mit Blick auf unseren Auftritt kann ich von einer in Summe positiven Wahrnehmung berichten. Die Kurve präsentierte sich unbeeinflusst von der geringen sportlichen Relevanz der Partie und zeigte eine gute Leistung. Erfreulich war zum Beispiel die Rückkehr von Hey Jude in unseren Gesang, das wir zuvor lange nicht gesungen hatten. Nicht ganz so gut lief hingegen das „Südkurve München sind wir!“, bei dem nicht die ganze Kurve sonderlich aktiv war. Mit einer 2:0-Pausenführung war das Sportliche bereits früh entschieden, denn Gladbach fand keinerlei Zugriff, während wir mit einer dosierten Leistung kaum Probleme in dieser Partie hatten. Vielleicht auch deswegen liefen die melodiösen Lieder heute gut und mit „Der deutsche Meister“ auf Livin` on a Prayer wusste der neue “Hit” wieder mal zu überzeugen. Als die Partie allmählich ausklang – zwei weitere Treffer hatten die gewohnte Höhe besorgt – stimmten wir uns mit „In München, in ganz Deutschland, in Europa!“ auf die anstehenden K.o.-Spiele im Europapokal ein. Der Gladbacher Treffer kurz vor Ende war unnötig, aber lediglich Ergebnis-Kosmetik.

In Zeiten, in denen Fußballfans von den Bullen das Leben schwer gemacht wird, zeigt sich Freundschaft und Zusammenhalt besonders, daher vielen Dank an die Unterstützung aus Hamburg, Jena und Bochum! Polizia merda!

Spieltagsbilder

Atalanta Bergamo – FC Bayern München 1:6

Hooray, wir durften mit dem FC Bayern mal wieder ein neues Ziel ansteuern. Der Traum von der Landweganreise zu Bodo Glimt war mit der Auslosung zwar begraben, aber dafür mussten wir auch nicht innerhalb von 4 Tagen zweimal nach Leverkusen, sondern es ging über die Berge zur Dea, der Göttin der Bergamasken. Hatte Atalanta Bergamo in diesem Jahrhundert auch schon Jahre der Zweitklassigkeit mitmachen müssen, sind sie seit Mitte der 10er Jahre wieder in den oberen Sphären des italienischen Fußballs angekommen und konnten vorletzte Saison mit einem Finalsieg über Leverkusen eine europäische Trophäe in die Lombardei entführen.

Nicht nur fußballerisch ist Atalanta ein Schwergewicht auf dem Stiefel, auch die Fanszene genießt in Italien einen hervorragenden Ruf. Ein viel besseres Los hätten wir uns also nicht wünschen können. Italien bedeutet für uns natürlich auch immer Buskonvoi. Nach Plan der Offiziellen hätte dieser am Hauptbahnhof enden sollen, wo uns eine Art Fanzone erwartet hätte. Das war uns allerdings dann doch etwas zu orchestriert, weshalb wir irgendwann nach Einfahrt in die Stadt aus den Bussen stiegen und uns einen eigenen Treffpunkt suchten. In einer kleinen Großstadt wie Bergamo bleibt so etwas den Bullen natürlich nicht verborgen und unmittelbar nachdem wir es uns auf einem kleinen Platz gemütlich gemacht hatten, war die Polizia auch schon zur Stelle, belästigte uns aber erstmal nicht weiter. Der Tag verging dann ein wenig so, wie ein Europapokal-Aufenthalt von uns vor 20 Jahren auch ausgesehen hat. Chillen am Platz, Getränke aus dem Supermarkt, Essen vom Bäcker – nur dass wir mittlerweile halt zehnmal so viele Leute sind. Dementsprechend kuschelig war es in den Shuttlebussen zum Stadion, aber die Fahrt verging trotzdem fix. Wenn die Polizei in Italien eines kann, dann ist es Straßen absperren. Kann man sonntäglich in jeder Stadt der ersten bis vierten Liga begutachten. Es scheint den Poliziottos ein inneres Blumenpflücken zu sein, den Verkehr umzuleiten.

Eingang in Italien dann immer ein wenig Vabanque-Spiel, kann fix und easy gehen, kann aber auch komplette Jauchegrube mit stundenlangem Anstehen und Sinnlos-Kontrollen werden. Bergamo war hier definitiv am besseren Ende der Skala anzusiedeln, auch wenn die Personalisierungsgeschichte unnötig ernst genommen wurde.

