SKB Mainz 09.03.2024

Vorwort
FC Bayern – RB
SC Freiburg – FC Bayern
UEFA – We will never accept your pseudo-jurisdiction!
Stadio Fratelli Ballarin
Was hier und da passiert
Termine

Vorwort

Servus Bayernfans,

Mittwochmorgen – und die Bayern-Welt sieht schon wieder ein bisschen freundlicher aus. Das Viertelfinale ist erreicht und somit sind wir zumindest in einem Wettbewerb im Soll. Denn seien wir realistisch: In der Meisterschaft dürften sich nur noch die wenigsten Chancen ausrechnen. Natürlich, 10 Punkte können an zehn Spieltagen natürlich aufgeholt werden. Und gerade wir als Bayernfans wissen, dass es erst vorbei ist, wenn es vorbei ist. Jedoch wirkt unsere Elf aktuell nicht so, als würde sie locker flockig bis Saisonende alles gewinnen. Und zum anderen scheint Leverkusen dieses Jahr unfassbar konstant zu sein. Dass da noch einmal ein kompletter Einbruch erfolgt, wäre aus unserer Sicht wünschenswert, aber ob es soweit kommt?!

Richten wir den Blick auf die Südkurve: das Heimspiel gegen RB war stimmungsmäßig richtig stark von uns. Da gibt es von unserer Stelle mal wenig auszusetzen. Auch in Freiburg zeigte die Kurve eine ordentliche Leistung, auch wenn bei mir vor allem im Kopf ist, was drin gewesen wäre. Also, wie schon geschrieben, es war gut, teilweise sehr gut. Aber gerade in den sehr guten Momenten ist zu sehen, dass in den guten noch Luft nach oben ist.

Gegen Lazio gab es ebenfalls immer wieder richtig laute Phasen, gerade wenn sich die oberen Ränge der Kurve mitbeteiligten. Auch hier lässt sich aber konstatieren, dass nicht das gesamte Potential ausgeschöpft wurde. Positiv sei an dieser Stelle die Choreografie der Südkurve erwähnt: schlichtes Motiv, klare Aussage – ein Dank an alle Helfenden!

Was hat die Gemüter in den letzten zwei Wochen noch bewegt? Mit Sicherheit das Urteil der UEFA, dass beim kommenden Auswärtsspiel keine Karten an Gästefans verkauft werden dürfen. Die Entscheidung ist nicht vom Himmel gefallen, uns war allen bewusst, dass das kommen wird. Dennoch ist die Strafe nichts, was wir akzeptieren werden. Dass Pyrotechnik für uns zur Fankultur dazu gehört, ist kein Geheimnis. Dass wir uns nicht Erpressungsversuchen von Seiten der UEFA beugen, sollte ebenfalls klar sein. Im Prinzip ist die verbandseigene Justiz abzulehnen. Das haben wir gegen Lazio per Spruchband kundgetan und im Südkurvenbladdl findet ihr einen Text zu der Thematik.

Darüber hinaus wollen wir euch, bezugnehmend auf unser Spruchband in Freiburg, über die Situation bei unseren Freund*innen aus San Benedetto informieren. Deren altes Stadion (Stadio Fratelli Ballerin) soll abgerissen werden und damit auch ein Teil der Heimat und Historie der rotblauen Tifoseria. Doch die Erinnerung daran wird auch dadurch nicht auszulöschen sein!

Zum Abschluss nochmal kurz zurück zu uns: Wie es aktuell aussieht, erleben wir im April und Mai Wochen, in denen es sportlich in der Liga vor allem um die Goldene Ananas gehen wird. Eine nicht allzu gewohnte Situation für uns (zumindest das wir nicht selbst der enteilte Tabellenführer sind). In den nächsten Wochen sind insbesondere wir als Kurve gefragt, die Farben von Stadt und Verein hochzuhalten. Vielleicht ist es aus Kurvensicht gar nicht so schlimm, wenn wir den Fokus die kommenden Spieltage vor allem auf uns selbst legen können und etwas losgelöster vom Geschehen auf dem Rasen agieren. Wir sind das Aushängeschild dieses Vereins, das gilt es jedes Spiel, von der ersten bis zur letzten Minute, zu zeigen. Egal, ob wir auf dem Spielfeld Zauberfußball sehen oder, wie es der Kaiser sagen würde, „Obergiesing gegen Untergiesing“: die Kurve geht voran und singt für Stadt und Verein!

