Vorwort
FC Bayern München – 1. FC Union Berlin
SC Freiburg – FC Bayern München
Real Madrid – FC Bayern München
FC St. Pauli – FC Bayern München
FC Bayern München – Real Madrid
Vorwort
Servus Bayernfans,
zwei magische Nächte liegen hinter uns! Dachten viele, dass das Spiel in Madrid schon der Wahnsinn war, dürfte das Rückspiel alles getoppt haben. Ein offener Schlagabtausch auf dem Rasen, mit dem finalen Punch in der Nachspielzeit. Die Szenen, die sich im Stadion abspielten, waren komplett surreal: Fans im Innenraum, die sich mit den Spielern in den Armen lagen, Glücksgefühle, die raus gebrüllt wurden – ein einziger Endorphinrausch! Zwischen dem Schreiben dieser Worte und dem Schuss von Luis Diaz liegen exakt acht Stunden und so ganz begreifen, was sich da abgespielt hat, kann ich glaub noch nicht. Der Traum von Budapest lebt weiter. Zwei Spiele trennen uns noch vom Finale und mit Paris wartet der nächste Hochkaräter. Wieder zwei Spiele, die sowohl der Mannschaft als auch der Kurve alles abverlangen werden. Wenn wir uns weiterhin als Einheit präsentieren, schaffen wir auch die Hürde und spielen Ende Mai um den Henkelpott.
In der Bundesliga können wir nach den beiden Auswärtssiegen in Freiburg und Hamburg bereits diesen Spieltag den Deckel drauf machen. Ein Sieg gegen den VfB und das Ergebnis der Borussia am Samstag ist mehr oder weniger egal. Klar, bei noch zwölf Punkten, die zu vergeben sind, ist es rein rechnerisch natürlich nicht ganz klar, aber wer glaubt denn ernsthaft daran, dass diese Tordifferenz innerhalb von vier Spieltagen noch verspielt werden kann. Das Spiel in Freiburg war aus Fansicht schon ein erstes kleines Highlight, mit dem die wenigsten gerechnet hätten. Aufgrund des utopischen Spielverlaufs dürfte aber der Torjubel in Minute 99 zu einem der emotionaleren in der Bundesliga gehört haben. Erleben wir im Ligaalltag nicht mehr so oft, dass bei einem Treffer Körper übereinander fliegen. Im Nachhinein nur ein Vorgeschmack was bei den Real-Spielen folgen sollte…
Im Bernabeu erlebten wir einen großen Abend von der Kurve, die 90 Minuten den Sieg herbei schrie. Das war einfach richtig geil. Beim Rückspiel war es vor allem in der wilden ersten Halbzeit oft ein bisschen chaotisch, aber mit Sicherheit hatte das ganze Stadion seinen Anteil, dass es am Ende mit dem Halbfinale geklappt hat. Am Mittwoch geht es nach Leverkusen: Pokalfinale erreichen – ein weiterer Traum von uns allen. Und dann nach Mainz, dann nach Paris – es geht weiter Schlag auf Schlag. Die englischen Wochen nehmen kein Ende, schon wieder muss ein Urlaubsantrag eingereicht werden oder zur Not der Krankenschein. Weiter gilt es aber einen Schritt nach dem anderen zu machen. Daher jetzt voller Fokus auf die nächste Aufgabe und das ist der VfB. Südkurve, von Anfang an zeigen wir, wer in unserem Stadion das Sagen hat. Und das sind nicht irgendwelche brustringtragenden Schwaben, sondern wir!
Vorwärts Südkurve!
Immer vorwärts FC Bayern!
FC Bayern München – 1. FC Union Berlin 4:0

Nachdem wir unter der Woche gegen Atalanta Bergamo den Viertelfinaleinzug fix gemacht hatten und die meisten gedanklich vermutlich schon mit einem feinen Cerveza in der Sonne saßen, stand in der Realität doch noch der Bundesliga-Alltag an – Heimspiel gegen Union Berlin. Bei angenehmem Frühlingswetter (ein bisschen wärmer hätte es aber schon sein können), bei dem sich auch ab und zu die Sonne blicken ließ, traf sich die Südkurve wie gewohnt am Südkurvenplatz. RFM hatte Bratensemmeln und Obazdn am Start und auch wenn’s kein spanisches Cerveza gab, tat’s das Bier aus München mindestens genauso gut. Entsprechend entspannt und gut gelaunt ging’s dann Richtung Stadion.
