Vorwort
FC Bayern München – Union Saint-Gilloise
FC Bayern München – FC Augsburg
PSV Eindhoven – FC Bayern München
Hamburger SV – FC Bayern München
NEUE AUSGABE DES KURT! MAGAZINS
Vorwort
Servus Bayernfans,
kein Bundesligasieg seit dem letzten Vorwort, gegen Augsburg setzte es sogar die erste Saisonniederlage. Sehr ärgerlich und aufgrund der Ergebnisse der nächsten Verfolger ist der Vorsprung kleiner geworden. Um mögliche Zweifel zu beseitigen, wäre ein Sieg gegen den Tabellendritten heute wichtig. Dass sich auf Rang drei das Spielzeug von Diddi Hopp befindet, ist eh schon nervig. Mittwoch steht mit dem Pokal-Viertelfinale ebenfalls ein Heimspiel an, mit RB kommt sogar ein noch größeres Übel zu uns als heute. In diesem Spiel kann es nur ein Ziel geben: Gewinnen und das Ticket fürs Halbfinale buchen!
Die Gruppenphase im Europapokal wurde sehr souverän beendet, mit sieben Siegen wurden wir Zweiter, die ungeliebten Playoffs konnten dadurch vermieden werden. Was im Europapokal ebenfalls unbeliebt ist: Partien gegen deutsche Teams. Dass die Wahrscheinlichkeit auf ein deutsches Duell im Achtelfinale gerade bei mindestens 50% liegt, sind keine rosigen Aussichten für die Spiele im März. Wollen wir hoffen, dass es doch irgendwie Piräus oder Bergamo wird…
Aus Kurvensicht war die Partie gegen Augsburg ein typisches, durchschnittliches Heimspiel. Wäre das vor Jahren noch in Ordnung gewesen, steigen natürlich die Ansprüche und der Durchschnitt kann nicht unser Ziel sein. War es in Eindhoven dann wieder ganz gut, folgte in Hamburg eine Enttäuschung. Auch wenn optisch alles gut gepasst hat, der gesangliche Part war ausbaufähig. Ehrlicherweise bringen die vielen, schönen Videos und Bilder wenig, wenn die Stimmung nicht dem entspricht, was wir von uns selbst erwarten. Aber gut, Mund abwischen und weitermachen. Kommen wir nochmal zum heutigen Spieltag.
Seit vielen Jahren beteiligen wir uns am Erinnerungstag im deutschen Fußball, welcher seit dem 27. Januar 2004 rund um den Befreiungstag des Konzentrationslagers Auschwitz stattfindet. Damit treten wir für eine würdige Gedenkkultur an die Opfer des Nationalsozialismus ein und erinnern auch an Vereinsmitglieder des FC Bayern, die von den Verbrechen der Nazis betroffen waren.
Auch heute tun wir dies in Form einer Choreografie, welche an Münchner mit jüdischen Wurzeln erinnert, denen nach der Reichspogromnacht 1938 das Sporttreiben und somit auch das Fußballspielen auf öffentlichen Sportplätzen untersagt wurde. Eine freie Fläche am Neuen Israelitischen Friedhof wurde schließlich von ihnen als Sportplatz genutzt, um sich zeitweise dem gesellschaftlichen Ausschluss zu widersetzen und hinter der Friedhofsmauer dem Fußballsport nachzugehen. Unter ihnen war mit Ernst Rudolf Beer auch mindestens ein Jugendspieler des FC Bayern.
Im November 1941 fand der Spielbetrieb hinter den Friedhofsmauern dann ein jähes Ende. Am 21. November 1941 verließ der erste Deportationszug München in Richtung Kaunas. Tage später, am 25. November 1941, wurden die Insassen dort von SS-Schergen hingerichtet. Unter ihnen befand sich auch der frühere Jugendspieler des FC Bayern, Ernst Rudolf Beer, mit seiner Familie.
NIE WIEDER!
