SKB Gladbach 06.03.2026

Vorwort
FC Bayern München – Eintracht Frankfurt
Borussia Dortmund – FC Bayern München
Aufarbeitung der Vorfälle in Dortmund
Transparenzoffensive zur Überarbeitung der SV-Richtlinien

Vorwort

Servus Bayernfans,

sportlich erfolgreiche Spiele liegen hinter uns – jeweils mit 3:2 wurden die Spiele gegen die Eintracht und gegen die Borussia gewonnen und der Vorsprung auf Tabellenplatz 2 konnte auf 11 Punkte ausgebaut werden. Bei noch zehn verbleibenden Bundesligaspielen sind die Zweifel am Gewinn der nächsten Meisterschaft überschaubar.

Der Albtraum von “dreimal ans Bayerkreuz“ wurde glücklicherweise nicht wahr – hatten wir im Pokal noch Lospech und müssen Mitte April nach Leverkusen, lief es bei der Europapokal-Auslosung besser. Somit geht es am Dienstag nach Bergamo und wir hoffen, dass die Weichen für den Einzug in die Runde der letzten Acht gestellt werden.

Die Südkurve präsentierte sich gegen Frankfurt von ihrer besseren Seite, über weite Strecken konnte ein guter Auftritt attestiert werden. Gerne würden wir jetzt noch ausführlich über die Stimmung beim Spiel in Dortmund schreiben, aber dass wir dort nicht aufgetreten sind, dürften alle Lesenden wissen. An dieser Stelle wollen wir  nochmal auf die Stellungnahme von Sonntag und eine Chronologie der Ereignisse aus unserer Sicht verweisen, die ihr im Anschluss an das Vorwort findet. 

Ihr seht also, die Zeiten sind momentan nicht einfach, denn in den letzten Wochen häufen sich die Berichte von überzogenen Bulleneinsätzen und irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass die Eskalation mehr und mehr gesucht wird. Ob es dazu dienen soll, die Verletzten-Statistiken nach oben zu treiben, um die Grundlage für härtere Maßnahmen gegen aktive Fußballfans zu schaffen? Belege haben wir nicht, aber es ist auffällig, dass sich nach der Innenministerkonferenz die Gangart an vielen Standorten zum Negativen geändert hat.

Heute geht es gegen die nächste Borussia – Freitagabend-Spiele finde ich aus Sicht eines Heimspiel-Fans eigentlich ganz geil. Es bleibt ausnahmsweise das komplette Wochenende frei und auch wenn wir dem Ganzen etwas abgewinnen können, kann über den Termin mal wieder nur der Kopf geschüttelt werden. Für die Gäste aus Mönchengladbach ist das eine absolut beschissene Ansetzung und mit Heidenheim gegen Hoffenheim oder Wolfsburg gegen Hamburg wären zwei Spiele für einen Freitagabend geeigneter gewesen. Warum die DFL nicht versucht, mehr Rücksicht auf die Entfernungen zu nehmen, bleibt weiterhin ein Rätsel. Klar, manchmal sind es die Zwänge des aufgeblähten Spielkalenders, der die Einhaltung der Regel schwierig macht. Dieses Wochenende wäre es jedoch durchaus gegangen, aber da fehlt vermutlich der Wille, sich gegen die TV-Sender durchzusetzen.

Die Entwicklung bei den Spielen im Februar war positiv, daran gilt es jetzt anzuknüpfen. Heute gegen Gladbach und dann beim Rückspiel gegen Atalanta – wichtige Wochen stehen bevor und da sollte die Südkurve vorangehen. Lasst uns mit einem Sieg und guter Stimmung ins Wochenende starten.

Vorwärts Südkurve!
Immer vorwärts FC Bayern!

FC Bayern München – Eintracht Frankfurt 3:2

Donnerstag Schneefall, ab Freitagnachmittag Tauwetter und passenderweise am Samstag ab mittags Regen – bei weitem keine idealen Voraussetzungen für einen Heimspieltag. Aber mit der Eintracht kam ein Gegner, der einen grauen Februartag interessanter macht und aus der grauen Masse der Bundesligavereine hervorsticht. Dennoch, nach dem Wochenende lässt sich feststellen, dass die Grundstimmung einfach besser ist, wenn die Sonne strahlt und es nicht durchnässt die Esplanade hoch geht.