Im Namen der Stadt – vorwärts Südkurve!

FC Bayern – RB 2:1

Spiel 1 nach dem Ende des erfolgreichen Protests gegen den Investoreneinstieg in der DFL; und passenderweise kam ein „Verein“ (oder vielmehr: ein Konstrukt) nach München, das es ohne einen Investor in dieser Form nicht geben würde. Ihr seht, Probleme gibt es im deutschen Fußball weiterhin genügend, dennoch können wir uns freuen, dass wir den Kampf gegen den Einstieg erst einmal gewonnen haben. Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an alle Bayernfans, die sich dem Protest angeschlossen haben. Ohne die Akzeptanz in weiten Teilen der Kurve wäre das nicht möglich gewesen. Mit Sicherheit auch ein Beweis, dass nicht nur eine kleine Minderheit an Querulanten ein Problem mit dem Vorgehen der DFL hatte, sondern ein Großteil der Kurvengehenden, wenn nicht sogar Stadionbesuchenden, Zweifel an dem Vorgehen hatte. Um die Thematik fürs erste abzuschließen, wurde von der Kurve heute ein Spruchband auf der Gegengerade gezeigt: „Menschen, die ins Stadion gehen, haben den Fußball groß gemacht – Menschen, die ins Stadion gehen, werden den Fußball am Leben erhalten“. 

Dank der kulinarischen Verpflegung von Seiten der aMr ging es gut gestärkt die Esplanade hinauf. Insgesamt war bei den Gesprächen zu merken, dass die drei Niederlagen am Stück, und vor allem das Auftreten der Mannschaft, Spuren hinterlassen haben. Die Stimmen zum anstehenden Spiel waren fast durchgehend von Skepsis geprägt. Aber vielleicht war es doch der Tag, an dem das Bayern-Gen sich durchsetzen und die Elf auf dem Rasen zum Gegenschlag ausholen sollte.

Bevor es losgehen konnte, gab es leider mal wieder eine Schweigeminute – und zwar für einen Spieler, der in meiner Generation als Held der WM 1990 in Erinnerung bleiben wird. Zu Beginn der Woche verstarb Andreas Brehme. Begleitend zur Schweigeminute zeigten wir „Unsere Stadt verliert ein Original. Ciao Andi – Ruhe in Frieden!“.

Nach einer Schweigeminute fällt es manchmal ein bisschen schwerer, den Schalter umzulegen und ins Spiel zu starten. Doch dieses Mal gelang der Südkurve der Start in die Partie sehr gut. Vielleicht waren alle noch beschwingt von dem erfolgreichen Protest oder die Leute hatten aus irgendwelchen anderen Gründen Bock. Who knows… Uns war’s recht, von Anfang an war Zug drin und es machte Spaß. Die Lieder gingen locker von den Lippen und somit waren die ersten 45 Minuten schnell vorbei. Auf dem Spielfeld war zu Beginn auch etwas mehr Schwung als in den vergangenen Wochen drin, jedoch konnte das nicht über die komplette erste Hälfte gehalten werden. Aber gut, Halbzeitpause, durchschnaufen und weiter geht’s. Um das Pausenkoma zu verhindern, wurden hüpfend Grüße nach Giesing gesendet, ehe die Südkurve da weitermachte, wo sie vor der Halbzeit aufgehört hatte.