Zu Spielbeginn zeigten wir gemeinsam als Südkurve ein großes Spruchband, um dem Backstage unsere Solidarität auszusprechen. Mit „München braucht Kultur! Finger weg vom Backstage“ setzten wir ein Zeichen für den Erhalt der Münchner Kulturlandschaft. Hintergrund ist die immer wieder aufkommende Diskussion um das Backstage-Gelände, das durch Bauprojekte bedroht ist – ein wichtiger Ort für Subkultur, Konzerte und alternative Szenen in der Stadt.
Sportlich gab es ein gewohntes Bild. Bayern übernahm früh die Kontrolle und versuchte, Union direkt hinten reinzudrücken. Die Gäste standen, wie schon im Hinspiel, zunächst kompakt und machten die Räume eng, offensiv kam von ihnen über weite Strecken eher wenig. In der 43. Minute erfolgte jedoch der erste Streich und kurz danach fiel in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte durch Gnabry der 2:0 Pausenstand.
Die zweite Hälfte begann so, wie die erste endete, und nach 50 Minuten stand es 3:0. Gnabry nahm noch ein zweites Tor mit und so endete das Spiel mit 4:0.
Neben dem Spruchband für das Backstage positionierten wir uns auch ganz klar gegen Pläne eines Abschiebe-Terminals am Münchner Flughafen
„Abschiebeterminal verhindern! München muss solidarisch bleiben.” Die Stimmung in der Südkurve würde ich in Schulnoten als solide 2- bezeichnen, mit „Bayern München“ starteten wir ordentlich in die Partie und konnten auch öfter die Lautstärke hochhalten, die klassische Hüpfeinlage sorgte wie immer für gut Lärm, und auch „Der Arjen hats gemacht“ machte in der zweiten Halbzeit besonders viel Laune. Rundum ein gelungener Auftritt.
Die Gäste-Fans waren mit einer großen „FIGHT CLUB UNION BERLIN“ Zaunfahne angereist, die mir optisch jetzt nicht besonders gefiel, zudem finde ich „Fight Club XY“ mittlerweile auch eher langweilig. Ferner ist Regel Nummer 1 eigentlich auch, dass man darüber nicht spricht ; ) Gut gefallen hat mir die Aufteilung der Schwenkfahnen, die Farbmuster außen und der große Schwenker mittig machten optisch schon was her. Mit Lautstärke konnten die Gäste aber nicht überzeugen… Es war eher einer der schlechteren Gastauftritte, die ich diese Saison bei uns gesehen habe. Erwähnenswert ist noch das Gedenk-Spruchband der Gäste, „ULTRAS STERBEN NIE – RUHE IN FRIEDEN JOY“, zu dem auf beiden Seiten geschwiegen wurde. Auch an dieser Stelle unser Mitgefühl an alle Hinterbliebenen, Ruhe in Frieden!
Nach dem Spiel ging es für uns noch zurück ins Südkurvenhaus, dort endete der Spieltag bei selbstgemachten Dönerboxen und ein paar Bierchen. Abschließend noch vielen Dank an unsere Freunde aus Jena, Hamburg und Bochum für die heutige Unterstützung
SC Freiburg – FC Bayern München 2:3

Nach der Länderspielpause mit dem Bus zu den Breisgau-Brasilianern fahren? Claro! Das Auswärtsspiel in Freiburg ist tatsächlich eines, bei dem immer eine gewisse Vorfreude mitschwebt. Entspannte Fahrt und obwohl zumindest ich das alte Dreisamstadion etwas vermisse, überzeugt im Neubau auf jeden Fall der Gästeblock. Jedes Gastspiel hat dort bisher irgendwie Spaß gemacht.