Aber jammern bringt nichts, es gehört zum Fußball halt dazu, dass wir als Fans mal nass werden und außer den unteren Reihen der Südkurve sind die meisten anderen ja vor Regen sicher. Genug zum Wetter, ab ins Spiel. Die letzten Duelle gegen Frankfurt waren torreich und teilweise spektakulär, somit war die Hoffnung auf ein ereignisreiches Spiel groß. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht – in Halbzeit 1 wurden zwei Ecken genutzt, um in Führung zu gehen, ehe in der 68. Minute der Sack vermeintlich zu gemacht wurde. Da aber noch fleißig Geschenke verteilt wurden, hieß es die letzten Minuten doch nochmal Zittern, ehe nach sieben Minuten Nachspielzeit endlich Schluss war. 

Hier kann ich gleich zu zwei Themen meinen Unmut äußern, die sich teilweise bedingen: zum einen natürlich das leidige Thema VAR: Wie schon in Bremen konnte ich aus der gegenüberliegenden Kurve sehen, dass es da ein Foul gab. Warum das die Unparteiischen nicht sofort sehen, sondern erstmal weiterlaufen lassen, nur um dann nach minutenlanger Überprüfung zum Ergebnis zu kommen auf den Punkt zu zeigen?! In meiner Wahrnehmung nimmt das zu, dass sich auf dem Spielfeld vor einer Entscheidung gedrückt wird, weil die Schiedsrichter eh wissen, dass sich der Kölner Keller meldet. Das Sinnvollste wäre, den Quatsch einfach wieder abzuschaffen, denn auch nach fast neun Jahren VAR werden die Diskussionen nicht weniger, sondern nehmen gefühlt sogar zu. 

Der oft minutenlange VAR-Einsatz führt zu einem zweiten Ärgernis – Nachspielzeiten von fünf oder mehr Minuten sind ja eher die Regel als die Ausnahme. Die alte Herberger-Weisheit „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ ist somit obsolet und somit kommen wir mittlerweile eher auf 100 Minuten Spielzeit. Das Problem wäre mit Abschaffung des VAR auch teilweise gelöst.

In der Kurve gestaltet sich der Spieltag überwiegend positiv, auch wenn mein persönlicher Eindruck zunächst eher mittelmäßig war. Die Rückmeldungen aus anderen Bereichen der Kurve und auch des Stadions berichteten von einem guten Auftritt der Südkurve, so dass wir das mal auch so sehen. Lediglich ab dem 3:1 fiel es im Vergleich zu vorher ab. In Summe waren die drei Februar-Spiele (Hoffenheim, RB und FFM) wieder deutlich besser als die Spiele im Januar. Hoffen wir, dass der Trend im März fortgesetzt werden kann.

Zu den Gästen waren die Meinungen auch sehr breit, die einen sprachen vom besten Auftritt seit 2006, andere wiederum fanden es eher schlecht. Schon spannend, wie unterschiedlich sowas immer ausfällt. Aber sei’s drum, für uns ging es mit drei Punkten aus dem Stadion und da der BVB bei RB sich zwar noch einen Punkt erkämpfen konnte, wurde eine Woche vor dem Gipfeltreffen der Vorsprung auf acht Punkte ausgebaut.

Abschließend ein großes Dankeschön an Ultras Bochum und Ultra Sankt Pauli für die Unterstützung an diesem Nachmittag.

Spieltagsbilder

Borussia Dortmund – FC Bayern München 2:3

Der sogenannte “deutsche Klassiker“ war sicher das Spiel im Jahr 2026, dem wir bisher am meisten entgegengefiebert hatten. Es war zumindest noch eine gewisse sportliche Relevanz zu erwarten gewesen, das Westfalenstadion in Dortmund ist immer einen Besuch wert und noch dazu sollte erstmals seit anderthalb Jahren auch wieder ein Sonderzug rollen. Und ja, man könnte jetzt sicher auch die ein oder andere feine Anekdote über schöne Stunden auf den Schienen erzählen – von klebenden Böden und tropfenden Decken im Sambawagen. Angesichts des enormen Organisationsaufwands, den einige Leute investiert haben, wäre es irgendwo auch geboten, der Reise selbst mehr Platz einzuräumen. 