FC Bayern München – Union Saint-Gilloise 2:0

Wie es dazu kam, dass dieser Kick heute nicht einfach ein recht bedeutungsloses Spiel der Vorrunde war, sondern zumindest für uns als Fankurve ein Spiel unter besonderen Vorzeichen, ist ja hinlänglich bekannt. Die Sanktionspolitik der UEFA, die sich gezielt gegen Vereine mit organisierten Fanszenen richtet und darauf abzielt, die Wettbewerbe von einem weiteren unkontrollierbaren Einfluss zu säubern, stand dabei im Vorfeld in unserem Fokus. Sich diesem Angriff auf unsere Kurve und unsere Art, das Spiel zu verfolgen einfach fügen zu müssen, wollten wir auf jeden Fall vermeiden. Allerdings sind die Gegebenheiten bei uns durchaus so, dass wir auch unattraktive Optionen diskutieren mussten und ein Auftritt der Kurve nicht garantiert war.
Gedanken, wie wir zumindest den Schaden für unbeteiligte Südkurvengänger möglichst gering halten können und zum Beispiel durch einen bewussten Verzicht auf den eigenen Jahreskarten-Platz Kapazitäten bei der Vergabe der Restkarten in den nicht gesperrten SK-Blöcken zu schaffen, waren hinfällig, als der Verein sich entschloss, auch die restlichen Stehplätze im Unterrang zu schließen und auf die entsprechenden Einnahmen zu verzichten. Organisatorische Gründe waren hier wohl eher vorgeschoben, stattdessen war es wohl eher eine Art spalterischer Schachzug, um in der Fanbasis ein wenig Stimmung gegen uns zu schüren. Gab freilich auch Fans, die bereitwillig auf diesen Wagen aufstiegen. Some things change, some things stay the same.
Da das Spiel allerdings sonst keinen müden Hund hinter dem Ofen hervorzulocken schien, reiften bei uns parallel Pläne für einen Auftritt im Oberrang und es wurden breitflächig Tickets dort zusammengesucht. Tut im Geldbeutel weh, aber im Ringen mit der UEFA müssen Opfer gebracht werden. Einerseits für ausgewählte Blöcke, andererseits auch für zusammenhängende Tickets in anderen Stadionbereichen. Für uns war klar, dass wir einen Auftritt gestalten wollen, der für die Karteninhaber und -inhaberinnen in diesen Bereichen möglichst wenig Unannehmlichkeiten bedeutet. Deshalb richteten wir vor den Blockeingängen mobile Tauschbörsen ein, um Fans Alternativen bieten zu können, wenn sie keinen Bock auf Kurventreiben im Oberrang hatten. Uns wurde größtenteils mit viel Verständnis begegnet, entweder das Tauschangebot aufgenommen oder sich sogar gefreut, dass heute im dritten Rang mal was los sein würde. Klar wird es auch Leute gegeben haben, die sich den Abend anders gewünscht haben und uns dort oben nicht haben wollten, so ehrlich muss man auch sein. Wir haben versucht, ein Angebot zu machen, zum Tausch zwingen konnten und wollten wir niemanden. Wir bedanken uns aber bei allen Bayernfans für das Verständnis und Entgegenkommen!