Sportlich hingegen waren wir in Freiburg nicht immer so befreit, sondern hatten durchaus an den Badensern zu knabbern. Das sollte heute nicht anders sein. Obwohl der SCF selbst noch auf drei Hochzeiten tanzt, presste deren Mannschaft von Anfang an forsch drauf und man merkte, dass unserer 1b Elf das nicht so ganz schmeckte. Da musste sich Manuel Neuer ein zweimal hart ins Zeug legen, damit hinten die Null stand. Auch wenn wir direkt vor der Pause auch selbst gefährlich wurden, kann man schon zugeben, dass die Freiburger nach der Halbzeit nicht unverdient in Führung gingen.
Im Gästeblock tat dies der Stimmung allerdings kaum einen Abbruch. Nicht aus generellem Desinteresse fürs Spiel, aber einerseits ist die Meisterschaft realistisch durch und andererseits, wer wollte es der Mannschaft vor dem Real-Spiel verdenken. Vor zwei Jahren als der Vorsprung gegen Heidenheim verzockt wurde, war das anders. Da hat die Mannschaft nicht annähernd das ausgestrahlt, was sie heute tut. In Freiburg wusste jeder: am Dienstag werfen die sich nach dem Motto “Einer für Alle – Alle für einen” mit allem was sie haben rein. Aber der Trainer wollte wohl hier und heute nicht nur den Torrekord sondern vor allem auch drei Punkte. Per Dreifach-Wechsel setzte er das Zeichen zur Aufholjagd. Und seine Mannschaft folgte dem Signal.
Wie krass war es bitte, das Ding noch quasi mit dem Schlusspfiff zu drehen? Die Protagonisten dabei die beiden Senkrechtstarter der Saison Tom Bischof und Lennart Karl – da geht einem als Fan einfach das Herz auf. Vielleicht haben wir in einem sportlich wenig bedeutenden Spiel gegen eine Mannschaft, zu der keine besondere Rivalität (akuter Puls wegen übertriebenem Zeitspiel zählt da nicht dazu) besteht noch nie so einen intensiven Torjubel erlebt wie beim 3:2. Und es war nicht die normale Freude über ein Tor, bei dem wir uns vor allem für uns, für den Verein freuen, sondern diese Mannschaft schafft es zumindest bei mir, dass ich mich auch ganz explizit für jeden unten auf dem Rasen freue. Ob das Spiel einen wirklich großen Platz in den Geschichtsbüchern bekommt, werden wir trotzdem bezweifeln dürfen, dafür kommen diese Saison noch wegweisendere Partien.
Abseits des Platzes für uns Fans relevant: Das Thema Sicherheit beim Fußball scheint bei manchen Innenpolitikern immer noch ganz oben auf der Agenda zu stehen. Dazu zeigten wir im Rahmen des Aktionsspieltag der Fanszenen und passend zum in der Vorwoche erschienen Halbzeitstatement der Fankurven Deutschlands das Spruchband: 3 Monate nach der IMK ist 3 Monate vor der IMK: Reul und Co eskalieren für die Zahlen. Es ist ja mehr als auffällig, wie sehr Zwischenfälle im und am Stadion seit Jahresbeginn zugenommen haben. Das Muster gleicht sich dabei überall: Polizeieinheiten gehen mit übertriebener Härte und mangelnder Verhältnismäßigkeit gegen Fans vor, teils anlasslos, teils aufgrund von kleineren Verstößen, die massiv eskaliert werden. Bei der Häufigkeit kann man schwerlich noch Einzelfälle annehmen, sondern muss von einem politischen Willen einiger Hardliner bzw. einer aus politischen Ämtern heraus gesteuerten Kampagne ausgehen. Wo es im Winter mit purem Populismus nicht funktioniert hat, versucht man es jetzt wohl mit Sachargumenten, indem man die Verletzten- und Festnahmezahlen zu steigern versucht oder auch, indem mit Schlagzeilen und Bildern entsprechende Emotionen in der Bevölkerung konstruiert werden sollen. Hardliner-Innenminister wie Reul (NRW), Schuster (Sachsen) und Behrens (Niedersachsen) scheinen dabei eine Avantgarde zu bilden, die in den Kampf gegen Fanfreiheiten führt. Schon die Tatsache, dass die Vereine der DFL die neue, deutlich verschärfte Version der Stadionverbotsrichtlinie mit Fanvertretern an allen Standorten besprechen wollten und die Verabschiedung daher verschoben werden musste, hat ausgereicht, dass Reul und Schuster im Kicker-Interview direkt wieder mit Drohgebärden in Form von personalisierten Eintrittskarten und Gesichtserkennung um sich werfen. Und auch von noch wesentlich tiefgreifenderen Maßnahmen haben Innenbehörden gegenüber Vereinsvertretern schon fabuliert. Das Thema wird mindestens bis in den Juni hinein akut bleiben. Gut, dass wir fast bis dahin ohnehin voll im Saft stehen werden. Wir fahren nach Berlin, wir fahren nach Budapest! Mit dieser Mannschaft ist wieder alles möglich!