Der kicker schreibt über die Partie von einem “mitreißenden und intensiven Schlagabtausch”, also einer Begegnung, die wirklich einmal das Prädikat Spitzenspiel verdiente. Also, da hätten wir sicher ein paar schöne Worte dafür finden können, gerade wenn wir an Kimmichs Siegtreffer kurz vor Ende denken.

Nach diesem Spieltag fehlen uns allerdings die bunten Worte. Er lässt uns eher sprachlos zurück. Seit Jahren nicht mehr, wenn überhaupt je zuvor, war die Südkurve München mit einem solchen Maß an Polizeigewalt konfrontiert.

Die Rahmenbedingungen sind in der Stellungnahme auf der Website der Südkurve München ausreichend beschrieben.

Wie häufig bei Bayern-Spielen gab es aufgrund von Kartenmangel einzelne Versuche, sich am Drehkreuz vorbeizuschieben. Diesmal entstand dabei wohl auch ein kurzes Handgemenge mit dem Ordnungsdienst, in dessen Folge etwa 30 Bayernfans von der Polizei eingekesselt wurden. Inwiefern diese etwas mit dem Handgemenge zu tun hatten oder sie sich tatsächlich ins Stadion gemogelt haben, konnte zu diesem Zeitpunkt vermutlich niemand sagen. Das Gros dürfte eher zur falschen Zeit am falschen Ort  gewesen sein und musste dann eine polizeiliche Maßnahme über sich ergehen lassen. Ohne uns hier lange mit Fragen der Zweckhaftigkeit dieser Maßnahme zu beschäftigen, muss man als Fan realistisch gesehen eben davon ausgehen, einmal in eine solche Maßnahme geraten zu können. Ist nervig, vermutlich werden die eingeleiteten Verfahren aber eingestellt werden und somit wäre es einfach eine weitere kleine Geschichte im ständigen Spannungsfeld zwischen Fans und Sicherheitsorganen geblieben, die hier kaum Raum eingenommen und einem stimmungskräftigen Auftritt unsererseits nicht im Wege gestanden hätte.

Die Situation änderte sich allerdings fundamental mit dem Eintreffen der Beweis- und Festnahmeeinheit, die zuvor den Dortmunder Fanmarsch begleitet hatte. Dieselbe Einheit war schon in den Vorwochen durch ein sehr provokantes Auftreten gegenüber dem heimischen Fanlager aufgefallen. Heute ließ sie dann die Maske vollständig fallen. Vor und nach dem Spiel wurde in Manier von Sturmangriffen mehrfach mit massiver Gewalt gegen uns vorgegangen.

Der Moment, als wir nach dem ersten noch begrenzten Angriff versuchten, durch das Schaffen von einigen Metern Abstand zwischen der BFE und den nun aufgebrachten Fans Raum zu schaffen, um die plötzlich geladene Atmosphäre wieder zu beruhigen, wurde von der BFE lediglich dazu genutzt, um noch breiter und mit mehr Anlauf gegen uns vorzugehen. 

Ein polizeilicher Angriff bot dann quasi wie bei einem Perpetuum Mobile gleich den Vorwand für den nächsten, denn natürlich kommt es in solchen Situationen zu Handlungen, bei denen die Polizei in ihrer Stellungnahme nun von Beleidigungen und Angriffen auf Vollstreckungsbeamte spricht. Mit dem ursprünglichen Anlass erschlichener Leistungen am Einlass hatte der Polizeieinsatz ab einem gewissen Zeitpunkt jedenfalls nichts mehr zu tun.

Dass die Polizei Dortmund uns in einer Stellungnahme nun vorwirft, ein Fußballspiel nicht friedlich verfolgen zu können, ist angesichts dessen der blanke Hohn. Um uns einmal dem argumentativen Niveau dieser Stellungnahme anzupassen: Nachdem die BFE-Einheit abgezogen war, konnten hunderte Fans hinter dem Block friedlich und ruhig knappe 90 Minuten Fußball an den Bildschirmen verfolgen. Man konnte von einer absolut entspannten Situation sprechen, die seitens der Polizei dann in den Schlussminuten erneut mehrfach eskaliert wurde und sich zum Teil bis vor das Stadion verlagerte, wobei dann durch Fans auch ein Stadiontor geöffnet wurde. Der Initiator unverhältnismäßiger und gefährlicher Gewalt war dabei aber durchgehend die Polizei.

