SKB Köln 16.05.2026

Vorwort
Paris St. Germain – FC Bayern München
FC Bayern München – Heidenheim
FC Bayern München – Paris Saint Germain
VfL Wolfsburg – FC Bayern München
DFB – freie Meinungsäußerung unerwünscht?!

Vorwort

Servus Bayernfans,

der Traum vom Finale in Budapest, geplatzt wie eine Seifenblase… Und auch eineinhalb Wochen später ist bei vielen von uns vermutlich noch eine gewisse Leere, Traurigkeit und auch Wut vorhanden. Nicht das der Schiedsrichter allein für das Ausscheiden verantwortlich gemacht werden könnten, aber die ein oder andere Situation hätte durchaus anders bewertet werden können. Und wer weiß, wie der Abend läuft, wenn PSG ab Mitte der ersten Hälfte in Unterzahl spielt?  Oder wenn das Tor von Kane fünf Minuten früher fällt? Oder was wäre gewesen, wenn Olise und Diaz nicht ihren gefühlt schlechtesten Tag im Bayern-Trikot gehabt hätten?

Ihr merkt schon, viele Fragen, die uns vermutlich auch in den kommenden Wochen immer wieder durch den Kopf schwirren werden. So blöd es auch klingen mag – auch solche Tage gehören zum Fansein (leider) dazu. Wir können die Uhr nicht zurückdrehen, sondern es gilt, den Kopf nach oben zu nehmen und nach vorne zu schauen.

Denn trotz aller Niedergeschlagenheit, noch haben wir zwei Spiele vor der Brust. Gut, die sportliche Relevanz des heutigen Kicks ist überschaubar. Dennoch sollten wir als Kurve der Mannschaft den würdigen Rahmen für das letzte Bundesligaspiel und der damit verbundenen Übergabe der Meisterschale geben. Die Saison war einfach der pure Wahnsinn und hat uns eine Vielzahl an unvergesslichen Momenten beschert. Allein was wir im April erlebt haben, war unbeschreiblich und wird sich tief in unserem Gedächtnis eingraben: Wir haben Aufholjagden in Freiburg und Mainz erlebt, zwei krasse Abende gegen Real Madrid mit all den Emotionen, die dazugehören. Für viele von uns war das einer der krassesten Monate ihres Fan-Lebens, der viel zitierte Fiebertraum. Und das seit Jahren mit einer Mannschaft, die einem das Gefühl gibt, dass es einfach passt. Innerhalb des Teams und mit dem Trainer und ganz wichtig, zwischen Kurve und Mannschaft – da hatten wir in den vergangenen Jahren ja oft nicht das Gefühl, dass es harmoniert. Wollen wir hoffen, dass die Mannschaft im Kern zusammenbleibt und mit kleinen Ergänzungen im neuen Jahr wieder angreift.

Auch für uns als Kurve gilt es in der neuen Spielzeit weiterhin Gas zu geben. Insgesamt können wir auf eine Saison zurückblicken, in der wir das Niveau bei Heimspielen nochmals leicht anheben konnten und es geschafft haben, eine gewisse Konstanz in die Auftritte der Kurve zu bringen. Ehrlicherweise haben wir aber unser Potenzial bei weitem noch nicht voll und ganz ausgeschöpft. Es gab immer wieder Spiele oder einzelne Momente, in denen wir zeigen, zu was wir als Kurve fähig sind. An anderen Tagen schaffen wir es dagegen gerade so, unserem Anspruch gerecht zu werden. Daran gilt es ab der kommenden Saison weiter zu arbeiten, damit wir gemeinsam die Kurve Schritt für Schritt nach vorne bringen.

Noch ist die Reise diese Saison nicht zu Ende – ein großes Ziel haben wir alle noch: den DFB-Pokal nach München zu holen. Lange ist es her, dass wir als Kurve in Berlin waren, für viele dürfte es sogar das erste Finale in ihrer Fankarriere sein. Da heißt es nächste Woche nochmal alles reinwerfen, auf dem Spielfeld und in der Kurve. Dass uns gegenüber ebenfalls eine große Kurve steht, die an dem Tag als Titelverteidiger ins Olympiastadion kommt, machte das Spiel nochmal einen Tick attraktiver, als es ein Finale eh schon war. Südkurve – alle nach Berlin, alle in Rot und dann holen wir den Pokal!