Die Bilder zum Spiel gibt es hier
Real Madrid – FC Bayern München 1:2

Teil Eins des „Europäischen Klassikers“ – Bayern gegen Real im Bernabéu! Keine Begegnung gab es im Europapokal häufiger, kaum ein Duell bekommt eine solche öffentliche Aufmerksamkeit und verspricht mehr Spektakel als Bayern gegen Real Madrid. Für uns Bayernfans sind die Erinnerungen an das Halbfinal-Aus vor fast genau zwei Jahren sehr präsent. Ging die Mannschaft damals merkbar angeschlagen in das Rückspiel und befand sich der ganze Verein in sehr unruhigen Zeiten, sieht die Ausgangslage dieses Mal anders aus: Fans, Mannschaft und Verein erleben bisher eine sportlich starke Saison ohne Störfaktoren. Man hat das Gefühl, alles ruht in sich und als könnte das Selbstvertrauen dieses Mal (endlich) wieder für ein Ausschalten des Unsympathen-Klubs Real Madrid sorgen.
Wie zuletzt 2018 rollte ein Bus nach Madrid, die meisten Bayernfans reisten aber zeitsparend per Flugzeug an. Die Tatsache, dass es allein schon vom Club Nr. 12 zwei Sonderflieger gab, zeigt: Die Motivation ist groß, die „Bestia Negra“ endlich wieder zum Leben zu erwecken und weiter Richtung Europapokal-Sieg zu marschieren. Die normalen Flugpreise von München waren wie gewöhnlich nach Terminierung des Spiels utopisch, weshalb auch ein Abflug aus Italien eine beliebte Option war. So auch für mich, womit eine Autofahrt durch die Nacht am Spieltag einherging. Nicht die entspannteste Art der Anreise, aber preiswert und für ein solches Spiel nimmt man das wirklich sehr gerne in Kauf! Vielen Dank auch nach Bochum, Jena und Hamburg, von wo aus sich wieder einige unserer Freund*innen auf den Weg machten, um uns international zu unterstützen!
In Madrid verbrachten wir zunächst einige Stunden im Kreise der aktiven Gruppen der Südkurve, ehe wir uns mit allen anderen Bayernfans an der Plaza de Castilla trafen. Diesen Treffpunkt gab es bereits vor zwei Jahren, was die spanische Polizei jedoch nicht davon abhielt, unser Treffen und den Marsch zum Stadion verhindern zu wollen. Wenig überraschend gelang ihr das aufgrund der großen Anzahl an Bayernfans nicht und wir liefen wie geplant, flankiert von einer großen Anzahl Bullen und Pferden, zum Bernabéu.
Ebendieses ist ohne Frage eines der berühmtesten Stadien Europas, hat durch den großen Umbau jedoch stark an Charme verloren. Von außen ist es als Fußballstadion nicht erkennbar und von innen fühlt man sich, als wäre man in einem Football- und nicht in einem Fußballstadion. Außerdem leistet das geschlossene Dach seinen negativen Beitrag. Der Stadion-Einlass war Spanien-typisch unentspannt und wie wir mitbekamen, waren einige Gästefans erneut der Willkür der Polizei ausgesetzt. Gute Besserung an der Stelle an alle, die hierbei verletzt wurden!