Geht man zurück zum angeblichen eigentlichen Auslöser des Einsatzes und bedenkt man, dass der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz ein zentrales Prinzip des Rechtsstaates ist, hat das Handeln der Polizei eben wenig mit rechtsstaatlichen Vorgehen gemein. Eher mit Spaß an Gewalt bei Teilen der eingesetzten Beamtinnen und Beamten sowie einer Einsatzleitung, die keinerlei Interesse an einem größtenteils friedlichen Ablauf des Spieltags zeigte. Eine Einsatzleitung, die sich aktuell auf einem Kreuzzug gegen die Ultras befindet und heute wohl meinte, mit der Situation am Einlass endlich den Anlass gefunden zu haben, ihre Bluthunde von der Kette zu lassen.   

Wir möchten uns in diesem Zusammenhang noch ausdrücklich bei den Fanprojekten Dortmund und München, den Fanbetreuungen beider Vereine sowie insbesondere der Dortmunder Fanhilfe, ihren Anwälten und den Ultra-Gruppen der Südtribüne bedanken, die uns rund um die Ereignisse Unterstützung haben zukommen lassen.

Aufarbeitung der Vorfälle am Gästeblock rund um die Partie Borussia Dortmund – FC Bayern

Nach einem ersten, direkt auf der Heimfahrt aus Dortmund verfassten Statement (https://suedkurve-muenchen.org/stellungnahme-vorkommnisse-in-dortmund) sehen wir uns auch einige Tage nach dem Vorfall und nach vielen Gesprächen mit Augenzeugen und Betroffenen in unserer Sichtweise bekräftigt, dass der Einsatz der Polizei rund um unser Spiel in Dortmund verstörend gewalttätig und vollkommen jenseits jeglicher Verhältnismäßigkeit abgelaufen ist.

Wir halten eine detaillierte und sachliche, auf unserem Kenntnisstand basierende und damit naturgemäß subjektive, chronologische Betrachtung der Ereignisse für hilfreich für die weitere Einordnung.

Ausgangssituation Einlassbereich (ca. 16:15 Uhr):

Ausgangspunkt der Ereignisse war ohne Zweifel die Tatsache, dass sich Bayernfans, davon sicherlich auch einige aus unserem Umfeld, relativ bald nach Stadionöffnung ohne Eintrittskarte an den Drehkreuzen am Blockeingang ins Stadion drücken wollten. Basierend auf Berichten der Fanbetreuung, die bei der Einlasssituation zugegen war, reden wir an dieser Stelle von ca. 30 Personen an den Drehkreuzen, von denen sich ein Teil ohne Eintrittskarte Zugang verschaffen wollte. In dieser Situation kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen einem Ordner und Fans. Auch diese Handgreiflichkeiten müssen sich Fans ankreiden lassen. Wir möchten trotzdem an dieser Stelle festhalten, ohne damit irgendwas relativieren oder rechtfertigen zu wollen, dass nach unserem Kenntnisstand zuerst Faustschläge von dem Ordner gegen Fans ausgeteilt wurden.
Der gesamte Sachverhalt wird sicherlich strafrechtlich bewertet werden, wir wollen an dieser Stelle aber festhalten, dass wir an dieser Stelle von 10-15 involvierten Personen reden, die sich ohne Eintrittskarte Zugang zum Stadion verschaffen wollten.