Gerade als sich die Kurve zu „Wenn ich nachts nicht schlafen“ kann in einen kleinen Rausch gesungen hatte, erzielte Kane das erlösende 1-0. Die Freude währte jedoch nicht lange und es stand 1-1. Somit war wieder etwas mehr Pushendes aus der Kurve gefragt. In diesem Bereich ist unser Liederrepertoire etwas eingeschränkt – nach drei Niederlagen in Folge fällt einem das doch ein bisschen mehr auf als sonst. Aber klar, nach 11 Jahren Meisterschaft ist die Kreativabteilung in diesem Bereich zuletzt nur wenig gefordert gewesen und viele Liedkreationen wurden losgelöst vom Spielgeschehen entwickelt. Von unserer Seite aus auf alle Fälle ein Punkt, an dem es zu arbeiten gilt, um in umkämpften Spielen nicht immer nur auf die gleichen 3-4 Songs zurückgreifen zu können. Denn auch Lieder, die ein bisschen mehr den Push-Effekt haben, können eine coole Melodie haben. Ein gutes Beispiel in dieser Kategorie ist für mich “Rivers of Babylon”. Aber zurück zum Spiel: Als niemand mehr damit rechnete, schaffte es unser englischer Star-Stürmer, den Ball ein zweites Mal mit links in die lange Ecke zu knallen. Abwärtstrend somit gestoppt und zufrieden mit dem Ergebnis und dem Auftritt der Südkurve wurde der Abend beendet. Vollständigkeitshalber sei noch ein Spruchband erwähnt, dass sich auf die Kontrolle von 855 HSV-Fans auf der Rückreise von Rostock bezog. Aufgrund einer Auseinandersetzung im vergangenen September suchte die Polizei Personen, die daran beteiligt gewesen sein sollen. Die siebenstündige Schikane war anscheinend ein voller Erfolg, immerhin konnten knapp vier Prozent der Kontrollierten als vermeintliche Verdächtige ausgemacht werden. Dafür gibt es trotz aller Feindschaft unsere Solidarität.

Abschließend geht ein großes Dankeschön an die größere Abordnung von Ultrà Sankt Pauli, die sich im Anschluss an den Freitagabend-Kick in Kiel auf den Weg gemacht haben, um uns zu unterstützen. Da wurden wieder ordentlich Kilometer gemacht.

Hier gibts Bilder vom Spiel

SC Freiburg – FC Bayern 2:2

Zäumen wir das Pferd ausnahmsweise direkt von hinten auf: das hat doch endlich mal wieder richtig Spaß gemacht. Klar, dass damit nicht die Leistung der Mannschaft auf dem Rasen gemeint sein kann, aber das wäre in diesen Zeiten wohl auch zu viel des Guten. Wer aufmerksam die letzten Spielberichte im Südkurvenbladdl verfolgt hat, konnte zwar von durchaus zufriedenstellenden Auftritten der Südkurve in nah und fern lesen, aber so richtig konnten wir unserem Anspruch dann doch nicht immer gerecht werden. Die durchaus ungewohnte Situation, dass sich unsere Roten allzu oft nahezu kampflos von – zumindest theoretisch – deutlich schwächeren Gegnern ausspielen lassen, dämpfte doch den ein oder anderen Auftritt.

Nachdem die letzten Auswärtsspiele auf den Rängen zwar nicht schlecht, aber irgendwie auch nicht hundertprozentig zufriedenstellend waren, platzte in Freiburg gefühlt so ein wenig der Knoten. Dabei war die Ausgangslage gar nicht so ideal. Fast schon überraschend sorgte die Terminierung auf einen Freitagabend gepaart mit ÖPNV-Streik zwar für eine etwas verzögerte Anreise aber dennoch nicht für das ganz große Chaos und somit ausreichend Zeit sich im Gästeblock gut aufzustellen. Nachdem wir beim letzten Spiel bereits mit einigen Leuten den Stimmungskern im Sitzplatzbereich erweitert hatten, stellten sich nun erstmals zwei Gruppen der Südkurve in den Oberrang. Nachdem kleine Schwierigkeiten bei der Koordinierung überwunden waren, machten die ersten Minuten direkt ordentlich Freude. Der sich schnell abzeichnende Führungstreffer der Freiburger nervte zwar durchaus, sorgte aber nur für einen kurzen Dämpfer. Und gerade in der zweiten Halbzeit trafen die Vorsänger mit der Liedauswahl den komplett richtigen Nerv und junge und jung gebliebene Bayernfans pogten sich nicht nur einmal durch den Block. 