Im Stadion ein kleiner Cafe Sportivo mit Umdrehungen, bevor der Gästeblock begutachtet wurde. Wäre natürlich utopisch geil gewesen, hier noch im alten Stadion zu spielen, aber so sehr man der Fußballromantik verfallen ist, in solchen Buden wird 2026 halt keine Champions League mehr gespielt. Ich hatte den Gästeblock von einem Besuch mit Empoli wesentlich beschissener in Erinnerung. Vielleicht zu besoffen gewesen, weil so schlecht war das hier eigentlich gar nicht. Und die Laune war sogar so gut, dass schon weit vor Anpfiff die ersten Lieder bei uns gesungen wurden. Wir sind ja ehrlich gesagt sonst nicht die größte Sängerszene und starten eher kurz vor Anpfiff, aber das neue Lied, das perfekt zur aktuellen Repressionswelle in Deutschland passt, machte eben auch einfach Bock und dürfte auch als Untermalung für die Vorberichterstattung im TV hörbar gewesen sein. Bullen, Staatsanwälte, unsere Feinde – ungenannt dürfen sich auch die meisten Innenminister dazu zählen.

Auch über die 90 Minuten war unsere Kurve gesanglich so gut drauf wie selten. Das machte richtig Bock. Kaum ein Lied fiel in der Lautstärke ab, rege Beteiligung im gesamten Gästeblock. So kann man durch Europa fahren. Alles andere wäre beim Auftritt unserer Mannschaft aber auch eine Schande gewesen. Wahnsinn, was die da ablieferten. Michael Olise geisteskrank, aber auch das restliche Team. Höchstes Tempo, jeder Spieler rotierte dorthin, wo er gerade gebraucht wurde. Die Nerazzuri wurden von den Spielzügen teils einfach überrollt.

Die Fans der Atalanta hatten das Spiel mit einem kleinen Intro unter dem Namen „Notti Magiche“ eingeleitet. Simpel, aussagestark und sie verstanden es trotz der hohen Niederlage den Abend so magisch zu machen, dass er vermutlich allen Bergamasken ungeachtet des Ergebnisses mit Stolz in Erinnerung bleiben wird. Die Begeisterung für Atalanta nahm nicht mit jedem Gegentor ab, sondern blieb von Anfang bis Ende auf höchstem Niveau. Die Anhänger der Dea nutzten die Chance auf der ganz großen Bühne zu zeigen, wie viel größer ihre Liebe zu ihrem Verein, ihrer Stadt und auch ganz explizit zur Mannschaft ist. Die Spieler wurden im Anschluss an die Niederlage noch ausführlich beklatscht. Selbst wenn ich euphorisiert vom berauschende Spiel unserer Mannschaft, der bemerkenswerten Stimmung im Gästeblock und vielleicht auch noch vom Halbzeitbier war – wie die Heimkurve und das Stadion mit der Niederlage umgingen, hat mich wirklich beeindruckt. Das war Fansein in Reinkultur.

Gefeiert haben wir unsere Spieler natürlich auch, mit einem 6:1 fällt einem das aber freilich auch leicht. Die Jungs hatten sich das redlich verdient. Der Abend zeigte ganz klar, wo die Reise hingehen kann. Nach Budapest nämlich, PSG muss runter vom europäischen Thron. Mit der Mannschaft haben wir das im Kreuz. Da stoppt uns diesmal kein Vini Jr., da macht ein Dembelé keinen Stich und Landesmeistercup wird es auch 2026 keinen in North London zu sehen geben. Dieses Jahr geht er an die Säbener Straße.

WIR SCHEISSEN AUF MADRID UND HOLEN DEN LANDESMEISTERCUP!

Die Fotos aus Bergamo

Leverkusen – FC Bayern München 1:1

Bayer-Kreuz statt Bergamo, trister Himmel über Baustellen auf der A3 und ein Bundesland, mit dessen Polizeieinheiten wir vor kurzem erst Erfahrungen der, gelinde gesagt, nervigeren Sorte machen durften. Gab sicherlich schon mal Spiele, die für größere Vorfreude beim Reisetross der Südkurve gesorgt haben dürften, aber erstens hilft es ja nichts und zweitens liegt es am Ende ja auch immer noch ein wenig an uns, ob‘s ein spaßiger Tag wird.