Anschließend an diese Situation ist eine Einheit der Polizei vom Stadionvorplatz in den Einlassbereich eingerückt und hat einen Kessel mit 29 Fans gebildet, die sich zu diesem Zeitpunkt dort befunden haben. Aufgrund des zeitlichen Abstandes kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei den 29 gänzlich oder zu großen Teilen um dieselben Personen aus der Ausgangssituation handelt. Diese Einschätzung wird dadurch unterstrichen, dass Polizeiführung, Fanbetreuung und Fanprojekte beider Vereine anschließend über das Vorgehen beraten und sich dafür entschieden haben, die gekesselten Fans nach einer Personalienfeststellung ins Stadion zu lassen. Dieses Vorgehen basiert darauf, dass den betroffenen Fans offensichtlich vor Ort der unrechtmäßige Stadionzutritt nicht nachgewiesen werden konnte, dies aber im Nachgang anhand der Videoaufnahmen im Eingangsbereich überprüft und ggf. im Einzelfall sanktioniert werden wird. Der Strafantrag von Borussia Dortmund gegen die betroffenen Fans im Polizeikessel war für dieses Vorgehen formale Voraussetzung, hat keine Aussagekraft über die tatsächliche Beteiligung der Betroffenen und wurde von der Polizei in ihrer Stellungnahme irreführenderweise als Begründung für die spätere Eskalation herangeführt.

Entgegen dem von der Polizei Dortmund verbreiteten Narrativ war die Situation auf Seiten der Fans anschließend ruhig. Die nächste Eskalation stellte ein Zugriff der eingesetzten BFE-Einheit außerhalb des Stadionbereichs an der Einlassschlange dar. Der betroffene Fan hat sich zum Zeitpunkt der ersten Eskalation an den Drehkreuzen außerhalb des Stadionbereichs und der Einlassschleuse weit weg vom Geschehen befunden. Ihm wird unserem Kenntnisstand nach Beamtenbeleidigung vorgeworfen. Die Verhältnismäßigkeit, angesichts dieses Vorwurfs gewaltsam in die anstehende Menschenmenge vorzurücken, darf hinterfragt werden, demaskiert allerdings bereits die auf Eskalation angelegte Einsatzstrategie.

Erste große Eskalation Umlauf (ca. 17:45 Uhr):

Fanseitig beruhigte sich die Situation erneut und die aktive Fanszene wartete im Umlauf mit Abstand zu den Polizeikräften auf die angekündigte Freilassung der gekesselten Fans. In dieser Zeit wurden immer weitere Polizisten im Umlauf zusammengezogen und haben sich über die gesamte Breite im Bereich des Stadionzauns gegenüber der an den Kiosken stehenden Fans aufgebaut, um ca. 45 Minuten vor Spielbeginn anlasslos, über die gesamte Breite, in Formation, unter Geschrei und Beleidigungen und mit durch Gesten und Rufe ausgedrückte Aufforderung zu Gewalt auf die Fans vorzurücken. Das zu einem Zeitpunkt, als sich die Fans gerade Richtung Block in Bewegung setzten und viele mit dem Rücken zu den Polizisten standen. Die erste Reihe der Polizei rückte dabei teils mit Schlagstöcken, teils mit zur Boxstellung erhobenen Fäusten und mit Tritten vorwärts, während aus der zweiten Reihe kurz vor dem Aufprall großflächig mit Pfefferspray auf die vor den Kiosken positionierten Fans gesprüht wurde.
Dieses derartige Vorrücken mit angeblich geplanten gezielten Festsetzungen zur Personalienfeststellungen von an der Ausgangssituation beteiligten Personen zu begründen, kann nicht anders als grotesk bezeichnet werden.

Aus diesem Angriff resultierte eine Festnahme. Des Weiteren waren im zweistelligen Bereich Verletzte mit Platzwunden, Gesichtsverletzungen, Brüchen und massiven Augenreizungen zu verbuchen.

Nach der Eskalation wurde von der Fanszene die Entscheidung getroffen, das Spiel nicht im Fanblock zu verbringen, sondern im Umlauf zu bleiben. Die Polizeikräfte zogen sich großteils in ihre Transporter außerhalb des Stadions zurück.

Während dem Spiel kam es trotzdem zu einer weiteren Festsetzung.

Zweiter großer Angriff im Umlauf (ca. 20:15 Uhr):

Der zweite große Angriff erfolgte nach dem 2:3-Siegtreffer kurz vor Spielende. Nachdem die Fans das Tor im Umlauf bejubelten, wurden Gesänge gegen die Polizei angestimmt, die in den Kontext der bisherigen Abläufe zu stellen sind. Diese Gesänge waren wiederum Anlass für eine, im mittleren Bereich der Hintertortribüne, seitlich von den Fans positionierte Einheit der Polizei, gegen die Fans unter Einsatz von Gewalt vorzurücken, was in einer erneuten Auseinandersetzung gipfelte. Dass weitere Einheiten direkt bereit standen und eingriffen, unterstreicht den orchestrierten Charakter der Eskalation.

