Vorwort
FC Bayern München – 1. FC Köln
FC Bayern München – VfB Stuttgart (Pokalfinale)
Saisonrückblick 2025/2026
Endlich Gerechtigkeit für Luca Fanesi?
Vorwort
Servus Bayernfans,
drei Monate Sommerpause liegen hinter uns, endlich rollt der Ball in der Bundesliga wieder. Und die Spielplan-Macher wollten es so – die Wiederholung des Pokalfinals steht zum Auftakt an. Freitagabend und dazu ein klangvoller Gegner, Fußballherz, was willst du mehr?!
Ich denke, die Bilder aus Berlin sind in den Gedanken vieler von uns noch allgegenwärtig: Auf dem Rasen eine Mannschaft, die sich für eine tolle Saison belohnt hat und anschließend euphorisch und authentisch mit der Kurve feierte, wie seit langer Zeit nicht mehr.
Auf den Rängen ein Duell zweier Kurven, die an dem Tag beide vermutlich das Optimum herausgeholt haben. Akustisch wie auch optisch ein absolutes Highlight und nicht wenige sprechen von einem der stärksten Auftritte in der Geschichte der Südkurve München. Das war einfach Gänsehaut und nur ein kurzer Blick zurück auf die rot leuchtende Kurve zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht.
Auch wenn nicht jeden Tag Pokalfinale ist, war der Tag einfach das perfekte Beispiel, was möglich ist, wenn alle zusammen an einem Strang ziehen, als eine Einheit auftreten. Daran gilt es anzuknüpfen: Wir haben strukturell in den letzten zwei Jahren große Schritte gemacht, die auch schon Früchte getragen haben. Jetzt heißt es, weitere Schritte zu gehen und da ist jeder Fan in der Südkurve gefragt, nochmal mehr aus sich rauszuholen.
Leider gibt es auch einen Schatten auf dem Finale. Von Seiten des DFB wurde im Anschluss eine extrem hohe Strafe gegen beide Vereine verhängt. Spannend, wenn man bedenkt, dass der DFB an diesem Tag Hausherr war, sich selbst aber logischerweise keine Strafe ausspricht. Auf Seiten des DFB sollte man sich lieber darüber freuen, dass die aktiven Fanszenen das Pokalfinale in den letzten Jahren zu dem Ereignis gemacht haben, auf das alle schauen. Die Faszination des Finals liegt natürlich nicht nur auf den Rängen, aber wie ein Pokalfinale zwischen RB und Hoffenheim aussehen würde, können wir uns vorstellen.
Dass in den Verbänden dieser Welt einiges schiefläuft, war in den vergangenen Wochen deutlicher als je zuvor zu sehen, wobei nicht der Fehler gemacht werden darf, den Finger nur auf Gianni Infantino und die FIFA zu richten. Das mag vielleicht der krasseste Auswuchs eines korrupten Systems sein, jedoch ist es im Kleinen oftmals auch nur wenig besser. Ob DFB oder die Regionalverbände, die sich beim Thema Regionalliga Reform wahrlich nicht mit Ruhm bekleckern oder auch die einzelnen Kontinentalverbände: Ganz sauber läuft es nirgends. Und wollte nicht gerade erst die DFL sich vor circa zwei Jahren einen Investor ins Haus holen und somit einen Teil des Sports verkaufen?! Es könnten noch zahlreiche weitere Beispiele genannt werden, jedoch würden diese den Rahmen des Vorworts sprengen. Wichtig für uns als Fans ist vor allem, dass wir uns nicht spalten lassen und uns gemeinsam zur Wehr und für unsere Werte einsetzen.
An dieser Stelle genug der kritischen Worte, jetzt freuen wir uns auf die neue Saison. Die Kaderplanung scheint auf den ersten (und vielleicht nicht ganz so fachkundigen) Blick gelungen zu sein. Einige Stellschrauben wurden nachgebessert und der Traum vom Henkelpott wird von neuem geträumt. Planen lässt sich das bekanntlich nicht, aber dass wir nach der vergangenen Saison optimistisch in die sportliche Zukunft blicken, ist nachvollziehbar. Wir haben auf alle Fälle Bock auf Fußball, auf Reisen durch Deutschland und Europa! Starten wir heute mit dem Schwung aus dem Pokalfinale in die neue Saison und schreien die Schwabenschweine aus dem Stadion.
Vorwärts Südkurve!
Immer vorwärts FC Bayern!