Und danach wünschen wir euch allen eine erholsame Sommerpause.

Immer vorwärts FC Bayern!

Paris St. Germain – FC Bayern München 5:4

Ich habe lange überlegt, wann ich diese Zeilen zu Papier bringe. Direkt nach der Rückkehr unter den frischen Eindrücken der Begegnung, die wohl ohne große Zweifel das Prädikat Jahrhundertspiel verdient gehabt hätte und bei der wir am Ende zumindest Sieger der Herzen waren, als wir einen drei Tore Rückstand wieder auf ein Tor verkürzten und PSG dann in der eigenen Hälfte einschnürten? Sollte ich im Rausch der Emotionen schreiben, der mich noch die nächsten Tage und eigentlich bis zum Rückspiel begleitete oder vielleicht doch lieber abwarten, ob wir den Titelverteidiger denn auch sicher rausgeworfen haben und falls nicht, einen dementsprechend nüchternen Text verfassen.

Der große Traum, für den die Mannschaft, wie in unserer Choreo gefordert, wirklich alles gegeben hat, wenn man vielleicht mal von den 10 Minuten nach der Halbzeit absieht, als PSG kurz auf 5:2 einteilte, hatte sich in mein Hirn gefressen. Er bestimmte die Woche und die Euphorie, die ich spürte, hätte sich im Text niederschlagen können. Sie hinderte mich aber auch gleichzeitig daran, für so etwas Triviales wie einen Spielbericht die Muße aufzubringen. Deshalb sitze ich jetzt hier mit dem Dilemma zu wissen: “Es hat nicht gereicht” und trotzdem noch schriftlich Zeugnis ablegen zu müssen, was – nun ja – nur bedingt spaßig ist und wo ich auch recht schnell merke, wie ich mit Worten dem Erlebten auch nicht so gerecht werden kann. Allein die atemberaubende Leistung unserer beiden Außenstürmer müsste man eigentlich in Buchform festhalten und auch die emotionale Berg- und Talfahrt, die wir während dem Spiel durchmachten, böte Stoff für mehrere Kapitel. Vielleicht halte ich es deshalb einfach kurz und hoffe, dass der amerikanische Ausdruck “It’s been a hell of a ride”, es einfach genügend beschreibt. Es war ein unfassbares Privileg bei diesem Spiel vor Ort gewesen zu sein 

Über den Verein PSG ist sicher genug bekannt, und wessen geistiges Kind seine Besitzer sind, war erst wenige Tage vorher wieder offensichtlich geworden als Nantes-Fans per Spruchband die Verquickung von PSG, Ligaverband und TV-Rechteinhaber in Form katarischer Gasdollars und der Person Nasser al-Khelaifi kritisierten. Die wurden für eine Meinungsäußerung, dass die Liga PSG durch Spielverlegungen Wettbewerbsvorteile einräumen würde, vom Pariser Ordnungsdienst angegriffen. Trotzdem schafft es PSG aus der fußballbegeisterten Jugend der Stadt zwei Fankurven zu rekrutieren, über die man sicher seine Meinung haben kann, die aber zweifelsohne ein bockstarke Fußballatmosphäre kreieren können und auch an diesem Dienstag einen Hexenkessel schafften, wie er im Europapokal der Landesmeister nicht mehr alltäglich ist. Vielleicht deswegen ist PSG auch noch einer der umgänglicheren Vereine, was die Mitnahme von Fanmaterialien angeht und ermöglichte z. B. die Durchführung einer kleinen Auswärts-Choreo. 

Einschränkungen, die wir bei uns kennen, hat die Heimseite bei der Umsetzung ihrer künstlerischen Ideen wohl auch weniger als wir. Mit drei riesigen Blockfahnen über drei Tribünen zur Eroberung Europas aufrufen, da würde in München die Feuerwehr so dermaßen einen Herzkasper bekommen und das nicht, weil die Message vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte doch etwas negativer besetzt sind als die Koalitionskriege zwischen 1792 und 1815, als verschiedene europäische Staaten gegen das neuerdings republikanische Frankreich kämpften. Aufgrund der zentralen Rolle des kleinen Korsen sind diese Kriege bei uns auch als republikanische Kriege bekannt, die zeitweise auch revolutionäre Errungenschaften nach Bayern brachten. Das Gemälde einer Schlacht bei Arcole in der Nähe von Verona diente den PSG-Ultras als Vorlage für ihre Choreo. Napoleon stürmt über eine Brücke und besiegt die roten österreichischen Truppen. 