Als weitere Unterstützung für diese Einheit wurden weitere Einheiten, die zwischenzeitlich auf dem Stadionvorplatz positioniert waren, über ein im mittleren Bereich der Hintertortribüne gelegenes Tor herangeführt. Auf dem Weg dorthin wurden außerhalb des Stadions einzelne Fans, die sich im Weg befanden, zu Boden gebracht, weiter mit Tritten und Schlägen bearbeitet und anschließend angezeigt. Es sind an dieser Stelle drei Anzeigen gegen Fans und zwei weitere verletzte Fans, unter anderem durch eingesetzte Polizeipferde zu verbuchen.

Anschließend an diese Situation und während die Auseinandersetzung im Umlauf am Laufen war, hat sich ein Teil der vor dem Stadion befindlichen Bayern-Anhänger angesichts der Angriffe auf ihre Freunde entschieden, das Tor von außen zu öffnen und zu den Fans im Umlauf zu stoßen. Dieses Szenario ist auf einem Video in den Sozialen Medien zu sehen und wird fälschlicherweise mit der Situation zu Stadionöffnung in Verbindung gebracht.

Zusammenfassend muss sicherlich das Verhalten einiger Fans in der Einlasssituation als ursächlich für die weitere Eskalation benannt werden. Gerade die beiden massiven Angriffe der Polizei auf die Fanszene im Stadionumlauf und der Grad der dabei an den Tag gelegten Gewalt, können damit weder gerechtfertigt noch begründet werden. Der Polizeieinsatz in seiner Gesamtheit lässt jeden Anspruch an Professionalität und Verhältnismäßigkeit staatlichen Handels vermissen. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass durch planmäßige Eskalation an verschiedenen Standorten die öffentliche Meinung dahingehend beeinflusst werden soll, im Rahmen der Innenministerkonferenz eine autoritäre Agenda in Bezug auf die organisierten Fanszenen zu verfolgen.

FREIHEIT FÜR DIE KURVE

Transparenzoffensive zur Überarbeitung der SV-Richtlinien

Vor rund zwei Wochen meldeten wir, die Fanszenen Deutschlands, uns bereits mit einer Stellungnahme bezüglich der in Hinterzimmern des DFB erarbeiteten neuen Stadionverbots-Richtlinie. Seitdem herrscht vor allem eins: Stille.

Zwar hat die DFL erstaunlich schnell – bereits am Freitag der Veröffentlichung unserer Stellungnahme – mit einem internen Schreiben an die Vereine reagiert. Die große Chance, nun endlich mit offenen Karten zu spielen, wurde jedoch abermals vertan.

Nun ist es für uns nichts Neues, dass wir Fans in Entscheidungen oder Prozesse der DFL nicht eingebunden werden. Dass allerdings selbst Vereine – teilweise gänzlich – außen vor gelassen werden, ist durchaus verwunderlich.

Das besagte Schreiben der DFL verbreitet dabei auch ganz bewusst Lügen. So ist beispielsweise die Rede davon, die Vereine „umfassend über mögliche Änderungen“ informiert zu haben. Tatsächlich sind allerdings kritische Vereinsvertreter mit irreführenden Falschaussagen aufs Glatteis geführt und kaltgestellt worden. Auch eine erwähnte Videokonferenz fand lediglich im Monologform statt, ohne die Chance auf Rückfragen.

Im Gegensatz zur DFL haben wir die vergangenen Tage genutzt und sind mit unseren Vereinen ins Gespräch gegangen. Die Erkenntnis daraus: Bis heute wissen die Vereine über die geplanten Veränderungen in der SV-Richtlinie nicht oder bestenfalls nur rudimentär Bescheid! Da passt es ins Bild, dass auch im Rahmen der Regionalkonferenzen in der Woche vom 16. bis 20. Februar 2026 in Frankfurt Informationen zur Überarbeitung der Stadionverbots-Richtlinien Fehlanzeige blieben.