Manch einer mag es vielleicht anders empfinden, aber meiner Meinung nach ist in diesen großen Spielen die besondere Energie schon beim Aufwärmen der Mannschaft zu spüren. Das „Auf geht’s Bayern, kämpfen und siegen!“ war jedenfalls nicht nur eine Worthülse, sondern der eindeutige Appell an die Spieler, heute alles für eine bestmögliche Ausgangslage im Rückspiel zu investieren. So gelang es der Mannschaft und dem Gästeblock, mit viel Druck und Lautstärke in das Spiel zu starten, wobei das Klatschen und Hüpfen sehr gut funktionierten. Zwei Großchancen durch Upamecano und Gnabry blieben unsererseits ungenutzt, jedoch war es vor allem Manuel Neuer zu verdanken, dass auch Real seine Möglichkeiten nicht verwertete und sich so ein offenes, intensives Spiel entwickelte. Auffällig war, dass die Madrilenen im Gegensatz zu uns fast nur über Konter gefährlich wurden und aus eigenem Ballbesitz wenig zwingend wurden.
Kurz vor der Pause traf Díaz nach punkt genauem Zuspiel von Gnabry zum wichtigen 1:0, das dafür sorgte, dass wir die erste Halbzeit mit einer hohen Lautstärke beendeten.
Harry Kanes Treffer zum 2:0 20 Sekunden nach Wiederanpfiff löste die Stimmung dann endgültig. Ganze 15 Minuten lang schepperte Rivers of Babylon in einer Lautstärke aus dem Gästeblock, wie wir sie in diesen 90 Minuten kaum noch einmal erreichten. Zu spüren, wie euphorisch und angezündet alle Bayernfans fortan waren, war beeindruckend, denn das Bernabéu war sportlich und akustisch in unserer Hand. Sowohl die Wechselgesänge als auch simples Rufen und Singen liefen sehr stark. Auf dem Platz gab es indes auf beiden Seiten zahlreiche, teils hochkarätige Chancen, die unsere Mannschaft aber oft nicht clever genug zu Ende spielte und Madrid ein ums andere Mal am überragenden Manuel Neuer scheiterte. Einzig Mbappé konnte ihn in der 74. Minute überwinden und sorgte für enorme Anspannung in der Schluss-Viertelstunde. Dabei zeigte sich eine Eigenschaft, die vor allem in der aktuellen Phase noch eine große Rolle spielen könnte: Sowohl Gästeblock als auch Mannschaft ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und versuchten stattdessen noch ein Tor nachzulegen. Genau die richtige Einstellung, wenn man den Anspruch hat, selbst spielbestimmend zu sein und ein Signal nach außen, wie stabil das Gesamtkonstrukt diese Saison ist. Dennoch war die Erleichterung nach Abpfiff groß und die Mannschaft wurde für diese starke Leistung ordentlich gefeiert, wenngleich wir wissen, dass erst die Hälfte gespielt ist. Angesichts des spannenden und hochklassigen Spiels mit dem positiven Ergebnis ließ sich auch die sehr lange Blocksperre bis kurz vor Mitternacht aushalten und der Abend bestens in der Stadt ausklingen.
Mit unserem Auftritt können wir also definitiv zufrieden sein. Das Grundniveau war insgesamt hoch und man merkte den mitgereisten Bayernfans an, wie viel Gier auf den Europapokal-Titel vorhanden ist. Dass es in diesem Spiel auch Phasen gab, in denen die Lautstärke für einige Minuten abnahm, ist angesichts der Spannung absolut nachvollziehbar. Ohnehin ist es schön, wenn es auf dem Rasen richtig um etwas geht. Umso mehr ist es unser Anspruch, in genau diesen Spielen abzuliefern. Der erste Bayern-Sieg im Bernabéu seit 2001 (der Sieg im Elfmeterschießen 2012 gilt in der Statistik als Unentschieden!, Anm. d. Red.) ist somit perfekt und bedeutet einen ersten Schritt in Richtung Halbfinale! Nächste Woche braucht es für den Einzug unter die besten Vier dann aber eine mindestens genauso gute Leistung von Mannschaft und Südkurve. Der Vorteil ist nun auf unserer Seite, nutzen wir ihn!
FC St. Pauli – FC Bayern München 0:5

Jetzt sitze ich nach einem der emotionalsten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte und einer dementsprechend durchzechten Nacht vor dem weißen Words-Dokument und bin innerlich komplett leer. Zu viele Emotionen hat mich das Spiel gestern gekostet. Die La Bestia Negra hat zugeschlagen! Was soll ich jetzt zu einem Bundesligaspiel vom FC Bayern schreiben? Das ist uns doch sowieso wurscht. Wir hol’n dieses Jahr nämlich den CUP!