Aus der ungewohnten Vogelperspektive zeigten sich nicht nur die Stufen der Südkurve verwaist, sondern auch so ließen sich auch nach Spielbeginn noch viele freie Plätze entdecken. Wenn mit 66.000 ausverkauft vermeldet wurde, kann man sicher nochmal von 10 Prozent No-Shows ausgehen. Mehr als 60.000 Leute waren an diesem bitterkalten Abend sicher nicht da. Wobei das eigentlich schon eine komplett irre Zahl ist, wenn man bedenkt, dass die günstigste Sitzplatz-Tageskarte bei einem Fuffi startet. Im Oly wären heute keine 20.000 da gewesen. Die Gäste hatten wir heute mal auf Augenhöhe. Die Königlichen aus dem Brüsseler Umland waren mit Mann und Maus angerückt. Als Verein, der sich bis 1965 belgischer Rekordmeister nennen konnte, dürfen sich die Blau-Gelben das Label “Tradition” sicher mit Berechtigung anheften. Nach 49 Jahren in unterklassigen Ligen kam mit der Übernahme durch Tony Bloom anfangs des Jahrzehnts, dem unter anderem auch die Seagulls aus Brighton gehören, der Erfolg zurück. Der Gästeanhang startete dementsprechend euphorisch und lautstark in die Begegnung und machte auch im Laufe der 90 Minuten ab und an ganz gut Alarm. Torlos zur Halbzeit war natürlich auch ein zufriedenstellendes Ergebnis aus ihrer Sicht.
Wir selbst groovten uns im Ausweichhabitat 20 Minuten vor Anpfiff erstmals ein. Während über der leeren Südkurve der einfache Slogan “Gegen Kollektivstrafen – für eine lebendige Fankultur” stand, prangte im Oberrang neben bekannten Fanclubfahnen ähnlich simpel aber aussagestark die Liedzeile “Wir sind immer hier, die Kurve das sind wir.” Ansonsten fällt es natürlich nicht leicht, irgendetwas zum eigenen akustischen Auftritt zu beurteilen. Ein Vergleich mit dem Finale 2012 verbittet sich von selbst und man muss schon auch zugeben, wenn man selbst oben steht, merkt man, wir haben eher ein schallschluckendes als verstärkendes Dach. Die Rückmeldung aus anderen Stadionteilen war aber ganz positiv und zumindest der “Scheiß UEFA”-Wechselgesang kam gut in der Nordkurve an. Danke für das schöne Echo!
Protest ins Stadion tragen macht halt definitiv mehr Spaß als andere Protestformen und wenn es wie in diesem Fall vor allem durch die eigene Anwesenheit und ein paar Parolen gegen den verantwortlichen Verband ist. Auf dem Feld gestaltete sich die Partie wie schon angesprochen zäh und chancenarm. Ecke und Elfmeter sorgten nach der Pause dann aber schnell für ein sicheres Polster und lieber ging der zweite Elfer des Tages heute gegen das Gebälk als wenn wir das Tor mal dringender brauchen. Ein wenig schade war dann lediglich, dass die Mannschaft mehr oder weniger ohne kurzen Stopp am heutigen Fanblock vorbeizog. Es hatten sich doch ein paar Spieler zuvor geäußert, wie schade es wäre, auf die Kurve verzichten zu müssen. Ein paar Gespräche später erfuhr man dann aber von der Beleuchtungsstärke der Flutlichtanlage in unsere Ecke, die wohl sehr stark blendet und es quasi verunmöglicht, vom Feld aus zu sehen, was in dieser Ecke ist. Dann braucht’s auch keinen Gram über eine Mannschaft, mit der sich das Ganze doch ein wenig nach Einheit anfühlt.
Mit dem Sieg heute hat die Mannschaft dann auch den direkten Einzug ins Achtelfinale gesichert. Für den ambitionierten Fan ja auch sehr wichtig. Und da stehen wir dann im Rückspiel auch wieder am gewohnten Platz und gehen den nächsten großen Schritt auf dem Weg nach Budapest.
WIR SIND IMMER HIER, DIE KURVE DAS SIND WIR!