Mit dem Sieg für Paris sollten sie leider recht behalten, aber weder die Mannschaft noch der Gästeblock brauchen sich große Vorwürfe machen. Natürlich sollte man als europäische Spitzenmannschaft keine fünf Gegentore bekommen, nie, gegen keinen Gegner. Aber es war einfach eines dieser Spiele, in das beide Seiten mit offenem Visier gingen und sich mit Verlaub gesagt einfach gegenseitig in die Fresse schlugen. Ein Spektakel für uns Fans, die das Spiel aus unserem kleinen Sektor lautstark begleiteten und wir uns sicher nicht nur vereinzelt Gehör verschaffen konnten. Erstmals seit PSGs Rückkehr in die europäischen obersten Sphären des Fußballgeschäfts konnten wir dabei auf den Tribünen personell aus dem Vollen schöpfen. Der Funktionsträger, der bisher dafür sorgte, dass das Gästekontingent nicht ausgeschöpft werden durfte und ca. 400 Plätze frei bleiben mussten, wurde wegbefördert, so dass wir von PSG erstmals wieder die eigentlich vorgeschriebenen fünf Prozent an Eintrittskarten bekamen.

Und trotz der Niederlage machten sich 2500 Bayernfans nach dem Spiel frohen Mutes auf den Heimweg. In der Sicherheit, dass wir den Schwung der letzten halben Stunde im Rückspiel würden mitnehmen können, dass wir es geschafft hatten, der Moral der Pariser einen ernsthaften Knacks zu versetzen, dass wir mit unserem Stadion im Rücken den kleinen Rückstand wettmachen können und das für uns Fans nach 13 Jahren in Budapest wieder einmal ein Finale und für mehr als eine ganze Fangeneration ihr erster Henkelpott warten könnte. Am Ende kam es anders. Schade, aber das Erlebte nimmt uns trotzdem keiner. Ein Sieg im Bernabeu, eine der emotionalsten Partien in Fröttmaning gegen Real und auch dieses Halbfinale für die Geschichtsbücher.

IMMER VORWÄRTS FC BAYERN

Bilder aus Paris

FC Bayern München – Heidenheim 3:3

Aiaiaiai, was sind das für verrückte Wochen? Seit dem Last Minute Sieg in Freiburg Anfang April geht es in gefühlt jedem Spiel drunter und drüber, Spiele mit sechs Toren oder mehr sind eher die Regel als die Ausnahme. Mit den elf Jungs, die da unten auf dem Rasen stehen, sind aber – wie wir die letzten Wochen gesehen haben – auch Rückstände kein Problem. So kann ein Ausgleichstreffer eben wie heute auch mal mit einem „Wir gewinnen sowieso“ gefeiert werden. Und das Spiel gegen den FC Heidenheim dürfte ja sowieso die wenigsten heute interessiert haben. Die Meisterschaft haben wir in der Tasche und alle Augen richten sich nur auf das kommende Halbfinale gegen die Franzosen. Ich habe das Gefühl, wir wiederholen uns gerade etwas in den Spielberichten. Aber die ganzen Bundesligaspiele sind uns halt gerade einfach komplett scheissegal, das Ziel ist klar und die Leute haben Bock. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Berichtes seid ihr alle schon etwas schlauer als ich, weshalb ich mich mit den großen Final-Ansagen mal lieber zurückhalte. Diese Mannschaft stimmt mich aber absolut zuversichtlich. 

Zurück zum Pflichtprogramm. Bei strahlendem Sonnenschein hatte ich den Eindruck, dass sich heute der ein oder andere ein Bier mehr als sonst genehmigte und das Spiel insgesamt eher lockerer angegangen wurde. In diesem Fall auch nicht weiter tragisch, finde ich. Das trug zumindest dazu bei, dass die Lieder heute recht locker von den Lippen gingen und wir uns selbst mit einem entspannten Samstagnachmittags-Auftritt beschenkten. Daran hatte heute auch die aus meiner Sicht gelungene Liedauswahl ihren Anteil und ein, zwei länger nicht gesungene Lieder fanden ihren Weg zurück auf die große Bühne. Hatte ich ursprünglich doch mit einem eher zähen Spieltag gerechnet, wurde ich somit glücklicherweise Lügen gestraft und die Leute hatten Lust, gemütlich vor sich her zu singen. 