Aber halt, ganz hoffnungslos ist das Unterfangen glücklicherweise nicht. Denn anstatt nach Wolfsburg oder Augsburg ging es zu unseren Freund*innen nach Hamburg und somit zu einem der besonderen Spiele der Saison. Den Hauptanteil daran tragen unsere Freund*innen von USP und aus der Südkurve Sankt Pauli, die mal wieder jegliche Erwartungen übertroffen haben. Aber von vorn. Anders als in der vergangenen Saison sollte es nicht eine große Party nach dem Spiel geben. Dieses Mal entschieden wir uns dazu, einige gemütliche Stunden vor dem Spiel gemeinsam zu verbringen. Mit etwas Verspätung schlug der Tross in Hamburg auf und wurde dort von einer Delegation von USP empfangen, die uns anschließend in die Südkurve des Millerntors führte, wo richtig fett aufgetischt wurde. Ich denke, da sind definitiv keine Wünsche unerfüllt und keine Mäuler hungrig geblieben. Vielen Dank an dieser Stelle schon mal!
Neben der ganzen Spaß-Freude-Heiterkeit-Stimmung konnte einem an diesem Tage aber auch eher mulmig zumute sein. Heute vor exakt zwei Jahren erreichte uns die Nachricht von Kistes viel zu frühem Tod. Daher hatten unsere Freund*innen eine kleine Gedenkecke vorbereitet, an der wir uns natürlich auch in Form eines Bildes und kleinen Blumengestecks beteiligten. Nach einer gemeinsamen Schweigeminute dominierte dieses Thema dann auch den kurzen offiziellen Teil. Nach einer kurzen Ansprache überreichten wir USP einen Doppelhalter mit den Gruppenlogos und die junge Generation sprach eine Einladung für ein gemeinsames Wochenende in München an den Nachwuchs von USP aus. Die ersten Befürchtungen rufschädigenden Verhaltens wurden schon geäußert und sind vermutlich auch berechtigt.
Pünktlich wurde die Südkurve dann geräumt und es ging in Richtung des Gästeblocks. Dort positionierten sich Teile unserer Gruppe inklusive zweier Vorsänger im Oberrang, was sich dann auch in recht lockeren Platzverhältnissen in unserem Bereich unten bemerkbar machte. Vor Spielbeginn wurde uns dann noch per Spruchband aus der Südkurve viel Glück für das anstehende Spiel gegen Scheiss Madrid gewünscht – sehr coole Geste und gelungene Überraschung, danke dafür! Wie schon im vergangenen Jahr blieb die Stimmung im Gesamten eher hinter den Erwartungen zurück. Daran konnte die breitere Aufstellung leider auch nichts ändern, Hamburg bleibt einfach ein schwieriges Pflaster für uns.
Um ehrlich zu sein, hätte mir das an diesem Tag aber mehr egal sein können. Denn in den unteren Reihen entwickelte sich eine absolute Show und insbesondere einige Ältere baten im Bereich zwischen der ersten Stufe und dem Zaun zum Tanz. Vermutlich haben die meisten um mich herum, genau wie ich, kein einziges der 7 (4? 5? 6?) Tore gesehen und es war den meisten auch herzlich egal. Darf auch mal sein und – manche mögen es kaum glauben – ist gar nicht so sehr an der Tagesordnung bei uns. Ab und zu jubeln wir selbst als Bayern-Fans über Tore, momentan sogar ziemlich häufig, siehe zum Beispiel vergangene Woche in Freiburg. Nur halt eben heute nicht. Welche Lieder wann gesungen wurden, kann ich einige Tage später leider nicht mehr rekapitulieren, interessiert aber die meisten sowieso nicht. Wir hatten dort auf jeden Fall unseren Spaß und das ist am Ende bei solchen Spielen die Hauptsache.
Weniger spaßig zumute ist einem bei den Spruchbändern des heutigen Tages. Das Wichtigste zeigten wir zu Spielbeginn. Parallel zu einer Aktion in der Südkurve gedachten wir heute an seinem Todestag per großem Spruchband Kiste. Für immer unvergessen! Anlässlich der ALERTA Action Days thematisierten wir gemeinsam mit unseren Freund*innen außerdem noch den Rechtsruck in Europa. Solidarische Grüße gingen außerdem noch an einen Bochumer Stadionverbotler.