Hier findet Ihr die Bilder zum Spiel
FC Bayern München – FC Augsburg 1:2

Heimspiel gegen Augsburg am Samstagnachmittag im Januar – das klingt nach Alltag und wenig Spektakel, so ehrlich darf man sein. Ein bisschen mehr als erwartet war dann aber doch los, auch sportlich geschah etwas Unerwartetes. So kam mir der Gang in die Südkurve doch etwas besonderer als sonst vor, da wir drei Tage zuvor im Europapokal-Heimspiel gegen Union Saint Gilloise aufgrund der UEFA-Sanktionen die Partie aus dem Oberrang verfolgt hatten. Zur Wahrheit gehörte aber auch, dass der FC Bayern selbst davon abgesehen hatte, zumindest Teile der Südkurve freizugeben und diese so komplett leer bleiben musste. Umso dankbarer sind wir allen Bayern-Fans, die sich mit uns solidarisch zeigten, was über die Mikrofonanlage der Kurve vor Anpfiff auch an alle kommuniziert wurde, gefolgt von einem „Wir sind immer hier. Die Kurve, das sind wir!“-Gesang.
In das Spiel selbst starteten wir etwas verhalten mit Kiss Him Goodbye und „Wenn ich nachts nicht schlafen kann“. Letzteres hatte in jüngerer Vergangenheit eigentlich immer für gute bis sehr gute Momente gesorgt. Ehrlicherweise taten wir uns aber danach recht schwer, mit den eher textlastigen Liedern Lautstärke zu generieren. So brauchte die Südkurve den 1:0-Führungstreffer nach einer halben Stunde durch Ito infolge eines Eckballs, um aktiver zu werden und die zuvor herrschende Lethargie abzulegen. An der Stelle Lob an die Vorsänger, die das Tor bereits antizipiert hatten und direkt vor der Ecke „Auf geht’s Bayern, schießt ein Tor!“ angestimmt hatten! Die erwähnte höhere Aktivität machte sich bei unserem neuen Lied von KISS bemerkbar und da die Stimmung nun etwas gelöster wirkte, funktionierte auch der Klassiker „Heißer Sand“ kurz vor der Pause gut. Aus der ersten Halbzeit ist außerdem das Spruchband der Augsburger, „Kollektivstrafen abschaffen!“, zu erwähnen, für das wir uns ausdrücklich bedanken und die Solidarität zu schätzen wissen.
Auch wir hatten mehrere Spruchbänder dabei. Als Reaktion auf die völlig unverhältnismäßigen Maßnahmen der Berliner Polizei gegen die Fanszene von Hertha BSC eine Woche zuvor zeigten wir mit Wiederanpfiff ein Banner über die gesamte Südkurve mit der Aufschrift „Solidarität mit der Ostkurve Hertha BSC“. Dieses wurde von mehreren Spruchbändern in der Kurve ergänzt, die unsere Haltung und Forderungen unmissverständlich ausdrücken. Außerdem forderten wir Unterstützung für die Region Rojava, deren Autonomie aktuell wieder stark bedroht ist und deren Entwicklung wir mit Sorge verfolgen. Ferner durften wir dem Commando Bavaria zu 25 Jahren gratulieren, in diesem Sinne: „Die Faust zum Kruge! Auf Euch!“. Aus traurigem Anlass richteten wir schließlich ein Spruchband nach San Benedetto, wo ein früheres Mitglied kürzlich verstorben ist. Ruhe in Frieden!
Die zweite Halbzeit lief insgesamt wenig befriedigend, sowohl auf dem Rasen als auch in der Kurve. Zwar war der Start lauter als mit Anpfiff und der Wechselgesang zu „Ich geb´ mein Herz für dich!“ war solide, jedoch ließen wir uns mit dem Ausgleich etwas den Stecker ziehen. Im Gegensatz zu den Partien zuvor hatte ich heute auch nicht die Überzeugung, dieses Spiel noch zu drehen, und meine Befürchtung bestätigte sich schließlich: Wir kassierten noch das 1:2 und vermochten das nicht mehr geradezubiegen. Immerhin konnten wir in den Schlussminuten nochmal lauter werden, vor allem „FC Bayern München, schieß ein Tor!“ konnte die Leute gut mitnehmen. Gereicht hat es leider nur zu einem Alu-Treffer von Olise in der Schlussminute.