Selbigen durften wir nun zum dritten Mal bespielen und so langsam scheinen wir dort anzukommen, wo wir im alten Freiburger Stadion aufgehört haben. Gerade in den Jahren mit absolutem Dominanzfußball konnte man dort mal getrost auch 90 Minuten lang so gut wie nichts sehen und trotzdem fern der sterilen großen Blöcke ordentlich Spaß haben. Das neue Stadion wirkt natürlich noch ziemlich clean, die Architektur des Gästebereichs kann man wohl aber als verhältnismäßig gelungen bezeichnen. Dass es einige Zeit braucht, bis man als Kurve in seinem neuen Stadion wirklich ankommt, wissen wir als Südkurve dabei aus leidiger Erfahrung. Und auch die Freiburger Nordtribüne scheint noch mit der massiven Vergrößerung ihres möglichen Einflussbereichs zu kämpfen und hatte – dem guten Spiel ihrer Elf zum Trotz – wohl keinen guten Tag erwischt. Dabei dürfte der aktuelle Konflikt mit dem Verein ob der letzten Protestaktion gegen den DFL-Investoreneinstieg sicher seinen Teil dazu beigetragen haben. Wie in der Woche vor Spielbeginn bekannt wurde, reagierte der Verein mit der Erhöhung des kompletten Zauns vor der Kurve auf den Protest. Dass bei diesem aber kein Platz gestürmt, Spieler erschlagen oder Werbebanden umgetreten wurden, sondern sich lediglich zwei kleine Flugzeuge aus dem Luftraum des benachbarten Airports verirrt hatten, ließ die Maßnahme schon arg überzogen erscheinen. Übergezogene Fahnen deuteten schon rund 30 Minuten vor Spielbeginn auf eine Aktion der Freiburger hin und nicht wenige Spekulanten im Gästeblock lagen mit ihrem Tipp auf einer baulichen Reaktion richtig. Davor kann man auch ruhig mal den Hut ziehen, sicherlich nicht die diplomatischste aller Lösungen aber definitiv konsequent.

Weniger erfreulich sind hingegen die Baumaßnahmen bei unseren Freunden in San Benedetto. Nach jahrelangen Diskussionen und Aktionen für den Erhalt des alten Stadions Ballarin werden dort nun Tatsachen geschaffen und wohl tatsächlich die historischen Tribünen abgerissen. Die Bedeutung des Stadions, mitsamt seiner tragischen Geschichte, ist heute noch für viele enorm, sodass wir mittels Spruchband nur nochmal daran erinnern konnten dass zwar der Beton, aber eben nicht die Erinnerungen verschwinden werden. Dass ein frühzeitiges Verschwinden in die Kabine unserer Elf mal gut getan hätte, ist auch keine neue Erkenntnis. Der späte Ausgleichstreffer der Freiburger und damit ein weiterer Rückschlag im Meisterschaftsrennen konnte die gute Laune bei den allermeisten aber nur kurz dämpfen. Denn wie schon eingangs erwähnt: das hat doch endlich mal wieder richtig Spaß gemacht. 

Südkurve München – Wir singen und tanzen auf jedem Fußballplatz! 

Die Bilder vom Spiel

No matter how often you lock us out, we will never accept your pseudo-jurisdiction!