FC Bayern München – 1. FC Köln 5:1 (34.Spieltag)

34. Spieltag, die Luft war logischerweise etwas raus. Der letzte Spieltag gegen Köln drei Jahre zuvor stand da noch unter ganz anderen Vorzeichen, aber dieses Mal kein Meisterrennen oder ähnliches.
Der Wetterfrosch ließ wenig Vorfreude auf den Spieltag aufkommen, denn die Prognosen waren für Mitte Mai eher so semi. In der Jahreszeit sollte die kurze Hose eigentlich kein Problem darstellen, jedoch wissen wir aus Erfahrung, dass es im Mai auch mal passieren kann, dass zur etwas dickeren Jacke gegriffen werden muss.
Ganz so schlimm war es nicht, immerhin vom zeitweise angekündigten Regen blieben wir verschont. Somit war der Südkurvenplatz gut bevölkert und zum Saisonabschluss wurde von den Gruppen der Südkurve nochmal ein breites Spektrum an flüssigen und festen Nahrungsmitteln angeboten, so dass für das leibliche Wohl bestens gesorgt war. Während wir bei guter Laune und durchschnittlichem Wetter die Zeit verbrachten, machte die Runde, dass die gegnerische Fanszene umgekehrt ist, da es in den Räumen der Wilden Horde brannte. Absolut verständlich, wenn dein Zuhause in Flammen steht, dass du dann nicht entspannt zum Auswärtsspiel weiterfährst. Die Attraktivität des Spiels hat das natürlich nicht erhöht, ohne Gegenüber auf den Rängen fehlt eben doch etwas. Somit war der Adressat unseres Kondolenzspruchbands nicht vor Ort, wir denken die Worte sind dennoch angekommen. Ultras sterben nie!
Von den 90 Minuten gibt es wenig zu berichten, beide Mannschaften spielten, wie einleitend erwähnt, nur noch um die oft zitierte Goldene Ananas. In Erinnerung bleiben ein Dreierpack von Harry Kane, ein Traumtor des Gegners und dann machte ausgerechnet Jackson das letzte Tor der Rekordsaison. Auch in der Kurve hatte der Ausklang der Saison mehr Sommerspielcharakter. War, glaube ich, schon ganz ok, aber phasenweise auch eher eine ein bisschen zähe Nummer. Worauf der Fokus von Mannschaft und Kurve liegt, war klar: das Pokalfinale sieben Tage später in Berlin. Der Mannschaft wurde aus der Kurve bereits zum Warmmachen klar gemacht, dass die Saison bis dato bombig war, aber der Pokalsieg natürlich nach München gehen muss: Danke für die geile Saison – gemeinsam holen wir den Pokal! Ein weiteres Spruchband zeigten wir im Laufe der Partie: Nachdem in Jena die Bullen mal wieder Aktionismus zeigten und bei einigen Ultras die Wohnungen durchsuchten, schickten wir solidarische Grüße an unsere Freunde.
Letzte Spieltage bieten natürlich auch den Rahmen für Verabschiedungen. In manchen Jahren ist das recht unemotional (meistens), in anderen Fällen ist es ein wenig anders. Mit Leon Goretzka stand dieses Jahr der Abschied eines verdienten Spielers an, der trotz einiger sportlicher Schwierigkeiten immer loyal gegenüber unseren Farben war. Zudem hatte man bei ihm das Gefühl, dass er sich zum einen gesellschaftspolitisch sinnvolle Gedanken macht und auch mal seine äußert. Erleben wir in der heutigen Fußballwelt nicht allzu häufig. Wie die Faust aufs Auge passt die Herkunft Goretzkas – aus Bochum kommend, dem VfL weiterhin verbunden, das finden wir natürlich gut. Somit feierten wir den Bochumer Jungen in rot und weiß zum Abschied etwas ausgiebiger. Insgesamt gestaltet sich die Meisterfeier doch wieder recht emotionslos. Das lief nach dem Pokalfinale besser, da wirkte das Zusammenspiel zwischen Kurve und Mannschaft beim Feiern des Triumphs deutlich besser. Aber dazu lest ihr im gleich folgenden Bericht.
Ein Dank für die Unterstützung an diesem Tag geht an Ultras Bochum, die vor ihrem Saisonabschluss die Chance genutzt haben, uns mit einer großen Anzahl zu besuchen.