Abschließend noch ein Blick in den Gästeblock: Optisch setzten die Schwaben auf ein breites Zaunfahnenbild, das für meinen Geschmack etwas sehr zugehängt wirkte. Besser hat mir die Verteilung der Schwenkfahnen gefallen. Zu hören in der Südkurve war von den Augsburgern erst mit dem Ausgleichstreffer etwas, das 1:2 spielte ihnen dann natürlich in die Karten. Meiner Meinung nach einer der besseren Auftritte der Augsburger, welcher aber klar durch den Spielverlauf bedingt war.
Die Niederlage war für uns kein sportlicher Beinbruch, aber zeigte deutlich die Folgen des aktuell enormen Pensums, das weder an der Mannschaft noch an der Kurve spurlos vorbeigeht. Gelegenheiten zur Wiedergutmachung kommen aber noch einige! Danke an die vielen Freund*innen aus Bochum, Empoli, Jena und Hamburg, die uns heute unterstützt haben!
PSV Eindhoven – FC Bayern München 1:2

Wenn im späten August in Monaco die Kugeln gezogen oder vielmehr neuerdings die Buzzer gedrückt werden, ist die Welt des Europapokals erstmal eine, die grundsätzlich Reisefieber bei uns Bayernfans auslöst. Mit Zypern im September konnten einige neben der Herbstbräune auch noch ein neues Land mit unserem FC Bayern bereisen. Fußballherz, was willst du mehr? Nun ja, sicher nicht Eindhoven auf einen nasskalten Mittwochabend im Januar, so viel steht schon mal fest. Auch wenn das letzte Aufeinandertreffen bereits knapp zehn Jahre her ist und seinerzeit etliche aufgrund der Kartenknappheit nur vor den Stadiontoren anwesend waren, war von großer Begeisterung im Vorhinein wenig bis gar nichts zu spüren.
Hatten wir im November 2016 noch das volle Programm aufgefahren und nach Anreise über leichte Umwege ab dem Vormittag das, was Einheimische wohl “Stadtzentrum” nennen, bevölkert, war der restliche Tag seinerzeit eher nervig gewesen. Reden wir also nicht lange drumherum: Angesichts des unattraktiven Gegners, einer ebenso unattraktiven Stadt und vollgepackten Wochen im Januar, wurde ausnahmsweise das Schmalspurprogramm gefahren und erst am späten Nachmittag ins Nachbarland eingerollt. Hatte dann durch die humanen Abfahrtszeiten auch eher was von DFB-Pokal auswärts bei Mönchengladbach.
Dankenswerterweise verzichtete der lokale Bürgermeister auch auf irgendwelche unlustigen Spielchen in Bezug auf Kartenabholung o.ä., sodass der Knüppel bei den Einheiten der Polizei Noord-Brabant fest im Holster blieb, als in Sichtweite zum Stadion die Busse verlassen wurden. Ist in den Niederlanden bekanntermaßen ja leider auch keine Selbstverständlichkeit. Durch den geleiteten Umweg Richtung Stadion kam beim Marsch zumindest nochmal kurz so etwas wie Europapokalfeeling auf und schon konnte relativ problemlos das Stadion betreten werden. Vergleicht man nun die letzten Spiele in Amsterdam und Rotterdam mit dem in Eindhoven, war das dann doch erfrischend easy, gerade auch in Bezug auf die Mitnahme sämtlicher Tifo-Materialien. Hatten wir uns beim letzten Mal noch alle in eine Hälfte des Gästeblocks gequetscht, stellte sich die Südkurve nun deutlich breiter auf. Aufgedreht wurden die Boxen unterm Stadiondach zum Glück nicht ansatzweise so sehr wie in Rotterdam und auch sonst scheint man in der Stadt der Glühbirnen eher auf die 0815-Spotify-Playlist zu setzen. Dass die dann als letztes Lied vor Anpfiff Zombie Nation mit Kernkraft 400 ins steile Rund bläst, ist für uns Bayernfans natürlich ein gefundenes Fressen, sodass der Start ins Spiel direkt ganz ordentlich schepperte.