Der Spieltag nahm sein Ende in einem Park unweit des Stadions, in dem USP uns noch mit Getränken versorgte, ehe es heimwärts ging. Der ein oder andere blieb noch länger und machte gemeinsam mit unseren Freund*innen in deren Räumlichkeiten die Nacht zum Tag. Zum Abschluss bleibt nur ein riesiges Dankeschön nach Hamburg zu richten. Was ihr da wieder auf die Beine gestellt habt, war wirklich das absolute Maximum. Nicht nur am Spieltag, sondern das ganze Wochenende über habt ihr jeden von uns mit offenen Armen empfangen und eine extrem schöne Zeit beschert. Ein weiteres denkwürdiges Wochenende in der Freundschaft zwischen unseren beiden Gruppen. Wie schon mehrmals angeschnitten, stand der Tag aber nicht nur unter einem guten Stern, sondern war auch geprägt von der Erinnerung an diejenigen, die nicht dabei sein konnten. Neben Kiste dachten wir heute besonders an unser verstorbenes Mitglied Kalle, dessen Konterfei zum Ende des Spiels unsere Zaunfahne zierte. Ehre allen verstorbenen Ultras!
FC Bayern München – Real Madrid 4:3
München, 15.04.26 ca. 22:45 Uhr – Luis Diaz schießt aus knapp 18 Metern, ein Madrilene fälscht den Ball ab und kurz darauf zappelt das Netz. Was folgt ist die komplette Eskalation: Fans springen aus der Kurve in den Innenraum, alle fliegen durcheinander, die Freude wird herausgeschrien. Vor kurzem las ich in einem Spielbericht, dass dem Bayernfan ein Jubel über ein Tor nicht abgenommen wird – hier und jetzt hätte sich der Schreiber überzeugen können, dass es auch bei uns geile Torjubel gibt. Ein weiterer Beleg folgte nur fünf Minuten später, vom Innenpfosten fliegt der Ball ins Tor, Spieler und Fans liegen sich in den Armen: der FC Bayern hat mit zwei Siegen Real Madrid aus dem Wettbewerb geworfen.
Aber fangen wir von vorne: selten war ein Spiel so dermaßen aufgeladen wie das Viertelfinale gegen Real. Einer der Unsympathen des europäischen Fußballs, der uns erst vor zwei Jahren auf grausame Art und Weise aus dem Wettbewerb geworfen hat. Somit war der Fokus seit der zweiten Halbzeit gegen Bergamo auf dieser Partie und nach dem Sieg im Bernabeu standen die Zeichen gut, dass wir nach 14 Jahren endlich wieder gegen Real weiterkommen. Um die Wichtigkeit der Begegnung zu unterstreichen, startete die Kurve bereits zum Warmmachen der Spieler und knallte die ersten Gesänge raus. Dabei ließ sich schon erahnen, was an Potential im Stadion steckt. Offensichtlich hatten viele den Rat unseres Trainers befolgt und die Stimme mit Tee und Honig geölt. Wobei ich vermute, die meisten haben doch eher auf Bier zum Ölen der Stimmbänder zurückgegriffen.
Es knisterte im weiten Rund und das lag nicht nur an den ausgelegten Folienstücken – die Leute hatten einfach Bock auf das Spiel und das war im Stadion zu spüren. Sollte es tatsächlich noch eine Person im Stadion gegeben haben, die es nicht gefühlt hat – spätestens als die Choreo in der Südkurve hochging, sollte sich das Gefühl auch beim Letzten eingestellt haben. Das war in meinen Augen ein richtiges Brett und sorgte zumindest bei mir für einen Gänsehautmoment. An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an die Fans, die sich dafür den Arsch aufgerissen haben. Und da das Ganze neben persönlichen Ressourcen auch finanziell einiges kostet, wurden an diesem Abend im Stadion Spenden gesammelt. Sollte es wer verpasst haben, kann man sich gerne auf der Homepage des Club Nr.12 informieren, wie unterstützt werden kann.