FC Bayern München – VfB Stuttgart 3:0 (Pokalfinale)

„Pokalfinale, Pokalfinale, wir fahren jedes Jahr zum Pokalfinale…“ schallte es vor einigen Jahren noch regelmäßig durch die Stadien des Landes. Doch was ist seitdem passiert? Seit sage und schreibe sieben (!!!) Jahren war es der Südkurve nicht mehr vergönnt, Ende Mai ins Berliner Olympiastadion zu reisen. Umso größer war die Vorfreude dann in diesem Jahr. Manch einer hatte es sogar noch vor dem Europapokal zum erklärten Saisonziel ausgerufen, den Pokal mal wieder dorthin zu holen, wo er hingehört: nach München. Und für mindestens eine Generation war es außerdem das erste Pokalfinale der eigenen Fankarriere. Dementsprechend groß war die Motivation in unseren Reihen. Als Kirsche auf der Torte sollte es – anders als noch bei unserem letzten Finale (mit Fans) 2019 – gegen einen alten Rivalen gehen. Gerade dieser Rivale konnte uns einige Wochen zuvor noch ziemlich ärgern, als er (vermutlich selbst für ihn) unerwartet mit einem stattlichen Mob in der Nähe unseres Treffpunktes aufkreuzte und eine angemessene Reaktion unsererseits ausblieb. Jeder einzelne war also bis in die Haarspitzen motiviert. Das spiegelte sich auch bei der Zahl der Anmeldungen wider und somit machte sich die Südkurve mit dem größten Ultrasmob ihrer Geschichte auf den Weg nach Berlin.
Als großer Treffpunkt aller Bayernfans wurde der Theodor-Heuss-Platz ausgerufen. Schon weit vor Abmarsch tummelten sich tausende Bayernfans rund um den Platz und die Vorfreude war förmlich zum Greifen. Während es sich also die meisten Bayernfans bei Bier und Döner gut gehen ließen, war ein kleiner Teil schon seit den frühen Mittagsstunden im Stadion zugange, um die ersten Handgriffe an der Choreo zu tätigen. Diese lassen sich aber leider nicht mit einem Halbsatz abhandeln: denn seit einigen Jahren verlangt der DFB von allen Choreohelfern die Abgabe höchstpersönlicher Daten, die sogar durch das BKA überprüft werden. Um für die Bilder zu sorgen, mit denen die Verbände doch so gerne werben, muss man sich also vorher wie ein Schwerverbrecher behandeln lassen. Das ist natürlich nur schwer mit unseren Werten vereinbar. Nicht wenige sind der Meinung, dass man unter solchen Bedingungen eigentlich gar keine optische Aktion durchführen sollte. Um die unterschiedlichen Fraktionen zusammenzubringen, haben wir uns wie schon 2019 für einen Mittelweg entschieden. Eine niedrige zweistellige Zahl an Helfern brachte somit die Choreo ins Stadion, während der eigentliche Aufbau dann erst mit Stadionöffnung begann. Somit hetzten bis kurz vor Anpfiff auch noch Helfer durch die Kurve, um die letzten Handgriffe zu tätigen. Der ganze Stress hatte sich aber mal wieder mehr als gelohnt: Zum Einlaufen der Mannschaften kam das Münchner Kindl, das sich den Pokal schnappt, zum Vorschein. Garniert wurde das Bild durch besprühte runde Pappen mit Bayernlogos, Fahnen, Folienstücken und einem großen Spruchband, das nochmal unterstrich, wer hier heute die Ostkurve bevölkert: der deutsche Rekordpokalsieger. Stoffschals mit eben diesem Motto wurden übrigens gegen eine kleine Spende für die nächsten optischen Aktionen an die Bayernfans verteilt. Vielen Dank an alle Personen, die nicht nur für dieses Spiel, sondern die ganze Saison über, Tage und Nächte opfern, um zehntausenden Bayernfans ein paar schöne Momente zu schenken! Wenn sich mal wieder zu wenig helfende Hände melden, ist das nicht immer der dankbarste Job, umso wichtiger ist er aber, um eben für solche einzigartigen Momente zu sorgen, an die man noch Jahre später denkt.
Ganz so pathetische Worte lassen sich für den Rest der ersten Halbzeit leider nicht so einfach finden. Denn mir ist ansonsten ehrlich gesagt nicht mehr allzu viel in Erinnerung geblieben und die Stimmung plätscherte eher so vor sich hin. Das mag aber auch an meiner Position im Oberrang gelegen haben, denn zumindest die Mitmachquote bei Klatsch- und Hüpfeinlagen war schon richtig fett.