Eingeleitet wurde die Partie außerdem durch ein großes Spruchband anlässlich des Aktionsspieltags der Fanszenen Deutschlands. Dafür wurde nochmals klar gemacht, was zumindest dem aufmerksamen Beobachter auch die letzten Monate nicht entgangen sein dürfte. Wir lassen uns nicht spalten – Innenminister: Feinde der Fankultur.

Weitere Spruchbänder sendeten Grüße an einen neuen Stadionverbotler und befassten sich mit der großen Aktion zugunsten der DKMS, die vor dem Spiel durchgeführt worden war und den ein oder anderen Euro sowie neuen (potenziellen) Spender generiert hat. Zeitgleich zeigten auch die Gäste ein thematisch passendes Spruchband – danke dafür, sowie ein großes Danke an alle Helfer*innen.

Zu Spielende schallte dann der Gassenhauer aus Mainz wieder durch die Arena. Die Marschrichtung ist klar: wir hol’n den Europacup. Dies wurde dann auch nochmal den Spielern mitgeteilt, sowie per Spruchband das Stadion dazu aufgefordert, am Mittwoch in Rot zu erscheinen. Geh ma‘s an! Danke auch heute wieder an alle anwesenden Freund*innen. Sorry nach Hamburg, dass unsere Mannen heute wieder mal gegen euch gespielt haben. 

Die Fotos vom Spiel

FC Bayern München – Paris Saint Germain 1:1

Spätestens nach dem Spektakel im Hinspiel in Paris war klar: Dieses Rückspiel in München könnte alle unsere bisherigen Halbfinal-Erlebnisse in den Schatten stellen. Die Spannung unter den Bayern-Fans, aber auch in der Stadt, war seit Tagen greifbar, die Erwartungen an die Partie waren enorm, nicht nur sportlich, sondern auch aus Fan-Sicht. Hatte Vincent Kompany direkt nach Abpfiff des Hinspiels dazu aufgefordert, nur ins Stadion zu kommen, wenn man sich ganz fit fühle, riefen wir ergänzend bereits im Vorfeld zum Motto „Alle in rot!“ auf. Diesmal schloss sich der Verein uns mit der Aufforderung an – und nicht wie im Viertelfinale andersherum. 

So groß die Vorfreude auf dieses Spiel auch war, so schmerzhaft ist das Ergebnis, das unser Ausscheiden aus dem Europapokal bedeutet. Zwar war die Ausgangslage schwer, einen Sieg mit zwei Toren Vorsprung für ein direktes Weiterkommen einzufahren. Sie schien angesichts der vier erzielten Tore in Paris aber alles andere als unmöglich. Dementsprechend energetisch war die Atmosphäre im Stadion weit vor Anpfiff. Schon vor dem Warm-Up der Spieler stimmte das Stadion erste Gesänge an und als die Mannschaft den Rasen betrat und die Lieder von den Vorsängern angestimmt wurden, war die Magie eines Halbfinal-Rückspiels in aller Deutlichkeit spürbar. Auch die Choreo über die drei Ränge der Südkurve schien wie gemalt für einen großen Abend: Hinter dem Spruchband „Schießt uns ins Finale!“ zeigten wir einen Spieler, der gerade zum Schuss ansetzte. Die zwei kleinen Risse in Teilen der Folie im Mittelrang fielen im Gesamtbild zum Glück nicht groß auf, etwas ärgerlich sind sie dennoch.

Die Lautstärke zu Spielbeginn war brachial, das Bayern-Echo schepperte förmlich durch die Arena. Die Energie war beeindruckend, wurde durch das frühe 0:1 aber leider gebrochen. Bei allem Optimismus und Vertrauen in unsere Offensive war ein Rückstand das denkbar schlechteste Szenario. Er hatte zur Folge, dass das Stadion das gesamte Spiel über nicht mehr zur Wucht vor dem Gegentor fand. Ja, es gab sehr starke Phasen, gerade nach guten Angriffen, aber den letzten Peak erreichten wir schlicht nicht mehr. War gerade in der ersten Halbzeit die Beteiligung von Haupt- und Gegengerade noch sehr gut, fiel diese nach dem Seitenwechsel nach und nach ab. So war das an diesem Abend zurecht oft gesungene „Auf geht’s Bayern, schießt ein Tor!“ der einzige Gesang, den das ganze Stadion mittrug. In der Kurve hingegen hatte ich über weite Strecken einen guten Eindruck auf unsere eigene Aktivität. Umso bitterer, dass sich diese Energie im Spielverlauf immer weniger auf den Rest des Stadions übertrug.