Ziemlich genau vor einem Jahr sagte der UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zum behördlichen Verbot der Gästefans beim Auswärtsspiel von Eintracht Frankfurt: “Wir müssen sagen, wenn so etwas passiert, wird dort nicht gespielt. Ganz einfach: Wir werden die Regeln ändern.” Geändert hat sich in dieser Hinsicht natürlich nichts. Wie verlogen diese Aussage war, zeigte sich diese Woche erneut. Am Donnerstag durften die Fans von PAOK nicht zum Spiel bei Dinamo Zagreb. Weitere Beispiele, wie die beiden Spiele zwischen Feyenoord Rotterdam und AS Roma, zeigen, dass sich die UEFA nicht für ein Ende dieser fan-feindlichen behördlichen Restriktionen einsetzt. Viel mehr verhängt die UEFA nun selbst ebenfalls vermehrt Verbote, von denen nun auch wir im Viertelfinale betroffen sein werden. Dies steht im klaren Widerspruch zu den Aussagen des UEFA-Präsidenten aus dem letzten Frühjahr. 

Nicht erkenntlich sind hingegen Versuche der Vereine, hier sollte explizit auch unser Verein aufgrund seiner Stellung in der Pflicht stehen, sich gegen das beliebige Strafen-Regime der UEFA aufzubegehren. Die Vereine unterwerfen sich weiterhin den Strafen der UEFA, ohne erkenntliches Bestreben, daran etwas zu ändern. 

Die Strafen der UEFA sind als Angriff auf die aktiven Fanszenen Europas zu bewerten. Hier kann der Blick explizit nach Warschau gerichtet werden. Legia Warschau hat im Dezember eine Gästesperre für fünf Auswärtsspiele erhalten und auch beim letzten Heimspiel musste die Heimkurve leer bleiben. Zudem war die Fanszene von Legia bereits in der Vergangenheit mehrmals Opfer der Strafen der UEFA. Hierbei ist durchaus ein Zusammenhang zu den zahlreichen kritischen Aktionen der Legia-Fans gegenüber der UEFA zu sehen.

Sicher ist aber eines: Das unrechtmäßige Strafen-Regime der UEFA hat in der Vergangenheit, und wird auch in der Zukunft, die Überzeugungen und das Handeln der aktiven Fußballfans nicht verändern können. 

Stadio Fratelli Ballarin – La Storia non si demolisce!

Einigen wird ein Spruchband aufgefallen sein, das wir vergangene Woche zu Beginn der zweiten Hälfte in Freiburg zeigten. Mit diesem wollten wir unseren Freund*innen aus San Benedetto del Tronto Kraft bei ihrem Kampf gegen den Abriss des Stadio Fratelli Ballarin zusprechen, der zwar schon seit einigen Jahren im Raum steht, nun aber wirklich umgesetzt zu werden droht. 

Unsere Freund*innen aus San Benedetto del Tronto tragen mittlerweile seit 1985 ihre Heimspiele im „Stadio Riviera delle Palme“ aus. Das Stadion liegt in unmittelbarer Nähe des Meeres an der namensgebenden Palmenriviera und dürfte den meisten nicht zuletzt durch das imposante „Il Tempio del Tifo“ an der Außenfassade zur Heimkurve zumindest von Bildern bekannt sein. 

Die Ursprünge der Fanszene liegen allerdings woanders: im Stadio Fratelli Ballarin, unweit des Hafens. Namensgeber für das Stadion waren die Brüder Aldo und Dino Ballarin, die bei einem Flugzeugabsturz der Mannschaft des Torino FC 1949 ums Leben kamen. In diesem Stadion erlebten die Sambenedettesi die erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte und auch der gute Ruf der Fanszene rührt aus dieser Zeit Anfang der 80er Jahre. Das Stadion war aber auch Schauplatz der größten Tragödie, die Stadt, Verein und Fanszene erleben mussten. So brach am 07.06.1981 beim sportlich wichtigen Spiel gegen Matera ein Feuer in der überfüllten Curva Sud aus. Es gab Dutzende Verletzte, unter ihnen auch Carla Bisirri, 21 Jahre alt, und Teresa Napoleoni, 23, die einige Tage später ihren Verletzungen erlagen. Die Katastrophe von Ballarin ist somit das größte Unglück, das sich in einem italienischen Stadion ereignet hat. 