Mich beschlich etwas die Sorge, dass wir wie schon beim HSV-Spiel mit zu hohen Erwartungen und zu großen (unerfüllbaren) Vorsätzen an das Spiel gegangen waren. Aber zum Glück wartete noch die zweite Hälfte auf uns. Diese läuteten wir gemeinsam mit der Cannstatter Kurve ein. Auf beiden Seiten gab es zwei große Spruchbänder: „Große Rivalen sind sich einig: Fick dich DFB“, welche jeweils durch kleinere Spruchbänder ergänzt wurden, die verschiedene Kritikpunkte an den Verbänden vorbrachten. Die Stuttgarter hatten zudem eine große Blockfahne mit durchgestrichenem DFB-Logo im Gepäck, die sogar einmal quer durchs Stadion und über beide Kurven wanderte. Zusammen mit der Lautstärke der Gesänge war das wieder einmal ein starkes Zeichen dafür, dass nicht nur die Fanszenen, sondern fast alle Stadiongänger bei diesen grundsätzlichen Themen an einem Strang ziehen. Daher kann man an dieser Stelle allen Bayernfans sowie VfBlern danken, dass der Protest in der Form mitgetragen wurde.
Wir wollten aber natürlich nicht nur meckern, sondern auch zeigen, wie es auch aussehen kann. Somit wechselte der zweite Teil des Spruchbands in beiden Kurven zu einem „Freiheit für die Kurve“ und in der Ostkurve und im Marathontor begann es an allen Ecken und Enden zu leuchten und zu funken. Das sollte sich dann auch bis zum Abpfiff nicht mehr ändern. Unfassbar, was da abgefackelt wurde, zwischen der 45. und der 80. Spielminute waren die Zaunfahnen der Stuttgarter vor lauter Nebel nicht ein einziges Mal von meinem Platz aus zu sehen. Angetrieben vom fast durchgängigen Fackelschein konnten wir auch endlich akustisch nochmal ein bis zwei Stufen drauflegen. Das hat dann richtig Bock gemacht und weite Teile der Kurve stiegen in die Gesänge ein. Ich will jetzt hier nicht näher darauf eingehen, welches Lied wann gut lief, aber eine honorable Mention hat sich für mich auf jeden Fall „Wenn ich nachts nicht schlafen kann“ verdient. Im Laufe des letzten Jahres ist das Lied fast schon so etwas wie ein Hit geworden. Auch die Mannschaft auf dem Rasen tat ihren Soll und somit hieß es endlich mal wieder: Deutscher Pokalsieger FCB! Das wurde dann auch gebührend mit der Mannschaft gefeiert. Bilder, wie die Mannschaft zusammen mit vermummten Ultras und dem Pokal posieren oder auch die Torjubel gemeinsam mit der Kurve waren so vor einiger Zeit noch nicht unbedingt an der Tagesordnung und zeigen, was sich hier im letzten Jahr positiv entwickelt hat. Dieses Team hat sich den Pokal definitiv verdient und ist hoffentlich auch noch zu größerem bestimmt.
Beendet wurde der Auftritt im Stadion mit Gesängen für die Stadionverbotler sowie unserer Hymne, ehe es zurück in die Busse und auf den unterhaltsamen Heimweg ging.
Abschließend kann man festhalten, dass das wahrscheinlich eins der krassesten Spiele war, die in den letzten Jahren in Deutschland auf diesem Niveau stattgefunden haben. Zwei große und rivalisierende Fanszenen in zwei großen Kurven, massig Pyro, Choreos und einen Tifo beider Szenen, den man sich noch vor zehn Jahren nicht hätte erträumen können. Auf allen Ebenen ein absolutes Paradebeispiel für das Niveau, auf das sich Ultrà-Deutschland momentan bewegt und vermutlich nicht so weit weg vom absoluten Optimum.
Ein großes Dankeschön geht zu guter Letzt noch an die anwesenden Freundschaften aus Bochum, Jena, Hamburg, Empoli und Bordeaux. Besondere Erwähnung haben letztere verdient, die die weite Reise mit einem großen Haufen angetreten hatten und uns den gesamten Spieltag unterstützten.
Saisonrückblick 2025/2026
Nimm uns mit, FCB, auf die Reise…
Südkurve, was war das für eine verrückte und geile Saison?! Auch wenn uns der ganz große Wurf verwehrt blieb, wird die Spielzeit 2025/26 bei uns allen positiv im Kopf bleiben: eine begeisternd aufspielende Mannschaft, die den Torrekord aus den siebziger Jahren pulverisierte und auch aus Kurvensicht war es wieder ein intensives Jahr. Aber starten wir chronologisch und geben einen Rückblick auf die Monate August 2025 bis Mai 2026. Manche Monate waren ereignisreicher, andere weniger. Aber lest selbst und erinnert euch an eine Saison, die zeitweise einem Höllenritt glich.