Generell war das übers gesamte Spiel hinweg ein runder Auftritt der Südkurve, kleine Blöcke mit einem Dach machen auch einfach Laune. Sicherlich wurden an dem Abend keine Dezibelrekorde gebrochen, aber gemessen an der Ausgangslage dürften die allermeisten doch recht zufrieden gewesen sein. Einfach mal ohne größere Höhen oder Tiefen in entspannter Runde seine Lieder zum Besten zu geben und dabei ein wenig Fußball schauen, das passt eben auch mal. Der wurde nämlich auch noch gespielt und während es für unsere Elf in seltener Farbkombination Schwarz-Rot-Schwarz um nichts mehr ging, hatten die Holländer noch Hoffnungen auf ein Weiterkommen. Tja, nichts war’s, der kurz währende Ausgleich samt einiger Nickeligkeiten und Zeitspiel schien unser Team ordentlich zu reizen, sodass es sich Harry Kane persönlich nicht nehmen ließ, sechs Minuten vor Ende die Träume der Hausherren zum Platzen zu bringen. Leid getan hat das wohl den wenigsten von uns.
Nachspielzeit, Blocksperre und schneeverwitterte Verkehrsbedingungen sorgten dann allerdings auf der Rückfahrt dafür, dass bei nicht wenigen die Augen auf der Arbeit, Uni oder Schule am nächsten Tag etwas kleiner waren. Aber an sowas denkt man ja nicht, wenn im August in Monaco die Kugeln rollen. Vergesslich wie wir sind, wird uns dann auch hoffentlich schon in der nächsten Runde wieder das Europapokalfieber packen.
FC Bayern, wir hol’n den Cup nochmal!
Hamburger SV – FC Bayern München 2:2

Knapp 8,5 Jahre ist es her, unser letztes Spiel im Volksparkstadion. Eine ganze (Fan-) Generation ist ohne Stau im Elbtunnel groß geworden – Zeit, mal wieder beim ehemaligen Dino vorbeizuschauen. Bereits im Hinspiel-Bericht haben wir festgestellt: bei aller Abneigung gegen die schwarz-weiß-blauen Hamburger*innen – in die Bundesliga gehören sie halt einfach und das Spiel in Hamburg sollte eines der Saisonhighlights sein. Wenig überraschend daher, dass die Buskolonne deutlich größer war als noch drei Tage zuvor und in den frühen Morgenstunden ging es mal wieder die A9 hoch. Je weiter es dann auf der A7 Richtung Norden ging, desto mehr musste ich an die Serie Games of Thrones denken: In dieser wird der Norden als kalte, schneereiche Gegend dargestellt und der Blick nach draußen und auf die Temperaturanzeige im Bus ließen mich zur Erkenntnis kommen, dass die Seriendarstellung an dem Tag auch die Realität abbildet. Kurz vor Hamburg ging es nochmal kurz raus aus den Bussen und siehe da: Es war einfach nur saukalt. Findet der gemeine Fan ja nicht so geil, Fußball macht bei wärmeren Temperaturen doch mehr Spaß. Aber gut, selbst wenn wir im Juli in Hamburg spielen würden, wäre es vermutlich kalt, windig und regnerisch.