Also raus aus den Bussen und am Parkplatz unter der Autobahn erstmal ein wenig abgecheckt, welche Einsatzstrategie die hiesige Bulleneinheit wohl fahren wird und ob da noch eventuelle Nachwehen des Dortmund-Spiels verhandelt werden könnten. Um es direkt vorneweg zu nehmen: Den ganzen Tag über hielten sich die Cops – einem solchen Spieltag auch mehr als angemessen – im Hintergrund und auch die Einlasssituation am Stadion gestaltete sich verhältnismäßig entspannt. Dass dies bei weitem nicht die Regel in Leverkusen ist, durften auch in dieser Saison wieder einige Fanszenen leidvoll erfahren, sodass auch die heimische Nordkurve ihren – subjektiv doch etwas überdimensionierten – Schreihals verkehrt herum aufhängt. Die Verbotspolitik von Bayer 04 stößt auch dort auf großen Unmut und wenn man den eingesetzten Vereinsmitarbeiter bei der Materialkontrolle als Maßstab hernimmt, kann man sich grob vorstellen, mit welcher Arroganz,  gepaart mit Dummheit, dort hantiert wird. Kurz den Kopf geschüttelt und rein in den Block, der auch in diesem Jahr mit der höheren Aufstellung der Gruppen doch ganz gut abgedeckt wurde.

Das Spiel selbst startete dann etwas zu schnell mit einem Gegentor, aber ernsthafte Sorgen dürften wohl die wenigsten gehabt haben und eine gewisse Lockerheit zeigte sich auch auf den Rängen. Da hat vielleicht bei manchen Liedern der letzte Zug gefehlt, aber ehrlicherweise hängt es dann auch doch manchmal am Spiel und das war in weiten Teilen eher weniger begeisternd. Wenig begeistert vom intensiven Zweikampfverhalten von Nicolas Jackson zeigte sich auch der Schiedsrichter und so gab es kurz vor der Halbzeitpause noch die Rote Karte. Und damit kommen wir auch zu der Thematik, die wohl spätestens ab Mitte der zweiten Halbzeit bei den allermeisten doch nochmal den Puls hochfahren ließ. An dieser Stelle soll jetzt gar nicht groß ausgebreitet werden, wann der VAR was genau darf und wann der Schiedsrichter auf dem Platz wen und wo anrufen soll oder doch auch mal selbst entscheiden darf. Es braucht gar keine langen Analysen, um festzustellen: Der VAR ist zu einer maximal nervigen Angelegenheit für jeden und jede im Stadion geworden. Und anstatt sich diesen Fehler einzugestehen, wird das Ganze demnächst auch noch ausgeweitet und während seinerzeit von der großen Gerechtigkeits-Offensive fabuliert wurde, vergeht wohl kein Spieltag mehr, an dem der VAR nicht doch die Schlagzeilen irgendeines Spiels dominiert. Lange Rede, kurzer Sinn: Im Block zumindest wurde das Rad der Zeit ordentlich zurückgedreht und mit „Schiri, du Arschloch!“ das Liedrepertoire der späten 90er entstaubt. Muss auch mal sein und hätte kaum passender sein können.

Gepasst hats dann auch mit der Emotionalität und auch die Lautstärke der Lieder wurde nochmal ein wenig nach oben gedreht, der Ausgleich geschossen und der Punktgewinn  in doppelter Unterzahl über die Zeit gebracht. Maßgeblich daran beteiligt und daher auch hier zum Abschluss nochmal mit einer besonderen Erwähnung gewürdigt, war daran Sven Ulreich. Das ultimative Feindbild aller Lifestyle-Teilzeit-hassenden Turbokapitalisten zeigte nach über anderthalb Jahren; was noch in ihm steckt und präsentierte damit im übertragenen Sinne nicht nur allen Arbeitsfetischisten, sondern auch dem Wichser Simon Rolfes den Mittelfinger. Ulreich wird Meister, Rolfes fliegt Ende April aus dem Pokal! 

FC Bayern München – Atalanta Bergamo 4:1

Rückspiel gegen Atalanta – mit einem 6:1-Erfolg im Rücken dürften sich selbst die größten Pessimisten (zu denen ich mich selbst zählen würde) keine Sorgen um das Weiterkommen gemacht haben. Für mehr Kopfzerbrechen sorgten da schon die Flugpreise nach Madrid, welche spätestens nach dem Hinspielsieg der Königlichen großes Thema waren. Osterferien, kurzfristige Ansetzung, schnell war klar, dass fürs Viertelfinale ordentlich in die Tasche gegriffen werden muss oder viel Zeit auf der Straße verbracht werden darf.