August
Neue Saison und wieder sollte es Veränderungen in der Struktur der Kurve geben. Wovon wir vor einigen Jahren nicht zu träumen wagten, erfüllte sich mit Beginn der Spielzeit 2025/26: eine Südkurve von Eckfahne zu Eckfahne. Mit dem Schritt des Colegio in den Block 110, einer weiteren Ausweitung der alarMstufe im 114 und dem Wechsel der Rebels in den 117 wurde eine Ausbreitung der aktiven Gruppen erreicht, die 2005 nicht einmal vorstellbar war. Ein wichtiger Schritt für die Kurve und nachdem die Breite da ist, gilt es, den Weg weiterzugehen. Wohin es sportlich gehen könnte, zeigte unsere Spieler, indem sie das Produkt von RB aus dem Stadion schossen. Zudem wurde die Trikot-Thematik sehr präsent ins Stadion getragen: Unter dem Motto „Ein Trikot – größer als alle anderen“ war ein Großteil der Kurve im entsprechenden T-Shirt in Trikotoptik im Stadion. Ein Thema, das uns vermutlich weiter begleiten wird.
September
Freude auf ein Heimspiel verspüren wir in der Bundesliga nicht mehr allzu oft – da kam nach fast acht Jahren eine Partie gegen den HSV gerade recht. Ein alter Rivale, mit dem es auch außerhalb des Stadions immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen ist. Mit einer Choreo und der ersten Pyroaktion bei einem Bundesliga-Heimspiel seit knapp drei Jahren war optisch einiges geboten und gesanglich präsentierte sich die Kurve ebenfalls von ihrer besseren Seite. Die Erweiterung der Südkurve zeigte bereits bei den ersten Spielen einen positiven Effekt, auch wenn bald schon eine gewisse Stagnation einsetzen sollte.
Zum Abschluss des Wiesn-Monats bescherte uns die Losfee (bzw. die Los KI) noch ein Highlight: Nach Jahrzehnten ging es mal wieder auf Zypern. Gerade in der Champions League sind neue Gegner und neue Länder nicht gerade der Alltag, somit war die Freude bei allen riesig und ein entspannter Auftritt war der Beginn unserer Reise durch Europa.
Oktober
In der Borussia-Woche konnte auf dem Rasen der direkte Verfolger distanziert werden und auf den Rängen setzte die Kurve am Niederrhein ein Ausrufezeichen. Eine schöne Choreo, die von einer größeren Pyroaktion begleitet wurde – die Rückmeldungen dazu waren durchweg positiv. Auch der Tifo im Gästeblock machte große Freude und die drei Punkte konnten mit nach Hause genommen werden. Ansonsten ein relativ unspektakulärer Oktober, aber mit der Ruhe sollte es bald vorbei sein.
November
Im November zogen dunkle Wolken über den deutschen Fanszenen auf, weshalb im Vorfeld der Innenministerkonferenz im Dezember 2025 die Zeichen mal wieder auf Protest standen. Die bekannten 12 Minuten Schweigen verdeutlichten allen, was es bedeuten würde, wenn hierzulande die Fankultur massiv eingeschränkt wurde. Als Höhepunkt des Protestes organisierten die Fanszenen eine vereinsübergreifende Demonstration in Leipzig, bei welcher die Südkurve mit ca. 400 Fans vertreten war. Ein starkes Zeichen und letztlich konnte das Schlimmste abgewendet werden. Doch der Kampf für eine freie und lebendige Fankultur geht weiter, so viel ist sicher.
Wohin ein repressiver Staat führen kann, erleben wir regelmäßig in Frankreich. Am Abend vor dem Spiel erreichten uns die Meldungen aus Paris, wonach ein Aufenthalt in der Stadt allen Bayernfans untersagt wurde. Der Südkurven-Konvoi schlug den französischen Bullen ein Schnippchen, gelang in die Stadt und erlebte ein großen Europapokalabend im Prinzenpark.
Dezember
Und weil wir gerade bei Repressionen im Europapokal sind: Von Seiten der UEFA zeigt man sich in aller Regel wenig fanfreundlich und somit war unser Verein nach mehreren Pyroaktionen auf Bewährung. Dass die Strafankündigungen von Seiten der UEFA eine Art Erpressung sind, ist uns allen klar. Ebenso, dass Pyrotechnik ein unverzichtbarer Teil unserer Fankultur ist. Beim Heimspiel gegen Sporting gab es daher eine Pyroaktion von uns, wohlwissend, dass uns im kommenden Heimspiel eine Sperre der Kurve erwarten würde. Eine Thematik, die vermutlich noch öfter aufpoppen wird. Verbandsstrafen sind nicht nur in Europa ein Thema, sondern auch hierzulande. Da wäre von allen Vereinen etwas mehr Courage wünschenswert.