Für unsere Freund*innen der Curva Nord ist das Gedenken an die Opfer der Katastrophe ein Herzensanliegen und das Stadion ein sehr emotionaler Ort. Sowohl bei alten Ultras, die den Brand vor Ort miterlebten, als auch bei den Jüngeren, besteht noch heute eine tiefe Bindung zum Ballarin. Bis 2012 trug die Curva Nord Massimo Cioffi auch ihr jährliches Sommerturnier dort aus, was danach aufgrund der fortgesetzten Verwahrlosung des Stadions nicht mehr möglich war, da die chronisch leeren Kassen der Stadt und des Vereins eine Instandsetzung des Stadions leider nicht zuließen, wodurch das Stadion zunehmend dem Verfall überlassen wurde. Dennoch versammeln sich noch regelmäßig am Jahrestag der Katastrophe Tifosi im altehrwürdigen Ballarin und gedenken mit verschiedenen Aktionen den beiden verstorbenen Frauen und den Verletzten dieses unglückseligen Tages, wobei auch die ein oder andere Träne vergossen wird.

Schon seit einigen Jahren ist der Abriss des Ballarins Thema in der Stadtpolitik, weshalb seit 2017 in regelmäßigen Abständen eine Zaunfahne mit der Aufschrift „La storia non si demolisce“ (dt: „Die Geschichte lässt sich nicht abreißen“) den Zaun der Curva Nord schmückt. Auch ein T-Shirt mit demselben Motiv wurde tausendfach verkauft. Vor einiger Zeit schien die Stunde dann geschlagen zu haben und Bagger rückten an, um das Stadion dem Erdboden gleichzumachen. Aus unbekannten Gründen wurden die Arbeiten glücklicherweise plötzlich eingestellt.

In den vergangenen Tagen hat das Thema leider wieder an Aktualität gewonnen und die Abrissarbeiten wurden wieder aufgenommen. Anstelle des Ballarins soll ein neuer Stadtpark entstehen. Rund um das Ballarin sowie beim Heimspiel gegen Monterotondo vergangene Woche gab es daher diverse Spruchbänder zu sehen und es wurde gegen den Bürgermeister der Stadt sowie den Stadtrat für Stadtplanung gesungen. Zu Beginn des Spiels wurde außerdem eine große Fahne mit den Konterfeis der Verstorbenen Carla und Teresa gezeigt.

Auch wir kamen schon in den Genuss diverser Besuche im Balllarin, welches trotz Verfall auch heute noch einen großen Charme versprüht bzw. versprühte, wie man wohl sagen muss. Wir können nur erahnen, wie sich ein Heimspiel in diesem Stadion mitten in der Stadt angefühlt haben und wie ungemütlich die An- bzw. Abreise durch die engen und rustikalen Straßen des Hafenviertels für die ein oder andere Tifoseria gewesen sein muss. Noch heute erzählen alte Ultras mit leuchtenden Augen von unzähligen Schlachten, die in den Straßen rund um das Stadion ausgefochten wurden. Daher war es uns auch ein wichtiges Anliegen, uns per Spruchband gegen den Abriss des Ballarin zu positionieren, welches auch einige Aufmerksamkeit in der Region erregte und in diversen lokalen Gazetten zitiert wurde.

Zwar scheint diesmal wirklich das Ende des altehrwürdigen Stadions gekommen zu sein, aber eines ist für unsere Freund*innen in San Benedetto und für uns klar: wir werden die Erinnerung an das Stadio Fratelli Ballarin und an die Opfer der Katastrophe von 1981 aufrechterhalten.

POTETE DEMOLIRE I GRADONI MA MAI LA MEMORIA ROSSOBLU!