Leider verwehrten uns die örtlichen Einsatzkräfte einen kurzen Winterspaziergang. Mit der Anzahl an Bussen halt nicht ganz so easy, selbst wenn die eigentliche Route gemieden wurde, fällt man halt dann doch schnell auf. Somit wurden die Busse direkt ans Stadion gekarrt und die geplante Choreo musste nur wenige Meter zum Eingang getragen werden. Aufgrund von Choreo und Aufstellung im Oberrang ging es mit Öffnung des Stadions rein und die Vorbereitungen gingen los. Konstruktion für die Zaunfahnen, Aufbau von Fahnen und Doppelhaltern, Choreovorbereitung – es war einiges los. Die Anwesenheit weiter Teile der Südkurve (aMr und RFM waren im Stehplatzbereich, der Rest im Oberrang) kam bei vielen Bayernfans leider nicht so positiv an, wie wir uns das erhofft hatten. Die Zusammensetzung der Sitzplätze gleicht bei unseren Auswärtsspielen immer einer Lotterie und an dem Tag war das dann leider eher eine Niete. Dass viele Gästestehblöcke so konzipiert sind, dass sie für die aktiven Fanszenen zu klein sind, wurde hier ja schon ab und an thematisiert. Daher ist Ausweichen auf Sitzplätze mittlerweile gängige Praxis, die eben mal auf mehr und mal auf weniger Gegenliebe stößt.
Pünktlich um 18:25 Uhr startete der Gästeblock mit der Aktion, ein großes Bayernlogo sollte über dem gesamten Block zu sehen sein. Leider kam es beim Runtergeben der Blockfahne zu kleineren Problemen, so dass das gewünschte Bild erst relativ spät stand und es in unseren Reihen zu ein bisschen Hektik und Aufregung kam. Letztlich kann sich das Ergebnis sehen lassen, eine schlichte gehaltene Blockfahne mit dem Logo, das uns alle nach Hamburg fahren ließ.
Ob die etwas unrund gelaufene Choreo, der vorübergehende Ausfall der zwei großen Megafone oder einfach die Kälte der Grund war war: Gesanglich konnte die Kurve nicht richtig warmlaufen und die ersten 45 Minuten blieben hinter dem, was wir uns vorgenommen hatten, zurück. Warum es ausgerechnet bei einem Spiel, wo der Wettstreit der Kurven mindestens genauso wichtig ist wie der auf dem Rasen (wenn nicht sogar eine Ebene drüber), bleibt ein Rätsel. Ein Mysterium, das uns auch schon bei anderen bedeutenden Spielen aufgefallen ist… Dass wir es besser können, haben wir schon oft gezeigt und wissen wir selbst natürlich ganz genau. Daher herrschte in der Halbzeitpause etwas Unzufriedenheit und auch auf dem Spielfeld lief es nicht so rund. Nach Führung des HSV konnte zwar ausgeglichen werden, aber das war natürlich auch hinter den Erwartungen.
Die Pause wurde bei uns genutzt, um die Vorbereitungen für eine Aktion zu Beginn der zweiten Halbzeit zu treffen: Hinter einem großen Südkurve München Schriftzug leuchtete, blinkte und qualmte es über große Teile des Gästebereichs. Nach Gladbach die zweite große Pyroaktion über Unter- und Oberrang. Mittenhinein und von vielen unbemerkt, stellte unsere Mannschaft den Spielstand auf 2-1. Die Führung konnte der HSV jedoch schnell egalisieren und auf dem Rasen entwickelte sich eine hitzige Partie, in welcher wir dominanter waren, aber letztlich auch Glück hatten, dass Davies noch einen Ball von der Linie kratzte.
In dieser Phase, ab circa einer Stunde Spielzeit, fand die Kurve dann auch endlich ins Spiel und versuchte die Mannschaft zum Siegtreffer zu singen. Vor allem Rivers of Babylon und „FC Bayern München, schieß ein Tor!“ kamen, untermalt von einigen Fackeln, gut rüber und ließen mal die erhoffte Power und Durchschlagskraft erkennen. Warum es davor eine Stunde mit angezogener Handbremse vonstatten ging, eine Frage, die ich leider nicht beantworten kann. Den Kurvenwettstreit entschied die Nordtribüne Hamburg letztlich für sich. Auch wenn die Meinungen der SKB-Redaktion von solide bis stark reichten und nicht ganz einheitlich waren, war das insgesamt schon eine runde Sache was CA und Co. zeigten. Immer wieder wurde situativ gezündet und ab und an eine ordentliche Lautstärke erreicht. Gerade die Klatscheinlagen kamen brachial rüber. Auch wenn die Mitmachquote in Richtung Außenbereich sich ähnlich entwickelt, wie bei unseren Heimspielen und auch in Hamburg der berüchtigte Stimmungshalbkreis zu erkennen war – innerhalb der Bundesliga vermutlich unter den Top 3. Kleiner Tipp jedoch von meiner Seite: Bevor irgendwelche Fruchtzwergtipps nach München gegeben werden, sollten sie vielleicht der eigenen Mannschaft etwas Power verabreichen… Was da ab der 60. Minute an von Krämpfen geplagten Spielern am Boden rumlagen, war für einen Erstligisten schon unwürdig. Ob es reines Zeitspiel war oder tatsächlich die Fitness fehlt, ich kann es nicht beurteilen.