Im Zaunfahnenbild und den Gesängen der Kurve wird bei jedem Spiel an unsere Freunde vor dem Stadion erinnert, zum Ende des Jahres wurde den Stadionverbotlern mit einer größeren Aktion ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht. Irgendwie schade, dass es die vorerst letzte Partie auf dem Heidenheimer Schlossberg war, hatten die Auftritte in dem kleinen Block immer einen gewissen Spaßfaktor.
Januar
Neues Jahr – neuer Hit dachte sich die Südkurve und sang sich zu „Livin on a Prayer“ beim Heimspiel in einen kleinen Rausch. Sonntagabend und Kälte, da müssen die Highlights selbst gesetzt werden.
In Erinnerung bleibt vermutlich das Heimspiel gegen St. Gilloise: Nach der Pyroaktion gegen Sporting waren bestimmte Blöcke der Südkurve gesperrt, was von Bayern zum Anlass genommen wurde, die komplette Südkurve leer zu lassen. Über Umwege war die Südkurve dennoch im Stadion vertreten und zeigte aus dem dritten Rang, dass sich den willkürlichen UEFA-Strafen nicht gebeugt wird. Wir sind immer hier!
Ende Januar sollte es dann mal wieder ins Volksparkstadion gehen und bereits mit dem Aufstieg des HSV war klar, dass dem Spiel ein würdiger Rahmen gegeben werden sollte. Letztlich hatten wir eine Choreo sowie eine Pyroaktion vorbereitet, was beides klappte und optisch somit zufrieden der Heimweg angetreten werden konnte. Stimmungsmäßig war es dagegen einer der schlechteren Auftritte in dieser Saison. Dank des Nichtabstiegs des HSV kriegen wir in der kommenden Saison eine neue Chance.
Februar
Sportlich lief alles weiter wie am Schnürchen (u.a. Einzug ins Halbfinale Pokal) und beim Spiel in Dortmund sollte es um die Vorentscheidung gehen. Samstagabendspiel, die Kurve reist per Sonderzug an, eigentlich perfekte Bedingungen für einen geilen Fußballabend. Dass es am Ende anders kam, wissen vermutlich alle Lesenden. Ein massiver Polizeieinsatz und ausufernde Gewalt von Seiten der Beamten sorgten für viele Verletzungen und Festnahmen auf unserer Seite. Letztlich wurde der Erfolg auf dem Rasen im Stadionumlauf miterlebt. Ein gebrauchter Tag für uns alle und mit brennenden Augen wurde die Heimreise angetreten.
März
Die Mannschaft von Vinnie Kompany spazierte weiter durch die Bundesliga, auch wenn es in Leverkusen nur zu einem Unentschieden reichen sollte. Ok, am Ende standen auch nur noch neun Bayernspieler auf dem Platz. Ein sportliches Ausrufezeichen konnte gegen Atalanta Bergamo gesetzt werden. In beiden Spielen dominierte die Spieler in Rot und zogen souverän ins Viertelfinale ein. Deutlich ausgeglichener gestaltete sich das Duell auf den Rängen, mit der Curva Nord stand uns eine der respektiertesten Szenen Italiens gegenüber. In Bergamo gelang uns über 90 Minuten ein Sahneauftritt, der richtig viel Spaß gemacht hat. Ab dem Moment dominierte der Europapokal das Denken und Handeln: Es war allen anzumerken, da ist Bock auf mehr und das Gefühl war da, dass es dieses Mal gegen Real reichen könnte.
April
Der Monat des kompletten Wahnsinns: die Partie in Freiburg, die beiden Spiele gegen Real, die Aufholjagd von Mainz und zum Abschluss der Irrsinn bei PSG – in einem Monat eine solche Anzahl an erinnerungswürdigen Spielen, emotionalen Höhepunkten und Torjubeln, die bei uns kaum noch für möglich gehalten wurden. Wir wagen die Prognose, der April 2026 war der verrückteste Monat der Vereinsgeschichte. Und wir als Kurve – wir folgten unseren Farben und gerade der Abend im Bernabeu war neben dem sportlichen Erfolg auch von der Kurve ein richtiges Brett. 4.000 Bayernfans, denen der Wille anzumerken war, dass wir den Königlichen in ihrem Stadion eins mitgeben. Aber auch der einstündige Dauergesang im Mainzer Gästeblock dürfte für uns als Kurve ein einmaliges Ereignis gewesen sein, das einem allein beim Schreiben wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Die Ekstase nach den beiden Treffern gegen Real, als sich Fans und Spieler feiernd in den Armen lagen. Und nicht zu vergessen, die Choreografien in der KO-Phase, auch wenn es im Europapokal nicht zum großen Wurf gereicht hat. Es waren Momente, für die es sich lohnt, Fußballfan zu sein und die wir immer in unserer Erinnerung haben werden.