Auf dem Platz sah man der Mannschaft die großen Bemühungen um die benötigten Treffer an. Sie lief nahezu ununterbrochen an, es fehlte an diesem Tag aber am finalen Durchsetzungsvermögen. Und wer weiß, vielleicht hätte die eigentlich fällige gelb-rote Karte gegen Paris ein ganz anderes Spiel ermöglicht. Den Spielern kann man das kaum zum Vorwurf machen, sie bissen förmlich und kämpften, die Pariser Defensive blieb aber fehlerfrei. So kam Harry Kanes Treffer in der Nachspielzeit zum 1:1-Ausgleich zu spät, wenngleich das Stadion dadurch noch zwei sehr gute Minuten hinlegte. Mit Abpfiff setzte eine große Stille ein, leere, traurige Blicke richteten sich auf das Spielfeld. Dort sammelte sich die sichtlich niedergeschlagene Mannschaft und kam mit dem Trainer vor die Südkurve. Diese applaudierte ihr aufmunternd und anerkennend für einen großen Kampfgeist und erhob anschließend die Schals. Dieses „Immer vorwärts FC Bayern!“ war mit Sicherheit eines der emotionalsten, das uns über die Lippen kam. Und dennoch zeigte es die starke Verbindung zwischen Kurve und Mannschaft. Schließlich leiden in diesem Moment beide Beteiligten gleich stark.

Was bleibt nun nach diesem so schmerzhaften Ende der Triple-Träume? In erster Linie eine große innerer Leere. Eine riesige Enttäuschung über das Ausscheiden und Kopfschütteln über manche Schiedsrichter-Entscheidungen. Natürlich waren letztere nicht allein für unser Scheitern an Paris verantwortlich, aber dass der Schiedsrichter mindestens einmal deutlichst, womöglich spielentscheidend daneben lag, gehört auch zur Wahrheit. Gleichzeitig sind wir unfassbar stolz auf unsere Mannschaft und den Trainer. Was wir in dieser Europapokal-Saison erleben durften, war höchstes Niveau. Tore fast wie am Fließband, keine Heimniederlage, spielerische Klasse, zwei Siege gegen Real Madrid. Und vor allem: ein Team, das als Einheit auftritt und spielt, einen unbändigen Willen und enorme Identifikation mit dem Verein aufweist und es verdient hätte, ins Finale einzuziehen. Natürlich war es in diesem Rückspiel gegen Paris in Summe etwas zu wenig, aber: die Konstellation Mannschaft, Trainer, Fans ist so gefestigt, dass ein Triumph im Europapokal die nächsten Jahre in meinen Augen eine logische Folge des unter Vincent Kompany eingeschlagenen Weges wäre. Genau diesen Spirit sollten wir mit in die nächste Saison nehmen. Auch wenn das Ausscheiden noch eine ganze Weile enorm schmerzen wird: Das Potenzial ist momentan so groß, dass wir auch nächstes Jahr wieder voll angreifen werden. Mit einer geschlossenen Mannschaft, einem herausragenden Trainer und uns: einer Kurve, die vorangeht, Emotionen transportiert und eines nie vergessen wird: den Glauben an die eigene Stärke – bei großen Triumphen und schmerzlichen Niederlagen.

Bilder vom Spiel

VfL Wolfsburg – FC Bayern München 0:1

Letztes Auswärtsspiel der Saison, zum letzten Mal nach Wolfsburg?! Die Hoffnung hatten viele von uns ab circa Anfang / Mitte März. Zu diesem Zeitpunkt verloren die Wölfe einige Heimspiele gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf und es schien, als wäre der Weg in Liga 2 vorgezeichnet. Ein paar Spieltag später waren die Vorzeichen etwas anders, zumindest die Relegation ist für die Gastgeber wieder realistisch und wir kamen somit nicht zur großen Abschiedsparty. Fraglich jedoch, ob wir gute Partygäste gewesen wären – in Feierlaune waren im Gästeblock die wenigsten, die Euphorie der letzten Wochen war weg. Das Ausscheiden gegen PSG war noch bei allen sehr präsent und ehrlicherweise die Lust auf den Kick sehr überschaubar. Da das Leben bekanntlich kein Wunschkonzert ist, blieb nichts anderes übrig, als zu versuchen, aus dem Kick das Beste zu machen. Auch wenn das nicht half, gab es zumindest Aperol in 1-Liter-Becher.