Das sportliche Geschehen an dem Abend rückte somit etwas in den Hintergrund (in der KO-Phase eher ungewöhnlich) und das Auftreten der beiden Teams gab auch keinen Anlass, dass es nochmal in den Vordergrund rutschen würde. Waren die Bergamaschi beim Hinspiel noch überraschend mutig, war von einer Aufholjagd nichts zu sehen. Letztlich dominierten die Spieler in Rot und mit einem Gesamtergebnis von 10:2 wurde das Viertelfinale erreicht. Hängengeblieben ist vor allem das Traumtor von Harry Kane und die Tatsache, dass wir mal wieder nicht zu Null gespielt haben. Das größte Ärgernis an diesem Abend war wie so oft der VAR (der von Lothar Matthäus übrigens exakt so ausgesprochen wird, wie er geschrieben ist – ist mir zumindest vor kurzem erstmals aufgefallen). Keine Ahnung, ich weiß, wir werden den wahrscheinlich nicht mehr los, aber selbst nach fast neun Jahren habe ich das Gefühl, dass das System erhebliche Mängel aufweist. Da werden Tore zurückgenommen, bei welchen keine klare Fehlentscheidung vorangeht und dass bei strittigen Szenen im Strafraum gefühlt von Schiedsrichterseite weniger gepfiffen wird und auf ein Zeichen aus dem Kämmerchen gewartet wird, sorgt halt für viele unnötige Unterbrechungen. Die Unparteiischen auf dem Platz haben da in den letzten Jahren viel an ihrer Entscheidungskompetenz abgegeben bzw. haben diese ein Stück weit verloren. Mehr Mut zu Entscheidungen auf dem Spielfeld wäre wünschenswert. 

Die Diskussionen um das Thema werden ignoriert und anstatt das Rad zurückzudrehen, werden demnächst noch weitere Situation (bspw. Eckbälle) einer Prüfung unterzogen. Das Stadionerlebnis wird damit Stück für Stück kaputt gemacht. Dass wir uns dabei in einem Spannungsfeld befinden, ist auch klar, aber als Kurve ist der Weg, bei VAR-Entscheidungen nicht zu jubeln, konsequent. Wir können nicht dagegen sein und dann in Ekstase ausbrechen, wenn wir davon profitieren. Und klar, ich mach mir natürlich schon Gedanken, wie die Kurve reagiert, wenn in einem Finale in den letzten Minuten eine Entscheidung zu unseren Gunsten ausfällt. Ob die Konsequenz dann weiter da ist?! Wir werden es eines Tages erfahren. Jetzt sind wir etwas abgeschweift, aber an dem Abend war der VAR ein richtiger Stimmungskiller. Gingen die Gesänge in den ersten 20 Minuten locker von den Lippen, gerade zu Beginn „Ich hab geträumt von dir“ und „Kiss him goodbye“ haben richtig Bock gemacht, war nach dem Elfmeter ein starker Abfall zu beobachten und bis zum Pausenpfiff kam da nicht wieder der erhoffte Zug rein.

Mit Beginn der zweiten Hälfte wurde es dann wieder besser, aber ehrlicherweise kein Abend, der lange im Gedächtnis bleiben wird. Alles in allem war der Auftritt der Kurve in Ordnung und wir mussten uns im Wettstreit der Kurven nicht geschlagen geben. Zumindest für die erste Halbzeit gesprochen, denn aufgrund einiger Verhaftungen bei den Gästefans fand der Wettkampf der Kurven in der zweiten Halbzeit nicht mehr statt. Natürlich bitter, wenn mit der Curva Nord eines der Schwergewichte der italienischen Ultraszene zu Gast ist und dann das USK dazwischenfunkt. Was vor Spielbeginn aus dem Norden bei uns ankam, war ganz vielversprechend, wobei es bereits während der ersten Halbzeit merklich abflachte. Jetzt geht es in der nächsten Runde gegen Real – die Erinnerungen an 2024 sind noch frisch, die Lust auf die Revanche groß. Das war zu Spielende im Stadion schon hörbar.

Ein großes Dankeschön geht an die Südkurve Jena und Ostkurve Bochum für die Unterstützung an diesem Abend. Abschließen wollen wir den Bericht mit dem Wortlaut des Spruchbands, dass an zwei jüngere Fans aus unserem Umfeld gerichtet war, die einen schweren Autounfall hatten: Gute Besserung und viel Kraft, Leon und Simon! Wir sind bei euch!