Doch mussten wir als Kurve in dem Monat auch eine Niederlage einstecken, als die Cannstatter Kurve mit ihrem kompletten Haufen in der Nähe unseres Treffpunkts auftauchte und uns auf dem komplett falschen Fuß erwischte. Somit wurde die an dem Tag gewonnen Meisterschaft mit angezogener Handbremse zelebriert…
Mai
Gegen Paris war bekanntlich dann Endstation und der große Traum vom Henkelpott war Anfang Mai ausgeträumt. Doch die Reise war noch nicht zu Ende, ein Highlight sollte es noch geben: Pokalfinale in Berlin und das gegen einen unserer großen Rivalen. Waren Pokalfinals in den 00er- und 10er-Jahren fast schon eine Gewohnheit für uns, sollte es für die Südkurve tatsächlich das erste Finale in den 2020er-Jahren sein. Somit für viele der jüngeren Fangeneration ihr erstes Endspiel in Berlin. Gerade in den zurückliegenden drei, vier Jahren hat sich das Pokalfinale zu einem Highlight der deutschen Fanszenen entwickelt und bei uns war die Vorfreude darauf daher riesig.
Und der Tag, das Spiel waren der perfekte Abschluss dieser grandiosen Saison. Auf dem Spielfeld wurde das Double perfekt gemacht und auf den Rängen zeigten beide Kurven einen erinnerungswürdigen Auftritt. Ein Beleg, auf welchem Niveau deutsche Kurven im Jahr 2026 sind. Viel mehr als an diesem Abend geht vermutlich nicht und einige Stimmen sprechen sogar vom größten Auftritt, den wir als Kurve in den letzten Jahren hatten. Somit ging es freudestrahlend in die wohlverdiente Sommerpause: 53 Pflichtspiele für die Kurve, unzählige Kilometer im Bus oder Zug lagen hinter uns und die Akkus waren bei den meisten einfach leer.
Doch jetzt, drei Monate später, sind wir wieder heiß auf Fußball. Starten wir heute lautstark in die neue Saison. Gehen wir als Kurve weiter den Weg, den wir seit einigen Jahren eingeschlagen haben. Und vielleicht erfüllt sich diese Spielzeit der große Traum vom Europapokal…
Endlich Gerechtigkeit für Luca Fanesi?
„Case of Fanesi vs. Italy”: So ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) überschrieben, das Luca Fanesi einen Schritt näher an das bringt, was manche Gerechtigkeit nennen würden.
Luca Fanesi war 44 Jahre alt an jenem Tag im November 2017, der sein Leben für immer verändern sollte. Der italienische Verein Sambenedettese, zu dessen Fanszene uns eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet, gastiert in Vicenza. Die leidgeplagten Anhänger der Samba treten die Heimreise an, mal wieder hatte ihr Verein verloren. Bei der Abreise kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans beider Mannschaften, die Polizei geht dazwischen. So weit, so normal und auch gut auf Videos dokumentiert. In einem dieser Videos sieht man, wie die Gästefans vor der eintreffenden Polizei fliehen, einer von ihnen verschwindet mit erhobenen Armen zwischen einem Polizeiwagen und einem Zaun aus dem Blickfeld der Kamera. Dieser Mann war Luca Fanesi. Und er sollte nicht mehr hinter dem Polizeiwagen hervorkommen.
Was genau auf diesen wenigen Metern geschehen ist, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Fest steht, dass Luca anschließend mit schweren Schädelfrakturen ins Krankenhaus eingeliefert wird. Er fällt ins Koma und muss operiert werden, nur mit Glück überlebt er und kann nach 117 endlosen Tagen das Krankenhaus verlassen. Die Polizisten sagen später aus, dass Luca gestürzt und mit dem Kopf gegen ein Tor geschlagen sei.