Wie im Vorjahr verteilten sich die Gruppen der Südkurve über den Steh- und Sitzbereich des Unterrangs. Wie zu erwarten gingen die Gesänge nicht ganz so locker von den Lippen und es hatte ein bisschen was von Dienst nach Vorschrift. Um zumindest etwas Abwechselung in den Ultrashaufen zu bringen, wurde mal ein bisschen tiefer in die Liederkiste gegriffen. Waren die vergangenen Wochen oft sehr spielfokussiert und wir haben unzählige Male versucht, ein Tor herbeizusingen, war das alles ein wenig losgelöster vom Geschehen auf dem Rasen. So wurde nach einer halben Ewigkeit (genauer gesagt nach 18 Spieltagen) mal wieder Umbrella gesungen, was erstaunlich gut geklappt hat. Erstmals seit Bergamo erklang zudem der Song „Ja sie nehmen unseren Freunden ihre Freiheit“, um die Diffidati am Ende der Saison mal etwas ausgiebiger hochleben zu lassen. Verdient haben sich die Jungs, die trotz Stadionverbots immer dabei sind. Sie sind und bleiben ein wichtiger Teil der Südkurve! Ihr merkt, der Fokus wurde an dem Tag ein wenig mehr auf uns selbst gelegt. Dass das jetzt kein erinnerungswürdiger Auftritt war – an so einem Spieltag auch mal egal. 

Ähnlich wirkte das Auftreten der Mannschaft: über einen Rückstand zur Halbzeit hätte sich niemand beschweren dürfen, wobei die größte Chance in den ersten 45 Minuten doch wir selbst hatten. Kane vergab aber den ersten Elfmeter in der Bundesliga, was vor allem auf Wolfsburger Sabotage zurückgeführt werden kann (wurde mir zumindest berichtet). In der zweiten Hälfte steigerten sich die Spieler auf dem Rasen und ein Traumtor von Olise ließ den Gästeblock kurz jubeln und die Abstiegssorgen der Gastgeber zumindest nicht geringer werden. Diese haben am letzten Spieltag ihr Abstiegsfinale gegen unsere Freunde von Sankt Pauli. Aber ich denke, die meisten kennen die Tabelle und beim Lesen der Zeilen wisst ihr auch schon, wer nächstes Jahr in Liga 2 spielen wird.

Bevor mein persönlich kürzester SKB-Spielbericht endet, noch paar Worte zur Heimseite: Trotz der sportlichen Situation hatte die heimische Fanszene an dem Tag ordentlich was zu feiern. Nach fast einem Vierteljahrhundert kehrt der VfL zu seinem Zinnenwappen zurück. Ohne jetzt sehr tief in der Materie zu sein, war das in den letzten Jahrzehnten ein Thema, das im Zusammenhang mit Wolfsburg immer wieder präsent war. Klar, WOB (Verein und Fanszene) wird oft belächelt, doch wenn Ultras einen jahrzehntelangen Kampf gewinnen, ist das immer positiv. Daher an dieser Stelle Glückwunsch an die dortige Fanszene, dass die Rückkehr erreicht wurde. Das war von außen betrachtet für die Leute ein krass emotionales Ding. Das war jetzt aber auch genug zu den Wölfen und ich hoffe immer noch, dass ich in meinem Leben nie wieder herkommen muss.

Ein Dank für die Unterstützung geht an die Südkurve Jena und wir drücken alle die Daumen, dass die Lok-Schweine nochmal patzen und Jena im Derby die Meisterschaft klarmacht.

Fotos aus Wolfsburg

DFB – freie Meinungsäußerung unerwünscht?!

Wer die letzten Jahre hin und wieder einen aufmerksamen Blick auf unsere Südkurve richtete, konnte dort regelmäßig Spruchbänder zu gesellschafts- oder fanpolitischen Belangen erblicken. Mal geht es um rassistische Entgleisungen von CSU-Politikern, mal wird der FIFA Präsident Infantino und seine korrupte Kaste dafür kritisiert, dass sie unseren Volkssport Fußball an den Meistbietenden verhökern. 