Und dann gings los: Mit einem Bayern Echo wollten wir direkt druckvoll in die Partie starten, sahen aber nach 35 Sekunden den Ball schon ins eigene Tor fliegen. Alles wieder auf 0, Hinspielerfolg direkt hergeschenkt. Doch von Resignation keine Spur, die Mannschaft schlug direkt zurück. Und so wild ging es in Halbzeit 1 weiter. Phasenweise erinnerte das Spiel an einen Boxkampf zweier Schwergewichtler, bei dem beide auf die Deckung verzichteten und nur ans Austeilen dachte. Einfach wild, wie es da auf dem Feld zu ging und letztlich ging es mit 2:3 in die Pause. Auch auf den Rängen war es aufgrund des Spiels eher chaotisch. Ab und an wurde die Lautstärke nach oben gedreht, aber der hitzige Spielverlauf sorgte für immer wiederkehrende Unterbrechungen in der Anfeuerung. Fußballatmosphäre herrschte trotzdem, es ist schon auch geil, wenn bei einem Foul von Vini Junior das Stadion am Pfeifen ist.
Etwas weniger chaotisch gestaltete sich dann die zweite Hälfte: unsere Mannschaft übernahm das Kommando auf dem Rasen und wurde dabei von der Kurve, teilweise vom ganzen Stadion nach vorne getrieben. Gerade Rivers of Babylon Mitte der zweiten Hälfte knallte immer wieder gut raus und der Wille war da, dass wir das Ding in 90 Minuten nach Hause bringen. Real blieb durch Konter gefährlich, wir näherten uns dem 3:3 jedoch an. Kurz vor Spielende zündete der Platzverweis für Camavinga das Stadion nochmal an und nur zwei Minuten später legte Musiala den Ball per Hacke ab und der Rest, siehe Einleitung. Einfach nur ausrasten… Das in der Nachspielzeit noch das 4:3 gemacht wurde, war das Sahnehäubchen auf diesem dramatischen, spannenden, emotionalen und magischen Europapokalabend.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die Spruchbänder des heutigen Abends. Das bei großen Spielen von Seiten des Vereins gerne mal ordentlich das Preisniveau angehoben wird, ist bekannt und nicht überraschend. Das wir großes Glück haben, dass wir im Stehplatzbereich auch bei solchen Spielen zu außergewöhnlich günstigen Preisen stehen können, wissen wir selbstverständlich. Dennoch sind die restlichen Preise für ein solches Spiel einfach nicht angemessen. Und dass hier Ticketpreise von 90-200 Euro aufgerufen werden, sehen wir kritisch und die Kritik wurde mit „Ticket price for seats: 90€ – 200€?! The greed has still no limit“ vorgetragen.
Kritisch zu sehen sind auch die Entwicklungen in Frankreich. Meldungen von möglichen oder umgesetzten Gruppenverboten erreichen uns aus dem Nachbarland immer wieder. Aktuell wird unter anderem wieder über ein Verbot der Magic Fans und Green Angels von St. Etienne diskutiert, welches vergangenes Jahr erst abgewendet werden kann. Sich solidarisch zeigen und anderen im Kampf für ihre Freiheit zu unterstützen, gehört für uns zu einem Grundpfeiler unsere Fankultur, weshalb wir „La passion ne se dissous pas – Liberté pour les Ultras francais“ (Die Leidenschaft löst sich nicht auf) zeigten. Auch das letzte Spruchband des Abends fiel unter die Kategorie Solidarität. In Italien gibt es seit kurzem eine Kampagne, die sich für einen gerechteren Fußball einsetzt: „Per un calcio giusto e popolare“.
Das wars für den Abend. Mit den letzten Zeilen geht ein Dank an unsere Freunde und Freundinnen aus Bochum, Jena, Sankt Pauli, Empoli und San Benedetto für die Unterstützung an diesem Abend. Die wirklich letzten Worte gehen an diejenigen, die bei solchen Spiele aufgrund von Stadionverboten nicht bei uns sein können: mit dem Halbfinale wurde euch ein weiteres Spiel geschenkt – hoffen wir, dass Ende Mai nochmal eins dazu kommt und wir gemeinsam in Budapest in der Kurve stehen. Gegen alle Stadionverbote!