Schon die behandelnden Ärzte widersprechen in ihrem Bericht der Polizei. Sie sind der Meinung, dass die Verletzungen, die sich ihnen offenbarten, quasi unmöglich ohne Einwirkung von außen zustande gekommen sein können. Weitere Recherchen bringen zutage, dass am Tatort nicht einmal ein Tor existiert, zudem sagen Zeugen aus, dass sie gesehen hätten, wie Luca von Schlagstöcken getroffen worden sei. Bevor er sein Bewusstsein verlor, hatte er selbst noch ausgesagt, dass er von Polizisten zu Fall gebracht und geschlagen worden sei.
Schnell wird klar: Die Version der Staatsdiener wirft Fragen auf. Sie kann so nicht stimmen. Die Fans aus San Benedetto fordern Gerechtigkeit für Luca und die Wahrheit über den Ursprung seiner Verletzungen. Viele weitere italienische Fanszenen und auch wir schließen uns dieser Forderung an und erhöhen so den öffentlichen Druck.
Die Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren ein, um den Tathergang zu klären. Leider musste man schon zu oft erfahren, dass das nichts bedeutet. Die Liste von Opfern von Polizeigewalt in Italien, Deutschland und darüber hinaus ist quasi endlos und so gut wie nie wird ihnen Gerechtigkeit zuteil. Eine Statistik aus Deutschland zeigt dies exemplarisch: Nur bei 2 Prozent der Anzeigen wegen Körperverletzung im Amt kommt es überhaupt zu einer Anklage, die Zahl der Verurteilungen liegt noch weit darunter. Nicht berücksichtigt ist bei dieser Zahl zudem das Dunkelfeld, das erheblich sein dürfte. Man denke hier nur an die zahlreichen Übergriffe von Polizisten alleine bei unserem Spiel in Dortmund in der vergangenen Saison 2025/26. So hart das auch klingen mag: Mit etwas Pech schrieben wir hier nicht über einen für die meisten Leser entfernten Fall eines italienischen Ultrà, sondern über einen schwer verletzten Bayernfan.
Und – Überraschung – das sollte sich auch dieses Mal nicht ändern: Das Verfahren im Fall Fanesi wird im Jahr 2019 eingestellt. Luca erhielt ein sechsjähriges Stadionverbot. Was hinter jenem Polizeiwagen passierte, wurde nie offiziell aufgeklärt. Dabei wurde nicht einmal alles unternommen, um den Tathergang aufzuklären: Wichtige Zeugen wurden gar nicht erst gehört, die Schlagstöcke der Beamten keiner DNA-Probe unterzogen und logische Mängel in den Aussagen der Beamten einfach so hingenommen.
Anders als in anderen Fällen wollten die Betroffenen das aber nicht so einfach hinnehmen. Mit Hilfe der vielen Unterstützer erhoben sie Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der im Juli nach neunjährigem Kampf von Luca und seinen Unterstützern ein Urteil sprach: Die italienischen Behörden haben gegen Artikel 3 der Menschenrechtskonvention verstoßen, dem sogenannten Folterverbot; „Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.“
Genau genommen urteilt der EGMR nicht über den Tathergang. Er verurteilte keinen Polizisten oder konnte das Geschehen rekonstruieren. Er stellte aber fest, dass die Ermittlungen der italienischen Behörden unzureichend und oberflächlich waren und der italienische Staat keine Erklärung für Lucas Verletzungen liefern konnte. Luca wird eine Entschädigung in Höhe von 150.000 € zugesprochen. Es besteht nun berechtigte Hoffnung, dass die italienischen Behörden den Fall neu aufrollen und Luca vielleicht irgendwann Gerechtigkeit zuteil wird.
Aber Gerechtigkeit? Bis heute ist kein Bulle verurteilt worden für das, was Luca angetan wurde. Und überhaupt: Kann man von Gerechtigkeit in so einem Fall sprechen, selbst wenn ein Bulle für ein paar Jahre hinter Gitter wandert? Lucas Leben hat sich für immer verändert, noch immer hat er mit den Folgen des 5. Novembers zu kämpfen, an ein normales Leben ist nicht zu denken. Dieses bekommt er auch durch eine Verurteilung eines oder mehrerer Beamten nicht zurück. Das, was einer sogenannten Gerechtigkeit wohl am nächsten käme, wären strukturelle Veränderungen im Polizeiapparat – in Italien, europaweit, weltweit. Veränderungen, die verhindern, dass es in ein, zwei oder zehn Jahren den nächsten Luca Fanesi, den nächsten Gabriele Sandri, Stefano Furlan, Stefano Cucchi, den nächsten Lorenz oder den nächsten George Floyd gibt. Diese Liste ließe sich noch ewig fortsetzen. Klar ist: Es sind nie Einzelfälle, sondern Fehler im System.