Diese Kritik wird, wie auch andere Äußerungen, von unserer Verfassung geschützt. Und das mit gutem Grund: bei der Meinungsfreiheit handelt es sich um eines der wichtigsten Güter in einer Demokratie. Sie ermöglicht einen freien öffentlichen Diskurs und damit einhergehend die freie Meinungsbildung eines jeden Einzelnen. Dabei sind nicht nur Meinungen geschützt, die so auch in einem wissenschaftlichen Seminar formuliert werden könnten, sondern gerade auch plumpe und scharfe Aussagen. 

Naturgemäß stoßen unsere Spruchbänder bei Verbandsfunktionären und dem ein oder anderen Adressaten nicht unbedingt auf Gegenliebe. Wer wird schon gerne in aller Öffentlichkeit kritisiert? Zudem können wir so auch öffentliche Aufmerksamkeit für gewisse Vorhaben erzeugen, die die handelnden Personen vielleicht lieber im stillen Kämmerlein durchgedrückt hätten. Die Möglichkeit, seine Meinung frei – auch in einem Fußballstadion – zu äußern, ist nun in Gefahr.

Im Schatten der aktuellen Diskussionen rund um die anstehende Innenministerkonferenz hat der DFB Anfang des Jahres in aller Stille ein paar Veränderungen in seinen Statuten vorgenommen. Genauer gesagt handelt es sich um zwei Stellen in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB. Dort wird unter anderem definiert, in welchen Fällen ein Spieler, Funktionär oder auch ein Verein für das Fehlverhalten seiner Fans bestraft werden kann. Bis vor kurzem war das der Fall bei demjenigen, der „die Menschenwürde einer Person oder einer Gruppe von Personen durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen oder Handlungen in Bezug auf Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Religion, Behinderung, Alter, geschlechtliche oder sexuelle Identität verletzt oder sich auf andere Weise rassistisch und/oder menschenverachtend verhält“. So weit so gut.

Dieses Fehlverhalten wurde zum 01.01.2026 allerdings um ein paar wenige, aber umso folgenreichere Worte ergänzt. So sollen in Zukunft auch verunglimpfende Aussagen in Bezug auf „politische oder sonstige Anschauung[en]“ bestraft werden können. Das mag auf den ersten Blick wie eine trockene Formalie wirken, kann unter Umständen aber große Wirkung entfalten. Denn der unscharfe Begriff der Anschauung kann bei entsprechender Auslegung eigentlich so gut wie alles bedeuten. Ist die Sicht auf die Verbände und deren Benennung als Mafia nicht auch schon eine (verunglimpfende) Anschauung? Beim Blick auf den Wortlaut der Statutenänderung alles andere als ausgeschlossen. 

Der DFB schafft sich beziehungsweise seiner Sportgerichtsbarkeit somit einen Hebel, wie in Zukunft Meinungsäußerungen in den Kurven massiv sanktioniert werden können. Denn ein Blick auf die zweite Stelle der Rechts- und Verfahrensordnung zeigt, was potenzielle Konsequenzen sein können: „Richtet sich das Vergehen gegen Spieler, Schiedsrichter, Trainer, andere Funktionsträger eines Vereins oder eine andere Person, die während eines Spiels eine offizielle Funktion ausübt, kann eine Höchststrafe von bis zu € 5.000.000,00 verhängt werden.“ Während die Personengruppe rund um die Aktiven auf und neben dem Rasen relativ klar definiert ist, lässt der zweite Teil einige Fragen offen. Wer sind denn eigentlich Personen, die während eines Spiels eine offizielle Funktion ausüben? Sind Verbandsfunktionäre nicht auch in ihrer offiziellen Position vor Ort? Sind diese in Zukunft also geschützt vor scharfen Spruchbändern aus den Kurven?

Die Kirsche auf der Torte ist eine weitere Neuerung: auch Diskriminierung aufgrund der „sozialen Herkunft“ ist seit Anfang Januar strafbar. Hier gibt der DFB gegenüber der SZ selbst zu, dass Aussagen wie „Scheißmillionär“ gegebenenfalls sanktionierbar wären. 