Wie dem auch sei, mit nur einem Punkt im Gepäck traten die Busse den Weg Richtung Süden an und die zweite Nacht im Bus innerhalb von vier Tagen stand bevor. Innerhalb einer Woche 40 Stunden im Bus – und da fragt sich Fritze Merz, weshalb es mit der Wirtschaft in Deutschland bergab geht…
Ein Dank für die Unterstützung geht an die Horda Azzuro und die Südkurve Jena.
NEUE AUSGABE DES KURT! MAGAZINS – ERINNERUNGSTAG 2026: KICKEN HINTER FRIEDHOFSMAUERN
Zum Erinnerungstag 2026 setzt die Kurt Landauer Stiftung das Gedenkbuch an die verfolgten Mitglieder des FC Bayern aus dem Vorjahr fort.
In dieser Ausgabe 8 des KURT! Magazins „Kicken hinter Friedhofsmauern – Gedenkbuch der jüdischen Jugendspieler des FC Bayern von 1933“ geht es, wie der Titel schon sagt, nicht um die Biographien der namhaften Personen um Kurt Landauer, Siegfried Herrmann, des Kammerspiele-Schauspielers und Regisseurs Kurt Horwitz oder die der Gastronomie-Familie Friediger. Neu zugängliche Quellen machten es möglich, 22 Biographien, darunter bisher 14 unbekannte, von Schüler-, Jugend- und Juniorenspielern des FC Bayern mit jüdischen Wurzeln zu erforschen.
Als die Nationalsozialisten unter Reichskanzler Adolf Hitler am 30. November 1933 an die Macht kommen sind diese zwischen acht und 20 Jahre alt und müssen miterleben, wie sich in ihrem Heimatland, gesteuert von den neuen Machthabern – in der deutschen Gesellschaft und auch bisweilen im Kreise ihrer Bekannten und Freunde – ein radikaler Antisemitismus breit macht. Dieser wird in den folgenden Jahren zu Demütigungen, zu ihrer vollkommenen Ausgrenzung und Entrechtung und schließlich auch zur Shoa führen.
Nachdem die jungen Mitglieder beim FC Bayern ausgeschlossen werden, haben sie noch die Möglichkeit in ihren Kreisen weiter Fußball zu spielen. Nach der Reichspogromnacht 1938 wird es ihnen verboten, auf Münchner Sportplätzen ihrer Leidenschaft nachzugehen. Vielen von ihnen und weiteren Münchnern in ihrem Alter ist es zu diesem Zeitpunkt bereits gelungen, vor den Nationalsozialisten und dem bevorstehenden Holocaust zu fliehen. Den Zurückgebliebenen bleibt ab 1939
nur noch ein Platz, wo ihnen das Fußballspielen erlaubt wird. Auf einer Freifläche hinter den Friedhofsmauern des Neuen Israelitischen Friedhofes in Freimann.
Es liegt an uns allen, dass sich so etwas niemals wiederholt. Nie wieder!
Die KURT! Ausgabe könnt ihr euch ab sofort hier bestellen:
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Danke für eure Unterstützung!