Nun ist es natürlich schwierig, über Sachen zu urteilen, deren Inhalt man nicht kennt. Die DFL spricht gerne von „Transparenz“ – doch versagt dann gleich im ersten Schritt, diese zu schaffen.

Als transparenzliebende Fans sehen wir uns somit in der Pflicht, nun unsererseits mit einer Transparenzoffensive Licht ins Dunkel zu bringen. Denn wir wissen ganz genau Bescheid, welche Maßnahmen geplant sind. Daher möchten wir im Folgenden Paragraphen aus dem Entwurfspapier der DFL zitieren:

2 (3) beschreibt die Errichtung einer Stelle, welche dazu ermächtigt und verpflichtet wird, entsprechende Entscheidungen im Zusammenhang mit Stadionverboten zu treffen und Maßnahmen zu ergreifen. Tätig werden soll diese sogenannte „Fachaufsicht“ selbstständig, auf Antrag einer lokalen SV-Kommission oder auf Antrag der Polizei oder anderer Strafverfolgungsbehörden.
Die zentrale Fachaufsicht ist gemäß des Abschnitts b) weisungsbefugt gegenüber den lokalen Stadionverbots-Kommissionen. Bei Nicht-Einhaltung einer Weisung kann die Fachaufsicht die entsprechenden Maßnahmen treffen.

Es lässt sich also festhalten: Sollte dieser Paragraph so umgesetzt werden, werden die lokalen Stadionverbots-Kommissionen de facto zum Papiertiger. Spätestens wenn der Polizei die Möglichkeit gegeben wird, per Antrag die Fachaufsicht einzuschalten, verlieren die lokalen Kommissionen ihre Bedeutung!

5 (vormals §4) (3) legt fest, dass ein Stadionverbot auszusprechen ist, wenn die Stadionverbotskommission (lokal oder zentral) Kenntnis von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Strafverfolgungsbehörden erlangt. Zwar ist die Rede von der „Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls“, grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass hiermit die Vergabe von Stadionverboten nach dem Gießkannen-Prinzip ermöglicht wird. Denn bei Nicht-Erteilung eines Stadionverbots, etwa weil die lokale Stadionverbots-Kommission den Fortgang des Ermittlungsverfahrens oder den Ausgang des etwaigen, folgenden Gerichtsverfahrens abwarten möchte, kann die Polizei die Fachaufsicht anrufen und diese zieht dann die Aussprache der Stadionverbote an sich. Dass Ermittlungsverfahren eingestellt werden oder in Freisprüchen enden können, interessiert Verbände, Politik und Polizei bei der „Präventivmaßnahme“ Stadionverbot nicht.

5 (vormals §4) (4) besagt zudem, dass Stadionverbote sogar ausgesprochen werden können, ohne dass ein Ermittlungs- oder sonstiges Verfahren eingeleitet wurde. Hierfür sollen künftig Ingewahrsamnahmen oder Aufenthaltsverbote ausreichen. Im Kontext der vergangenen Wochen, in denen vermehrt Fanszenen aus fadenscheinigen Gründen an ihrer Auswärtsreise gehindert wurden, würde dieser Paragraph das Tor für den Ausschluss großer Fangruppen öffnen. Und eins ist sicher: Sobald der Polizei dieser Hebel in die Hand gelegt wird, wird sie ihn auch nutzen!
Dies sind nur kurze Auszüge aus dem insgesamt 9 Seiten langen Dokument. Wir möchten diese aber mit unserer Stellungnahme öffentlich machen, um aufzuzeigen, was sich hinter verschlossenen Türen zusammenbraut. In Kraft treten sollen diese Maßnahmen bereits zum 1. Juli 2026, was einen ambitionierten Zeitplan bei zugleich herrschender Intransparenz bedeutet.

Da wir den Glauben an eine diskussionsorientierte Lösung bei DFL, DFB und Politik schon längst verloren haben, nehmen wir daher unsere Vereine in die Pflicht, sich diesen geplanten Maßnahmen entschieden und mit allen Mitteln entgegenzustellen!

Die Fanszenen Deutschlands im März 2026