Was hier und da passiert

Deutschland

Die Vorbereitungen der Polizei auf die anstehende Heim- EM sind nach wie vor in vollem Gange. Berichteten wir im vergangenen SKB noch von den Maßnahmen gegenüber 800 HSV Fans auf dem Rückweg von ihrem Auswärtsspiel in Rostock, scheint das Thema weder für die eine noch für die andere Seite gegessen zu sein. Als Reaktion gab es im folgenden Heimspiel eine Aktion auf der Nordtribüne, die unter dem Motto „Niemals Freund, niemals Helfer – Ganz Hamburg hasst die Polizei“ durchgeführt wurde. Die Choreo erfüllte offensichtlich ihren Zweck und erregte die Gemüter auf Seiten der Polizei, die am Folgetag Räume im Stadion durchsuchte, die von der Fanszene genutzt werden. Ziel war dabei wohl eine kleine Fahne, auf der ein Bulle mit gebrochenem Visier und Blut dargestellt war.

Gefunden wurde erwartbarerweise nichts. Dass die Nordtribüne dies nicht auf sich sitzen lassen konnte, war absehbar und somit wurden im folgenden Heimspiel eine kleine ACAB-Blockfahne und diverse Spruchbänder gezeigt. Außerdem wurden die Zaunfahnen aus Protest verkehrt herum aufgehängt und ein Pullover der Polizei verbrannt. In Folge dieses Konfliktes sah sich der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Hamburg dazu gezwungen, seine über 20-jährige Mitgliedschaft beim HSV zu beenden – sicherlich ein schwerer Verlust für den Verein.

Leider bewies die Polizei nicht nur in Hamburg in den vergangenen Tagen, wieso sie unangefochten den Platz an der Sonne auf den Feindeslisten der Fanszenen belegt. Beim Spiel der Alten Dame aus Berlin in Braunschweig kam es zu Ausschreitungen zwischen der Staatsmacht und Anhängern der Eintracht. Begründet wurde das Eingreifen der Polizei auch mit einem vermeintlichen Angriff auf eine Ordnerin. Blöd nur, dass diese dieser Version vehement widerspricht und schildert, dass das Einschreiten der Beamt*innen erst erfolgte, als die Situation schon längst befriedet worden war. Ergebnis des Einsatzes waren mehrere Schwerverletzte Fans, darunter ein 8-jähriges Mädchen. Auch Polizisten kamen zu Schaden. Wieder einmal schockierende Berichte gab es aus Elversberg. Eine Fotografin aus der Fanszene des SV Wehen musste sich bei einer Kontrolle ohne richtigen Sichtschutz in Anwesenheit eines männlichen Beamten ausziehen. Mehr Details könnt ihr der Stellungnahme der Wiesbadener entnehmen.
Ihr seht, die Bullen tun in dieser Saison wirklich alles dafür, das Feindbild Polizei zu
festigen… eine ähnliche Position vertritt auch die Braun-Weiße-Hilfe des FC St. Pauli, die sich ebenfalls vor einigen Tagen zur aktuellen Situation äußerte.

Augsburg

Es gibt allerdings auch gute Neuigkeiten aus der Welt der Strafen und Repressionen. Vor einiger Zeit erhielten drei Mitglieder der Rot-Grün-Weißen-Hilfe Betretungsverbote und Meldeauflagen für die Spiele des FCA. Das bedeutet im ersten Fall, dass die Betroffenen gewisse Orte zu bestimmten Uhrzeiten nicht betreten dürfen und in Letzterem, dass ein Betroffener während der Spiele des FCA bei der örtlichen Polizeiwache vorstellig werden muss. In allen drei Fällen wurde sich dazu entschieden gerichtlich gegen die Maßnahmen vorzugehen, was in zweien Stand jetzt auch von Erfolg gekrönt war. Für einen ausführlicheren Bericht sei hier auf die Stellungnahmen der Rot-Grün-Weißen-Hilfe verwiesen
(http://rot-gruen-weisse-hilfe.de/update-betretungsverbote-meldeauflagen/ und
http://rot-gruen-weisse-hilfe.de/stellungnahme-zu-betretungsverboten-und-meldeauflagen/)

Termine

Samstag, 16.03.2024 (15:30 Uhr): SV Darmstadt 98 – FC Bayern
Samstag 30.03.2024 (18.30 Uhr): FC Bayern – Borussia Dortmund