Und ganz generell: Fünf Millionen Euro Strafe übersteigt die bisherige Maximalstrafe von 150.000€ um ein Vielfaches. Derartige Beträge könnten manche Vereine an den Rand ihrer Existenz bringen und somit einen chilling effect erzeugen. So könnten Anhänger klammer Vereine in Voraussicht auf die zu leistende Geldstrafe in vorauseilendem Gehorsam ihre Kritik unterlassen, um so ihren Verein zu schützen. Auch die Vereine selbst könnten so gezwungen werden, ihren Fans Meinungsäußerungen zu verbieten. Wieder einmal versuchen die Verbände, einen Keil zwischen die Vereine, aktiven Fanszenen und normale Fans zu treiben.

Wohlgemerkt handelt es sich dabei nicht um gesetzliche Veränderungen durch die Repräsentanten des Volkes, sondern um eine sowieso schon höchst fragwürdige Paralleljustiz des DFB. Denn es ist ja mitnichten so, dass im Stadion alles gesagt werden darf, was einem so durch den Kopf schießt. Dies mussten wir im Nachgang an unser Spiel in Hoffenheim kurz vor Corona in diversen juristischen Auseinandersetzungen am eigenen Leib erfahren. Genau hier liegt aber der entscheidende Unterschied: Der feine Ehrenmann Hopp hat sich durch unsere Spruchbänder beleidigt gefühlt und dementsprechend Anzeige erstattet. Anschließend konnten sich dann ordentliche Gerichte damit beschäftigen, wer denn nun im Recht sei. Die Strafen des DFB hingegen sind Bestrafungen eines privaten Akteurs, die völlig parallel zum eigentlich geltenden Strafsystem dieses Landes laufen. Absurde Strafsummen und Konsequenzen, die niemals Ergebnisse eines normalen Prozesses vor einem ordentlichen Gericht gewesen wären, stehen hier im Raum. Dies gibt der DFB auf genannte Nachfrage der SZ sogar ganz offen zu: „Der DFB als Verband kann daher auch Sachverhalte vereinsrechtlich sanktionieren, die (noch) nicht strafbar oder sogar erlaubt und von der Meinungsfreiheit gedeckt sind.“ Die Paralleljustiz des DFB sowie der Regionalverbände sieht sich insbesondere im Hinblick auf Pyrostrafen schon seit längerem massiver Kritik durch Fans und auch Vereine ausgesetzt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich daher auch gerne mal die Website der Initiative „Strafen zünden nicht – Verbandsstrafen abschaffen“ näher ansehen: https://verbandsstrafen-abschaffen.de/

Der Fairness halber muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die ganze Farce nicht (alleine) die Idee des DFB war. Vielmehr wurden die Veränderungen im Fifa-Rat entschieden, der somit Vorgaben für die nationalen Verbände geschaffen hat, die diese auch umsetzen müssen. Dies aber natürlich auch nur im Rahmen der gültigen Gesetze sowie insbesondere der Verfassung. Dies sehen im übrigen auch der ehemalige langjährige Vorsitzende des DFB-Bundesgerichtes sowie dessen Nachfolger so. Bei einer Kollision von Satzungs- und Verfassungsrecht genieße letztere Vorrang. Fraglich, wieso der DFB sich dann derart den Vorgaben der FIFA beugt. So ganz klar scheint es ihm selbst nicht zu sein – oder möchte er der Öffentlichkeit vielleicht auch einfach nur etwas vorgaukeln? So antwortete der Verband auf die Nachfragen der SZ, dass „politische Botschaften“ ja schon seit Jahren verboten wären. Wenn sich also inhaltlich angeblich gar keine Veränderungen ergeben sollen, stellt sich die Frage, weshalb dann überhaupt eine Änderung der Statuten vonnöten war.

Es kann sein, dass der DFB seine neuen Werkzeuge in der Tasche lässt und diese nicht Teil der (sowieso schon höchst fragwürdigen) Strafenpraxis werden. Genauso gut ist aber möglich, dass – gerade im Hinblick auf die sich verschärfende gesellschaftliche Stimmung gegenüber Fußballfans, heraufbeschworen durch law and order Fetischisten in Behörden und Politik – bald schon Kritiker der (Fußball-)Eliten mundtot gemacht werden könnten. Für uns ist aber klar: wir lassen uns nicht den Mund verbieten. Verbandsstrafen abschaffen – jetzt erst recht!